GRÜNSTADT RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Aldi: „Einkaufen in Hausschlappen“

Der große Ansturm ist am Eröffnungstag ausgeblieben – was manche Kunden begrüßten.
Der große Ansturm ist am Eröffnungstag ausgeblieben – was manche Kunden begrüßten.

Wer am Samstag zum neuen Aldi in der Weinstraße zwischen Asselheim und Grünstadt kam, war „angenehm überrascht“. So haben sich viele Kunden ausgedrückt. „Angenehm“ war vor allem, dass der Run ausgeblieben ist, „überraschend“ das frische Gesicht der Filiale.

Monika Zimmermann, die gerade ihre Einkäufe ins Auto räumt, sagt gut gelaunt: „Den Aldi hätte ich lieber bei uns in Obrigheim gehabt.“ Sie freue sich aber, dass der Discounter nun in der nördlichen Ecke von Grünstadt angesiedelt ist, wo er für sie günstiger zu erreichen sei als andere Supermärkte. Das Geschäft sei „schön und sehr übersichtlich“ aufgebaut. „Man hat auch Platz, um Abstand zu halten“, so die 61-Jährige, die über die relativ geringe Resonanz am Eröffnungstag erstaunt ist. Sie habe nichts Spezielles gesucht, sondern nur ihren Kühlschrank gefüllt. Von einer Gutschein-Aktion hat die Obrigheimerin nichts gewusst.

Im Gegensatz zum Ehepaar Merz. „Ab einem Einkauf von 40 Euro gab es fünf Euro geschenkt“, erläutert Günter Merz. Die Filiale habe bei ihm einen äußerst positiven Eindruck hinterlassen. „Aufgeräumt, gut sortiert und die Ware ist deutlich ausgezeichnet“, lobt der 69-Jährige. Seine Frau Ingrid erzählt, dass sie „mit Aldi aufgewachsen“ sei und die Veränderungen über die Jahre registriere. „Die Niederlassung in der Daimlerstraße ist schon viel besser als die in der Carl-Zeiss-Straße, die jetzt geschlossen wurde. Und hier ist es noch mal ein Stück heller und freundlicher“, meint die 65-Jährige. Über das neue Angebot im Norden Grünstadts freue sie sich, da sie gleich um die Ecke wohne. Die Eheleute betonen jedoch, dass sie den Markt wegen der Pandemie nicht betreten hätten, wenn der Ansturm zu groß gewesen wäre.

Ausfahrt könnte eventuell problematisch sein

Mit Blick auf die Ausfahrt in die Weinstraße befürchtet Mario Klemm (58) ein Problem in der Rushhour. „Da ist keine extra Spur und keine Ampel“, moniert der Neuleininger. Den großen Parkplatz im Nahversorgungszentrum Nord, wo demnächst noch ein Rewe-Markt eröffnen wird, findet er jedoch prima. Insgesamt zeigt er sich „positiv überrascht“ von der Aldi-Süd-Filiale: „Sie ist ansprechend aufgemacht und hat so viele Markenartikel, sodass man quasi gar nicht mehr woanders hingehen muss.“ Seine 53-jährige Gattin Carla hat festgestellt, dass Obst und Gemüse jetzt vielfach vorgeschnitten und gekühlt sei. Gekommen seien sie insbesondere „aus Neugier“ und um die Gutscheine einzulösen. „Und wir haben zwei neue gekriegt“, sagt Mario Klemm.

„Jetzt brauchen wir nicht mehr ans andere Ende der Stadt zu fahren“, sieht Ilse Berger Vorteile der neuen Einkaufsmöglichkeit angesichts der häufigen Staus auf der Grünstadter Hauptverkehrsader. „Wir können sogar herlaufen“, so die 84-Jährige, die in der Nähe wohnt. „Ja, wir wollten mit dem Trolley kommen, aber für den Hackenmercedes gibt es hier keine Parkplätze“, scherzt ihr Mann Lorenz (85). Auf die Senioren hat die Filiale einen „sehr guten Eindruck“ gemacht, verblüfft hat sie die Sortimentserweiterung. Eine kritische Bemerkung lässt Ilse Berger allerdings fallen, als sie ihren Einkaufswagen zurückschiebt und dabei feststellt, dass das ganz schön weit ist. „Auf dem Gelände sollten mehr Boxen stehen, so wie beim Globus“, findet sie.

Von speziellem Angebot angelockt

Vornehmlich Kunden von Globus und Lidl sind die Eheleute Rausch aus Carlsberg. Aldi hat sie am Eröffnungstag jedoch mit einem speziellen Angebot an Kinderhosen angelockt. „Leider waren die in der passenden Größe nicht vorhanden“, bilanziert Carina Rausch. Dafür habe sie eine Weste für ihren Sohn gefunden, so die 32-Jährige. Ihrem fünf Jahre älteren Mann Manuel gefällt die neue Filiale des Discounters sehr.

„Der Markt ist gut sortiert und das Personal ist freundlich“, resümiert Sina Knaus (61) nach ihrem ersten Besuch im Aldi in der Nordstadt. Auch den Gutschein habe sie eingelöst. Wie ihr Gatte Viktor verrät, sind sie insbesondere aus Neugier aus Ebertsheim gekommen. „Wir sind sonst immer im Lidl in Eisenberg“, sagt der 63-Jährige.

Auch Cornelia Brendel ist eher selten im Aldi. Als leidenschaftliche Köchin ist ihr die hohe Qualität von Lebensmitteln wichtig. „Vom Gutschein wusste ich nichts“, räumt sie achselzuckend ein. Weshalb sie dennoch gekommen ist und einen guten Eindruck von dem modern gestalteten Markt mit dem großen Sortiment gewinnen konnte, liegt an der Entfernung: „Ich wohne gleich da vorne“, zeigt sie auf angrenzende Häuser und meint schmunzelnd: „Eigentlich könnte ich in Hausschlappen einkaufen gehen.“

Zur Sache

Die Ansiedlung der beiden Märkte (Aldi und Rewe) in Grünstadts Norden war nicht unumstritten: So hatten die Grünen im Stadtrat kritisiert, dass eine Einkaufsmöglichkeit an dieser Stelle zwar gut sei, die Konzentration von gleich zwei Märkten hingegen falsch. Die Verbandsgemeinden Leiningerland und Eisenberg hatten Einwendungen gegen den Bau der Märkte vorgebracht: In Eisenberg fürchtete man, dass weniger Kaufkraft in der Stadt bleibt, im Leiningerland kritisierte man schon vor Jahren, dass Grünstadt mit Lebensmittelmärkten überversorgt sei.

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