Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Politikverdrossenheit: Wie sich ein 17-Jähriger für mehr Engagement einsetzt

Damiano Vecchi aus Grünstadt ist nicht nur im Jugendbeirat aktiv, sondern auch als CDU-Mitglied präsent. Für den Beirat möchte e
Damiano Vecchi aus Grünstadt ist nicht nur im Jugendbeirat aktiv, sondern auch als CDU-Mitglied präsent. Für den Beirat möchte er unter städtischen Jugendlichen mehr werben.

Politik ist für Damiano Vecchi Leidenschaft. Der 17-jährige Vorsitzende des Grünstadter Jugendbeirats will junge Leute zum Mitmachen anregen – mit neuen Ideen.

Warum sich viele junge Menschen wenig für einen Jugendbeirat interessieren, weiß Damiano Vecchi: „Viele denken, dass Politik langweilig ist.“ Dass das eher für Alte sei und dass sich ohnehin nichts erreichen ließe. Das sieht der 17-jährige Vecchi anders. Er ist selbst seit fast einem Jahr in der Grünstadter Kommunalpolitik aktiv. „Ich interessiere mich sehr dafür“, sagt er. Und er findet, dass sich gerade auf kommunaler Ebene viel erreichen lasse. Dort sei der Kontakt zu den Menschen besser – anders als bei einem politischen Amt auf Bundesebene.

In seiner Rolle als Vorsitzender des Grünstadter Jugendbeirates hat er sich ein Ziel gesetzt: den Beirat unter Jugendlichen bekannter machen. Das soll vor allem über die sozialen Medien geschehen. Vecchi erzählt, dass das Gremium unter dem Namen „Young Voice Grünstadt“ (deutsch: Junge Stimme Grünstadt) auf der Internetplattform Instagram aktiv ist. Dort lässt sich ein Profil erstellen und Bilder veröffentlichen – das sogenannte Posten. Auch Videos könne sich der Vorsitzende vorstellen. Nur gibt es da ein Problem: „Das ist viel Arbeit“, sagt er und diese Zeit fehle den Beiratsmitgliedern aktuell. Deshalb hat Vecchi noch eine andere Idee, um den Beirat bekannter zu machen: Die Mitglieder sollen bei städtischen Veranstaltungen präsent sein.

Schulklassen besuchen

Dafür denkt der 17-Jährige an einen Infostand, um Flyer unter Interessierten zu verteilen. Darüber hinaus möchte Vecchi junge Leute noch direkter ansprechen. Sein Plan: „Wir wollen in die Schulen gehen und uns in den Klassen vorstellen.“ Er nennt das Leininger-Gymnasium – das Vecchi besucht – und die Integrierte Gesamtschule. Durch Gespräche mit Schülern möchte Vecchi erfahren, was seine Altersgenossen umtreibt: „Sie können uns sagen, was sie sich für Grünstadt wünschen und wofür sich der Beirat einsetzen soll.“

Bisher hatte das Gremium mehrere Themen im Fokus: Darunter das Lesecafé in der städtischen Bücherei aufhübschen. Heißt: „Wir haben den Vorschlag gemacht, dort einen Wasserspender zu installieren“, sagt Vecchi. Zusätzlich hätten die vor Ort stehenden runden Tische gegen eckige getauscht werden sollen. „Die wären größer und man hätte mehr Platz, um gemeinsam lernen zu können.“ Weiterhin ist dem Vorsitzenden das Grünstadter Jugendhaus ein Dorn im Auge. „Es ist ziemlich marode“, gesteht der 17-Jährige. Er würde sich eine Instandsetzung des Gebäudes wünschen – um daraus einen gemütlicheren „Chill-Spot“ zu schaffen, also einen Ort, an dem junge Leute entspannt verweilen können.

Gremium kann wachsen

Nur kostet vieles davon Geld. Laut Vecchi hat die Stadtverwaltung entschieden, dass das Mobiliar in dem Lesecafé nicht mehr geändert wird. Auch die Renovierung des Jugendhauses stehe derzeit nicht auf dem Programm. Das Problem: die hohen Kosten, die die Stadt nicht tragen könne. Lediglich der Wasserspender werde geprüft, so der 17-Jährige. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Davon unterkriegen lassen möchte sich Vecchi nicht. Er hofft, dass der Beirat wächst. Aktuell besteht er aus neun Personen. Die meisten sind 18 Jahre alt, der Jüngste ist 17 und der Älteste 19. Laut Satzung dürfen im Beirat Menschen von 14 bis 24 Jahren mitmachen. Das Gremium darf elf Mitglieder haben. Zwei könnten also noch hinzukommen, sagt Vecchi. Dafür hat es bei der ersten Wahl zum Jugendbeirat Ende März dieses Jahres nicht gereicht. Von über 1548 stimmberechtigten Grünstadtern zwischen 14 und 24 Jahren stimmten damals im Weinstraßen-Center 13 ab.

Jurastudium als Option

Dass der Beirat deshalb ein Repräsentationsproblem habe, gesteht Vecchi auf Nachfrage ein. Er verweist auf die genannten Projekte, um den Beirat bekannter zu machen. Und er betont einen Vorteil: „Man lernt durch den Beirat die Stadtverwaltung kennen.“ Zwar habe das Gremium kein Stimmrecht im Rat, aber es sei dem Seniorenbeirat gleichgestellt und berate die Verwaltung.

Für sich persönlich hat der 17-Jährige auch Pläne: Wichtig ist ihm, sein Abitur fertig zu machen. Parallel plant er, sein Engagement als CDU-Mitglied auszubauen. Kontakte hat er bereits unter Kommunalpolitikern geknüpft. Im Anschluss an seinen Schulabschluss kann er sich ein Jurastudium vorstellen. Der Fachbereich Recht habe ihn schon immer interessiert, sagt er. Geprägt worden sei er von der Heimat seiner Eltern – Italien – und von dem staatlichen Kampf dort gegen die Mafia. Eine Politkarriere – mit Amt und Würden – hält sich der Engagierte offen. Vorher steht eine andere Position auf seiner Liste: Schülersprecher werden. Dafür hat er bereits Rückendeckung von seinen Freunden. „Ich bin froh, dass ich einen Kreis habe, der mich unterstützt“, sagt er.

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