Altleiningen RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Förderschul-Chef: „Unsere Kinder sind durchs Raster gefallen“

Daniel Wolff, neuer Schulleiter der St.-Rafael-Förderschule in Altleiningen, will in Digitalisierung investieren.
Daniel Wolff, neuer Schulleiter der St.-Rafael-Förderschule in Altleiningen, will in Digitalisierung investieren.

Seit 2013 ist Daniel Wolff an der St.-Rafael-Förderschule in Altleiningen. Nun ist er ihr Leiter. Welcher Bereich ihm besonders wichtig ist.

Daniel Wolff setzt alles daran, dass möglichst viele seiner Schützlinge auf eine Regelschule wechseln. Der 41-Jährige leitet nun die St.-Rafael-Schule mit dem Schwerpunkt sozial-emotionale Entwicklung und Lernen im Caritas-Förderzentrum in Altleiningen. „Unsere Kinder sind durchs Raster gefallen, teilweise schon in der Kita“, erläutert er. Die Aufgabe der 22 Lehrkräfte sieht er vornehmlich darin, die Stärken der Jungen und Mädchen auszubauen. So erführen die jungen Menschen, was sie alles könnten, und das sei gut fürs Selbstbewusstsein.

Letzteres bekämen sie auch durch die Teilnahme am Wanderzirkus. Alle aktuell 68 Schüler aus sieben Klassen haben neulich vor mehr als 150 Zuschauern Mut bewiesen und Lampenfieber ausgehalten. „Bei den 15 Auftritten kamen sie völlig frei aus sich heraus; es waren magic moments“, schwärmt Wolff von Clowns, Seilspringern, Raubtier-Dompteuren und Jongleuren auf dem St.-Rafael-Gelände. Es habe viele positive Rückmeldungen gegeben. So ein Projekt sei nicht nur ein sinnvolles Element zur Gewalt- und Suchtprävention, sondern auch geeignet, die Eltern mit ins Boot zu holen. Die intensive Arbeit mit ihnen ist Wolff extrem wichtig. Etwa die Hälfte seiner Förderschüler stammt aus den fünf Kinder-Wohngruppen der kirchlichen Jugendhilfeeinrichtung. Ein anderer großer Teil lebt in Tagesgruppen im Ort, in Grünstadt oder in Asselheim. Dort erhalten junge Menschen eine Alltagsstruktur, vermehren lebenspraktische Fähigkeiten und soziale Kontakte, wodurch sie Perspektiven entwickeln können.

Unterricht bis zur Berufsreife

Bis vor Kurzem wurde in Altleiningen nur bis einschließlich Klassenstufe vier unterrichtet. „Der Druck war enorm, den Kindern bis dahin die Rückführung ins Regelsystem zu ermöglichen“, berichtet der Pädagoge, der schon seit August 2013 zum St.-Rafael-Team gehört. Er betont allerdings, dass es trotz „Zeitfresser“ wie gemeinsamer Frühstücke und zahlreicher Konfliktlösungsgespräche stets gelinge, den normalen Grundschulstoff durchzunehmen. Und das, obwohl zwei Vollzeitstellen vakant sind und die Sonderpädagogen mit 22 Wochenstunden am Förder- und Beratungszentrum Haßloch Kollegen aus Regelschulen zum Umgang mit beeinträchtigten Kindern beraten.

Dass dem sozialen Lernen im Schulalltag viel Raum gewährt wird, zahlt sich durch nachhaltige und gute Beziehungen zu den Lehrern aus. „Viele Ehemalige kommen auch nach Jahren immer wieder vorbei“, sagt Wolff. Inzwischen können seine Schützlinge bis zur Berufsreife (ehemals Hauptschulabschluss) bleiben. „Circa 20 bis 30 Prozent schaffen bis dahin den Sprung ins Regelsystem, einzelne absolvieren den Sekundarabschluss I oder auch das Abitur“, so der Vater von drei Kindern. Das sei im Vergleich mit anderen Fördereinrichtungen eine hervorragende Quote.

Berufswunsch nach Zivildienst

Den Entschluss, Sonderpädagogik zu studieren, fasste der gebürtige Stuttgarter, der in Hannover aufgewachsen ist und für die Ausbildung in die Pfalz zog, beim Zivildienst in einer Behindertenwerkstatt. Schlüsselerlebnis sei die Begegnung mit einem autistischen Jungen gewesen, der mithilfe der Methoden der Unterstützten Kommunikation (UK) gelernt habe, sich anderen mitzuteilen. Gemäß seiner Beobachtungen gibt es zunehmend Normalintelligente mit Störungen und Verhaltensauffälligkeiten.

Nach dem eineinhalbjährigen Referendariat in Neuwied startete der Pädagoge an der Mosaikschule in Ludwigshafen und nahm dann eine Planstelle in Schifferstadt an. Dort habe er nach einer Neuberechnung durch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion wegen sinkender Anzahl von Schülern mit Förderbedarf jedoch schon nach einem Vierteljahr wieder gehen müssen. St. Rafael ist Wolffs dritte Station, auf die er aufmerksam wurde durch seinen Studienkollegen Thomas Hübner, der dort seit 2016 Konrektor ist. „Ich fühle mich hier sehr wohl“, berichtet er von einer offenen Atmosphäre und einem herzlichen Umgang miteinander.

Warten auf den Digitalpakt

Als besonderes Aufgabengebiet hat er sich die Digitalisierung vorgenommen, denn als er 2013 kam, gab es keinerlei Ausstattung in dieser Richtung. „Und inzwischen fallen die ersten Tablets aus, Beamer geben ihren Geist auf und die Smartboards sind nicht mehr auf dem Stand der Technik“, benennt er dringenden Handlungsbedarf. Modernes Equipment erleichtere den Lehrkräften die Arbeit und motiviere die Schüler. Nicht zuletzt ist Medienkompetenz Teil des Unterrichtsstoffes.

„Gegenwärtig warten wir auf den vom Bund angekündigten Digitalpakt 2.0“, sagt Wolff. Da sich die Caritas in einer schwierigen finanziellen Lage befinde, sei man froh über jede Spende. Die Hopp-Foundation habe bereits ihre Unterstützung zugesagt. Es gehe nicht nur um die Anschaffung von Geräten. Auch bei der Schulplattform hätte er gern eine Änderung: „Bislang benutzen wir MNS plus, wollen aber das schnellere und unkompliziertere Iserv.“

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