Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer Facharzt klärt auf: Das passiert im Körper nach der letzten Zigarette

Er behandelt häufig die Folgen langjähriger Raucher-Karrieren: Dr. Hermann Braun-Lambur.
Er behandelt häufig die Folgen langjähriger Raucher-Karrieren: Dr. Hermann Braun-Lambur.

Tabakrauch verursacht nicht nur Krebs, sondern hat auch eher unbekannte Folgen. Pneumologe Braun Lambur erklärt, was es ist und wie der Rauchstopp schnell hilft.

Herr Dr. Braun Lambur, was denken Sie als Lungenfacharzt übers Rauchen?
Es ist sehr schädlich. Ich sag meinen Patienten immer, wenn sie es schaffen, aufzuhören, haben sie sich den größten Gefallen für den Rest ihres Lebens getan, was das Thema Gesundheit betrifft. Rauchen kostet im Schnitt zehn Lebensjahre.

Egal, wie viel jemand raucht?
Das gilt fürs Rauchen generell. Es gibt kein Null-Risiko. Selbst sechs Zigaretten im Monat haben eine negative Auswirkung. Auch Gelegenheitsrauchen ist also nicht unproblematisch. Und noch eine Zahl: Jährlich sterben 130.000 Menschen durchs Rauchen. 40.000 Menschen sterben durch Alkohol und 2000 durch Drogen. Das veranschaulicht mal die Relation des Problems. Rauchen birgt unter den Suchtmitteln das größte Risiko.

Und die Menschen sterben durchs Rauchen wodurch?
Viele Krebsarten sind auf das Rauchen zurückzuführen, aber die häufigste tödliche Krebsart bei Männern und Frauen ist Lungenkrebs. Männer haben zwar häufiger Prostata-Karzinome und Frauen Brustkrebs, aber häufiger tödlich ist das Lungenkarzinom. Tödlich sind allerdings auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere Lungenerkrankungen wie COPD, also die Raucherlunge. Acht Prozent der Menschen in Deutschland leiden darunter und 90 Prozent der Fälle sind aufs Rauchen zurückzuführen.

COPD beginnt doch häufig schon lange, bevor es das Leben so massiv einschränkt, oder?
Ja, es fängt mit einer chronischen Bronchitis an, einer Entzündung der Atemwege durchs Rauchen. Je stärker die Lunge geschädigt wird, desto schwerer wird auch die Krankheit, das heißt: Luftnot bei Belastung bis hin zur zusätzlichen Sauerstoffversorgung.

Gibt es eigentlich Unterschiede zwischen den Folgen von klassischen Zigaretten, E-Zigaretten und den sogenannten Vapes?
Wir haben noch zu wenig Erfahrung, um das in Gänze abschätzen zu können, aber man kann auf alle Fälle sagen, dass alles schädlich ist. Das Problem ist allerdings: Man dachte immer, E-Zigaretten und Vapes würden beim Ausstieg vom Rauchen helfen. Inzwischen wissen wir, dass sie sogar eher ein Einstieg sind. Sie schmecken durch die Aromen besser, werden bunt dargestellt oder mit Obst abgebildet beworben, weshalb sie bei Jugendlichen gut ankommen. Und das ist gefährlich.

So, nun beschließt ein Raucher, er hört damit auf. Was passiert denn dann im Körper?
Es fängt relativ rasch damit an, dass sich Blutdruck und Puls normalisieren. Nach zwölf Stunden sinkt der Kohlenmonoxid-Spiegel im Blut auf den Wert eines Nichtrauchers, zwei Tage nach dem Rauch-Stopp können Betroffene besser schmecken und riechen, und die Bronchien entspannen sich nach 72 Stunden. Die Atmung wird also leichter. Nach einigen Wochen stabilisiert sich der Kreislauf, die Lungenfunktion verbessert sich und die Hustenanfälle lassen nach. Im Prinzip zeigt das auf, dass die Entzündungsreaktion in den Bronchien weniger wird. Sie brauchen ja auch Zeit zu heilen.

Und durch das Rauchen wird diese Entzündung permanent befeuert?
Genau. Tabakrauch enthält Tausende aggressive Verbrennungsprodukte, etwa 70 sind krebserregend. Sie reizen die Schleimhäute und schädigen die Lunge. Das Krebsrisiko steigt aber insgesamt, weil diese Stoffe auch über das Blut im Körper verteilt werden und Rauchen sowie die chronische Entzündung zusätzlich das Immunsystem schwächen.

Sie hatten gerade die direkten Folgen vom Rauch-Stopp erwähnt. Sind die Schäden reversibel? Oder drohen dann noch immer schlimme Krankheiten?
Nicht ganz. Ein Beispiel: Nach zehn Jahren ist das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, nur noch halb so hoch wie bei einem Raucher. Es ist nicht ganz verschwunden. Nun wird ab April das Lungenkrebs-Screening für starke Raucher zur Kassenleistung. Die Unbekannte ist, wie das angenommen und wie es vergütet wird. Voraussetzung dafür ist aber in jedem Fall, dass der Patient zwischen 50 und 75 Jahre alt ist und mindestens 25 Jahre lang und davon 15 Jahre lang jeden Tag ein Päckchen Zigaretten geraucht hat. Entweder ist man aktiver Raucher oder hat vor höchstens zehn Jahren aufgehört und keine längeren Rauchpausen als zehn Jahre. Das zeigt auch, dass das Risiko für Lungenkrebs trotz Rauchstopp nie mehr gegen null geht. Aber nach fünf bis 15 Jahren ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen so niedrig wie bei einem Nichtraucher, immerhin.

Die Serie „Rauchfrei“

In einem siebenwöchigen Selbstversuch nimmt Redakteurin Mareike Keiper an einem Rauchfreikurs teil, berichtet von ihren Erfahrungen und gibt regelmäßig Informationen über verschiedene Aspekte des Rauchens und ein Leben ohne Zigaretten.

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