Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Weingräfin: „Alle haben mir empfohlen, es auszuprobieren“

Lotte Heiner kommt wie ihre Vorgängerin im Amt der Weingräfin des Leiningerlandes aus Sausenheim.
Lotte Heiner kommt wie ihre Vorgängerin im Amt der Weingräfin des Leiningerlandes aus Sausenheim.

Die neue Leiningerland-Weingräfin ist mit 21 Jahren bereits im Ehrenamt tätig und studiert. Wie Lotte Heiners Freunde auf das neue Amt reagiert haben, verrät sie im Interview.

Frau Heiner, Sie übernehmen mit 21 Jahren ein traditionsreiches Amt. Spüren Sie da die Verantwortung bereits?
Natürlich habe ich Respekt vor der Aufgabe. Wenn man sich bewusst macht, dass es dieses Amt mittlerweile seit insgesamt 75 Jahren gibt und man selbst auf 74 Vorgängerinnen zurückblickt, dann spürt man die besondere Verantwortung, die damit verbunden ist. Im Moment überwiegt bei mir vor allem die Freude darauf, dieses Amt ausüben zu dürfen.

Welchen Wein trinken Sie denn am liebsten?
Ja, da muss ich Sie vielleicht ein bisschen enttäuschen – es kommt die typische 08/15-Antwort. Aktuell würde ich sagen, dass Riesling mein Lieblingswein ist. Aber natürlich hängt das auch von der Situation und der Gesellschaft ab, in der man sich gerade befindet.

Aktuell studiert sie Internationale Weinwirtschaft – eine gute Möglichkeit, um Einblicke in die Weinwelt zu erhalten, wie sie er
Aktuell studiert sie Internationale Weinwirtschaft – eine gute Möglichkeit, um Einblicke in die Weinwelt zu erhalten, wie sie erzählt.

Sie stammen nicht von einem Weingut. Sehen Sie das als Nachteil für Ihr anstehendes Amt?
Also ich würde schon sagen, dass es Vorteile hat, wenn man von klein auf in ein entsprechendes Umfeld hineinwächst. Man lernt die Arbeitsprozesse so von Anfang an viel intensiver und unmittelbarer kennen. Gleichzeitig würde ich aber sagen, dass ich durch verschiedene Praktika und durch mein Studium ebenfalls sehr gute Einblicke gewinnen konnte und dadurch gut vorbereitet bin.

Gab es einen Moment, in dem Sie wussten: Ich will Weingräfin werden – oder war das ein Prozess?
Nee, einen ausschlaggebenden Moment gab es eigentlich nicht. Durch die Uni kenne ich viele Kommilitonen und dadurch bekommt man natürlich immer wieder erzählt oder mit, wie ihnen das Amt gefällt und welche Erfahrungen sie damit machen. Unabhängig voneinander haben mir eigentlich alle empfohlen, es selbst einmal auszuprobieren. Und dann habe ich mir gedacht: Warum nicht einfach selbst versuchen? Glücklicherweise hat es dann auch geklappt.

Vor allem freut sie sich darauf, als Weingräfin mit Winzerinnen und Winzern zusammenarbeiten zu dürfen.
Vor allem freut sie sich darauf, als Weingräfin mit Winzerinnen und Winzern zusammenarbeiten zu dürfen.

Sie studieren Internationale Weinwirtschaft. Wie wird Ihnen dieses Fachwissen helfen?
Ich denke schon, dass es an manchen Stellen von Vorteil sein wird. Im Studium bekommt man insgesamt ein breites Verständnis für die gesamte Thematik – sei es im Bereich Weinanbau, bei sensorischen Fragestellungen oder in der Kellerwirtschaft. Dieses Wissen kann ich hoffentlich bei Terminen gut einbringen und dann auch in der Praxis anwenden beziehungsweise umsetzen.

Sie sind die neunte Weingräfin aus Sausenheim – spüren Sie im Ort bereits besondere Erwartungen?
Um ehrlich zu sein nicht. Ich freu mich eher drauf, mit den Winzerinnen und Winzern aus Sausenheim zusammenzuarbeiten.

An der Pfalz schätzt sie vor allem die lockere Umgangsart der Menschen sowie die schönen Landschaften.
An der Pfalz schätzt sie vor allem die lockere Umgangsart der Menschen sowie die schönen Landschaften.

