Grünstadt
Party zwischen Reben: Wie ein Pfälzer Kollektiv die Weinszene verändert
In der elektronischen Musikszene kennen sich Lukas Frey und Daniel Schößler aus. Seit mehr als zehn Jahren sind sie als DJs unterwegs, ursprünglich allein und in Clubs. Über den Fußball lernten sie sich kennen und stellten eine Marktlücke fest: Partys ließen sich nämlich durchaus in Weingütern veranstalten, was es bis dato allerdings kaum bis gar nicht gab, erinnert sich Frey. Also entschieden die beiden Männer, sich dafür zusammenzutun. Sie gründeten das Kollektiv Vinolectro – eine Mischung der Wörter „Wein“ und „Electro“ und legten fortan in den Höfen der Winzer auf. Begonnen haben sie im Mai 2016 auf einem Weingut in Asselheim, jetzt feiert das Kollektiv, das nebenberuflich auflegt, sein zehnjähriges Bestehen. Dafür plant es ein besonderes Event.
Unterwegs in ganz Deutschland
Es ist eine von knapp 30 Veranstaltungen in diesem Sommer. Für die beiden Väter kleiner Kinder ist diese Menge eine Herausforderung, aber eine, auf die sie stolz sind. Denn in der ersten Zeit nach ihrer Gründung seien es deutlich weniger Events gewesen. „Damals haben wir noch über Facebook und mit Flyern geworben“, sagt Frey. Heutzutage, und das sei ein großer Unterschied, liefe vieles digital. Auch das Renommee der beiden hat sich verändert: Inzwischen legen sie nicht nur in der Nordpfalz auf, sondern in Weinregionen des ganzen Bundesgebiets, von Baden über Franken bis zur Mosel. Nicht nur Winzer lobten die Idee, bei den Besuchern kämen die Partys ebenfalls gut an, so ihr Eindruck. Beim Moselweinfest beispielsweise kommen knapp 4000 Gäste und tanzen zur Musik der DJs.
Für die steigende Nachfrage haben die beiden Männer auch eine Erklärung. „Das Nachtleben verändert sich. Die Clubs sterben, die Leute wollen nicht mehr die Nacht durchmachen und es zieht sie eher aufs Land, raus aus der Stadt“, so Frey. Darüber hinaus schaffe die Atmosphäre im Außenbereich des Weinguts einen Eventcharakter, der nachgefragt sei, fügt der 35-Jährige an. Neben ihm und Schößler gehören zwei weitere Mitglieder zu Vinolectro, nämlich Schößlers Vater Heinz und Raphael Kuntz, die beide hin und wieder einspringen und auflegen.
„Die Kunst, das Publikum zu lesen“
Nicht nur die DJs wechseln durch, auch das Alter der Gäste variiere, und darauf sei Vinolectro eingestellt. „Wenn es Ältere sind, legen wir eher House auf, Remixe, setzen auf die 90er. Ist das Publikum jünger, funktioniert auch melodischer Tech-House. Wobei wir immer gemütlicher starten und später kräftiger werden“, erzählt Schößler junior. Die Kunst sei es, das Publikum lesen zu können. Und ihres wiederum sei typischerweise nicht mehr ganz jung, so die Erfahrung der beiden. Auch für die Weingüter seien Menschen ab 25 Jahre die bessere Zielgruppe, schätzen sie.
Denn selbstverständlich geht es den Winzern nicht nur um eine gute Party, sondern auch um Kundengewinnung. Und das funktioniere, sagt Frey: Durch die Events entstünden neue Berührungspunkte mit den Marken, sodass die feierwütigen Gäste dann auch mal Wein kaufen. Das sei das Ziel, sagt Schößler: „Wir wollen junge Leute wieder mehr zum Wein bringen.“ Und der müsse nicht zwingend Alkohol enthalten. Die Winzer schauten immer häufiger über den Tellerrand hinaus und böten beispielsweise alkoholfreie Weincocktails an.
Direkt am Wingert aufgewachsen
Die beiden DJs sind selbst in der Weinregion groß geworden: Schößler lebt in Asselheim und arbeitet als Weintechniker, Finanzmakler Frey kommt aus Rheinhessen. „Mein Elternhaus war direkt am Wingert“, schwärmt er. Entsprechend haben die beiden mit ihren Veranstaltungen nicht nur eine Marktlücke gefunden, sondern können auch ihrer Leidenschaft nachgehen – künftig noch besser aufgestellt. Denn um die Zeit beim Aufbauen zu sparen, haben sie sich einen mobilen Eventtruck bauen lassen, mit dem sie bis zu 500 Menschen beschallen können. Demnächst wird der seinen ersten Auftritt haben, bevor im Juli die Jubiläumsparty ansteht – selbstverständlich auf einem Weingut.
Termin
Die Jubiläumsparty von Vinolectro findet am Samstag, 4. Juli, im Weingut Schroth in Asselheim statt. Beginn ist um 18 Uhr, der Eintritt kostet fünf Euro, es gibt keinen Vorverkauf.