Eisenberg
Per Kurs mit dem Rauchen aufhören: So lief der Selbstversuch
Der Abschied ist emotional: Sieben Wochen lang habe ich diese sechs Frauen immer donnerstags getroffen und mit ihnen gelitten. Ein Problem haben wir zu Beginn nämlich alle – und uns auch genau deshalb kennengelernt: als Teilnehmerinnen des Rauchfreikurses von Axel Sawitzki im Thomas-Morus-Haus. Die Jüngste bin ich, gefolgt von Mittfünfzigerin Andrea, die an ihrem Hund hängt und an ihrer Gesundheit. Die Älteste ist über 70 und gesundheitlich angeschlagen, wie manche der Frauen. Das Lungenvolumen lässt nach, andere Krankheiten kommen dazu.
Hintergründe rund um die Sucht
Was uns noch eint, fasst Kursleiter Axel Sawitzki schon beim ersten Termin zusammen: „Es ist kein Mann dabei, ihr seid alle willensstarke Frauen.“ Und sie alle frönen dem ungesunden Laster bereits seit ihrer Jugend. Andrea hat bereits vor drei Monaten aufgehört und kämpft immer noch mit den Folgen, wie sie sagt: Bei der Fitness gebe es Luft nach oben, sie sei müde und schlafe schlecht. Als wir einschätzen müssen, wie zuversichtlich wir sind, es schaffen zu können, liegt ihre Antwort trotzdem immer bei mindestens 90 Prozent.
Andere Frauen sind da vorsichtiger. Sie fürchten sich davor, was passiert, wenn sie aufhören. Darauf bereitet Sawitzki vor. Er duzt uns ab Termin zwei, wir einander auch. Das stärkt das Team. Wir lernen, warum wir alle glauben, das Nikotin zu brauchen, um etwas gegen den Stress oder die Antriebslosigkeit zu tun, aber eigentlich ist es andersherum. Oft kommen negative Gefühle durch den Suchtdruck. Und den gilt es zu brechen.
Letzte Zigarette wird gemeinsam geraucht
Zuerst müssen wir aber aufhören. Ich habe das bereits zu Beginn des Kurses getan, aber drei der sieben Frauen machen den gemeinsamen Rauchstopp mit. Das heißt, wir gehen gemeinsam vors Gebäude und zelebrieren ihre letzte Zigarette, was erstaunlich herausfordernd ist. Passivrauchen, merke ich, ist fürs Erste unmöglich. Um es uns gegenseitig leichter zu machen, gründen wir eine Whatsapp-Gruppe, in der wir uns warnen können, wenn das Rauchbedürfnis doch wieder kommt – eine weitere Hilfe. Tatsächlich passiert genau das: Ist jemand kurz davor zu rauchen, ploppt eine Nachricht auf und die anderen Frauen reagieren. Das Team hält zusammen. Und es lernt sich besser kennen.
So erfahren wir, dass eine Teilnehmerin sich nun bei den Weight Watchers angemeldet hat, um durch den Rauchstopp nicht zuzunehmen. Eine andere, die monatlich fast 500 Euro für Zigaretten ausgegeben hat, will sich mit dem Geld etwas gönnen, und zwar als Erstes eine neue Couch, erzählt sie während des letzten Termins und lacht. Eine andere wiederum muss operiert werden, weil sie einen Befund hat. Als sie beim letzten Termin vorbeikommt und es ihr gut geht, atmet die Runde erleichtert auf.
Rückfall oder Vorfall?
Erst am Ende der letzten Stunde im Thomas-Morus-Haus kommt die Frage, die mich eiskalt erwischt, von einer der Frauen: „Wie viele Leute haben es denn in deinem vorherigen Kurs nicht geschafft, Axel?“ Der klärt auf, dass es durchaus Rückfälle gab, aber wenige. Vor denen sorge ich mich in dem Moment auch. Zwar ist es mir erstaunlich leicht gefallen, aufzuhören, und nach drei Tagen heftigen Entzugserscheinungen ist es fast so, als hätte ich nie geraucht. Allerdings handelt es sich eben trotzdem um eine Sucht. Von Tag zu Tag denken sei in jedem Fall sinnvoller als der absolute Wunsch, nie wieder zu rauchen, rät Sawitzki.
Passiert es doch und wir greifen zur Zigarette, ist es ein Vorfall und kein Rückfall, solange es bei einer bleibt und nicht wieder ausartet. Das steht auch in dem Buch, das zum Kurs gehört, das ausgefüllt werden soll und viele Hilfestellungen gibt. Es war für mich die sinnvollste Stütze. Im Kurs selbst gab es viel Erfahrungsaustausch und weniger Inhalt. Komprimiert auf drei Einheiten hätte er wahrscheinlich genauso viel genützt. Durchaus nützlich bei dem Angebot war aber die Gruppe. Als wir auseinandergehen, sind wir alle rauchfrei und optimistisch. Ob das so bleibt? Wir werden es erfahren, denn wir haben uns schon auf einen Eisbecher verabredet.
Die Serie „Rauchfrei“
In einem siebenwöchigen Selbstversuch hat Redakteurin Mareike Keiper an einem Rauchfreikurs teilgenommen und von ihren Erfahrungen berichtet.