Ehrenamt, Tanzlehrerin, Studium – jetzt noch das Amt der Weingräfin: Wo tanken Sie Kraft, wenn es einmal stressig wird?
Unter der Woche verbringe ich viel Zeit mit meinen Geisenheimern. Am Wochenende, wenn ich zu Hause in der Pfalz bei meinen Freunden aus der Heimat bin, kann ich dann auch gut abschalten und die Zeit genießen. Allerdings muss man auch sagen, dass mir meine Aufgaben grundsätzlich Spaß machen – es ist also keine Belastung oder Qual für mich.

Was bedeutet Ihnen pfälzische Heimat?
Gute Frage – ich würde spontan sagen, dass es vor allem die lockere, aber zugleich direkte Art der Menschen in der Pfalz ist, die ich sehr schätze. Was man vielleicht erst etwas später richtig zu schätzen lernt, ist zudem die Vielfalt, die die Pfalz bietet. Auch die Landschaft ist einfach traumhaft und trägt viel dazu bei, dass ich mich dort sehr zu Hause fühle.

Aktuell trinkt sie besonders gerne Riesling – aber das kommt laut ihr immer auch auf die Gesellschaft an.
Aktuell trinkt sie besonders gerne Riesling – aber das kommt laut ihr immer auch auf die Gesellschaft an.

Die Krönung beim Grünstadter Weinwettstreit ist ein großer Moment. Haben Sie Lampenfieber oder überwiegt die Vorfreude?
Also aktuell habe ich eigentlich noch kein Lampenfieber, sondern eher Vorfreude auf das, was kommt. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass das Lampenfieber noch kommen wird – und ich glaube, ich würde mir eher Sorgen machen, wenn ich gar keines hätte. Im Moment versuche ich allerdings, mir darüber nicht zu viele Gedanken zu machen oder mich selbst verrückt zu machen, sondern die Situation einfach auf mich zukommen zu lassen.

Ist das Amt der Weingräfin für andere Gleichaltrige noch etwas Besonderes?
Ja, das Amt hat auf jeden Fall eine große Bedeutung. In der Pfalz gibt es ja keine weitere Weingräfin, sondern nur Weinprinzessinnen oder eine Weinkönigin. Deswegen würde ich dieses Amt schon als etwas Besonderes bezeichnen.

Neben viel Freude empfindet Lotte Heiner auch Respekt vor der neuen Aufgabe, wie sie im Interview mitteilt.
Neben viel Freude empfindet Lotte Heiner auch Respekt vor der neuen Aufgabe, wie sie im Interview mitteilt.

Wie nehmen Ihre Freunde das Amt der Weingräfin wahr?
Als ich meinen Freunden erzählt habe, das ich Weingräfin werde, haben sich alle mit mir gefreut und fanden es richtig cool, dass ich das mache. Ich würde schon sagen, dass das Amt auf jeden Fall eine gewisse Bedeutung und Bekanntheit mit sich bringt – vor allem, weil man als Weingräfin die Verantwortung und die Aufgaben, die mit der Position einhergehen, besser sichtbar machen kann .

Wenn Sie mal in die Zukunft blicken, auf das Ende Ihrer Amtszeit: Woran würden Sie messen, ob Sie eine gute Weingräfin waren?
Ja, darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch nicht so viele Gedanken gemacht, weil ich erstmal überhaupt so weit kommen muss. Ich lasse das Amt daher lieber auf mich zukommen. Mir ist es persönlich wichtig, den Wein sowie die Arbeit der Winzer zu vermitteln – also, das sichtbar zu machen, was alles hinter einer Flasche Wein steckt und wie viel Arbeit darin enthalten ist.

Zur Person

Lotte Heiner ist in Grünstadt geboren und in Sausenheim aufgewachsen, wo sie bis heute lebt. Nach ihrem Schulabschluss entschied sie sich für ein Studium der Internationalen Weinwirtschaft an der Hochschule Geisenheim (Hessen). Durch mehrere Praktika in Weingütern in der Pfalz und in Südtirol sammelte sie Erfahrungen im Weinberg sowie bei Weinverkostungen, Kellerführungen und im Weinverkauf. Sie engagiert sich ehrenamtlich im Sausenheimer Kerwekomitee und trainiert die Gardetanz-Tanzmariechen bei der Siedlergemeinschaft Grünstadt. Ihre Ernennung zur 75. Weingräfin unter der Amtsbezeichnung Lotte I. aus Sausenheim findet traditionell zum Auftakt des Grünstadter Weinwettstreits am Freitag, 24. Juli, auf dem Luitpoldplatz statt.

x