Grünstadt
Neue Städtepartnerschaft? Grünstadt lässt Niedersachsen vorerst abblitzen
Auf dem Grünstadter Weihnachtsmarkt brutzeln Thüringer Bratwürste – eine langjährige Tradition. An der Grillzange: Vertreter der Thüringer Partnerstadt Hermsdorf. Grünstadt pflegt mehrere solcher Verbindungen. Die Partnerschaft mit dem rheinland-pfälzischen Westerburg zum Beispiel feierte in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag. Eine Delegation aus Grünstadt hat das französische Carrières-sur-Seine in diesem Jahr besucht und unter anderem die Kathedrale Notre-Dame in Paris besichtigt. Auch das niedersächsische Peine möchte nun mehr als Freundschaft. Doch Noch-Bürgermeister Klaus Wagner (CDU) gibt ihr vorerst den Laufpass.
Wie es zur Freundschaft kam
Bisher besteht eine Freundschaft zwischen Peine und Asselheim. Sie ist durch einen Asselheimer entstanden, der gebürtig aus Peine stammt, erzählt Ortsvorsteher Norbert Schott. Dieser Bürger sei früher im Kerwe-Komitee gewesen und habe seine Beziehungen nach Peine spielen lassen. Bis zur Pandemie kam dadurch jährlich ein Peiner Spielmannszug zur Weinkerwe in Asselheim. „Die haben dann in der Turnhalle übernachtet“, berichtet Schott weiter.
Der Freundschaftsvertrag wurde 2003 unterzeichnet. Seitdem besuchen sich die Bürgermeister und andere Vertreter der Städte regelmäßig gegenseitig zu verschiedenen Festen. So hat Wagner schon mehrfach ein Freischießen und ein traditionelles Schottenfest in Peine besucht. Mittlerweile gibt es dort sogar ein Pfälzer Weinfest, an dem Winzer aus Asselheim teilnehmen.
So entsteht eine Städtepartnerschaft
Klaus Saemann (SPD), Bürgermeister von Peine, will die Freundschaft nun auf ein neues Niveau heben. Beim Grünstadter Jubiläumsfest im Mai schlug er deshalb eine Städtepartnerschaft vor. Der offizielle Antrag wurde zunächst dem Grünstadter Kultur- und Partnerschaftsausschuss vorgelegt. Der spricht dem Stadtrat, der final entscheidet, eine Empfehlung aus. Sollte Grünstadt zustimmen, gebe es eine feierliche Unterzeichnung einer Urkunde, erklärt eine Sprecherin der Stadt Peine. Einen Beschluss aus Grünstadt gibt es aber noch nicht.
Es ist nicht genug
Zwischen Partnerstädten sollte eine Verbundenheit bestehen, erklärt eine Sprecherin aus Grünstadt. Die entstand zu Hermsdorf mit der deutschen Wiedervereinigung. Auf der Suche nach medizinischer und technischer Unterstützung war eine Gruppe aus Hermsdorf in Grünstadt gelandet. Zu Westerburg besteht eine historische Verbindung durch die Leininger Grafen und die Grafen von Westerburg. Das französische Carrières-sur-Seine und Grünstadt haben ein gemeinsames Schüleraustausch-Programm.
Für eine Städtepartnerschaft mit Peine fehlt Bürgermeister Wagner aber noch etwas. Sie sollte „vom Willen geprägt sein, die Beziehung auf unterschiedlichen Ebenen zu intensivieren“, heißt es aus der Stadtverwaltung. Das ginge etwa über die Feuerwehr, einen Schüleraustausch oder auf Vereinsebene.
Das spricht für die Partnerschaft
Wagner steht der Partnerschaft dennoch positiv gegenüber. Die Stadtsprecherin betont: „Beide Städte stehen für starke kommunale Identität, gesellschaftlichen Zusammenhalt und für Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Regionen.“ Ortsvorsteher Schott bringt es auf den Punkt: „Man ergänzt sich.“ Er erkennt außerdem touristisches Potenzial: „Bringt mal unsere schöne Gegend ins Gespräch“, sagt er. Trotzdem wird erstmal nichts passieren.
Denn Wagner möchte die Entscheidung seinem Nachfolger überlassen – und dessen Planungen nicht vorgreifen. Neuer Bürgermeister ist ab Januar Mimmo Scarmato (CDU). „Städtepartnerschaften sind wichtig für die Völkerverständigung“, sagt er. Durch solche Verbindungen rücke Deutschland näher zusammen. Und auch die Partnerschaft mit Carrières-sur-Seine sei „für das Zusammenführen von Europa ungemein wichtig“, ergänzt er. Dazu gehöre auch, dass man sich treffe, zusammen feiere und, dass die gesamte Stadtgesellschaft eingebunden sei.
Das sagt Peine dazu
In Peine erkennt man Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Städten: „Beide Kommunen stehen vor ähnlichen Herausforderungen“, sagt Peines Sprecherin. Zu Themen wie Finanzen, Integration und Strukturwandel könne ein Austausch sehr hilfreich sein und sei es in der Vergangenheit bereits gewesen.
Peines Bürgermeister Saemann hat Geduld: „Wir haben natürlich vollstes Verständnis dafür, dass Bürgermeister Klaus Wagner seinem Nachfolger Mimmo Scarmato in dieser Frage nicht vorgreifen möchte“, sagt er. Scarmato jedenfalls ist offen für eine Städtepartnerschaft. Sein Plan: Sich mit Saemann austauschen und das Thema mit dem heimischen Stadtrat besprechen.