Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Grenzen für Wahlkreis: Wem aus dem Kandidaten-Feld das nützt

Was der Landtag im Herbst 2024 beschlossen hat, hat direkten Einfluss auf die politische Zukunft dieser beiden Kandidaten: Angel
Was der Landtag im Herbst 2024 beschlossen hat, hat direkten Einfluss auf die politische Zukunft dieser beiden Kandidaten: Angela Hubach (SPD) und Markus Wolf (CDU).

Zum Wahlkreis Bad Dürkheim gehören bei der Landtagswahl 2026 andere Orte als fünf Jahre zuvor. Warum das so ist und wessen Erfolgsaussichten sich dadurch verbessern.

Die SPD bleibt stärkste Kraft, die CDU schneidet so schwach wie noch nie in ihrer Geschichte ab: Das war das Ergebnis der rheinland-pfälzischen Landtagswahl 2021. Im Wahlkreis Bad Dürkheim allerdings fuhren die Genossen eine Schlappe ein: Viermal hatte Manfred Geis hier für sie das Direktmandat errungen. Nun war er nicht mehr angetreten, und prompt schnappte sich der Christdemokrat Markus Wolf den Sitz. Der Winzer aus Bad Dürkheim holte 32,0 Prozent der Wahlkreisstimmen, lag damit 1,9 Prozentpunkte vor seinem Konkurrenten Christoph Spies.

In Nachbar-Wahlkreis geschoben

Der war schon 2019 als Geis-Nachfolger nach dessen vorzeitigem Abschied in den Landtag eingezogen. Und dorthin kehrte der Grünstadter trotz Niederlage gegen Wolf auch zurück, dank Landesliste. Doch nun steht der mittlerweile 40-Jährige nicht mehr zur Wahl, die SPD schickt diesmal die 50-jährige Angela Hubach aus Freinsheim ins Rennen. Und noch etwas hat sich seit 2021 verändert: Die Verbandsgemeinde Deidesheim gehört nicht mehr zum Wahlkreis Bad Dürkheim, sondern ist dem Nachbar-Gebiet um Neustadt zugeschlagen worden.

So wird im Süden des Wahlkreises Bad Dürkheim ausgeglichen, dass er im Norden die Ortsgemeinden Altleiningen, Carlsberg, Hettenleidelheim, Tiefenthal und Wattenheim dazubekommen hat. Sie bildeten einst die Verbandsgemeinde Hettenleidelheim, und als solche gehörte sie seit 2016 zum Wahlkreis Donnersberg. Doch 2018 schloss sie sich auf Mainzer Druck hin mit der bisherigen Nachbarkommune Grünstadt-Land zur Verbandsgemeinde Leiningerland zusammen, die 2021 daher von einer Wahlkreisgrenze durchschnitten war.

Bürger rechnen mit anderer Kandidatin

Dieser Umstand allerdings bescherte nicht nur allerhand praktische Komplikationen, etwa für Partei-Mitgliederversammlungen zur Kandidatenkür. Dass die Dörfer einer Verbandsgemeinde verschiedenen Wahlkreisen angehören, ist schlicht nicht vorgesehen. Der Grenzverlauf musste daher für die nun anstehende Wahl bereinigt werden, und das hat der Landtag im Herbst 2024 denn auch mit breiter Mehrheit getan. Doch für manche Bürger in der Ex-VG Hettenleidelheim ist die Veränderung trotzdem verwirrend, sagt SPD-Kandidatin Hubach.

Sie erzählt von Begegnungen mit Menschen, die weiterhin denken, die Donnersberg-Bewerberin Jaqueline Rauschkolb aus Steinborn sei die für ihre Orte zuständige SPD-Direktkandidatin. CDU-Mann Wolf hingegen sagt: Seinem Eindruck nach wissen die Menschen in den betroffenen Dörfern durchaus, dass er nun derjenige ist, der als Christdemokrat um ihre Erststimmen wirbt. Vermutlich komme ihm da zupass, dass er etwa als Bad Dürkheimer Kreis-Parteichef in den Hettenleidelheim-Orten ohnehin schon präsent war und Kontakte geknüpft hat.

Amtsinhaber-Bonus für Wolf

Damit beschert ihm sein bisheriges politisches Wirken in den neu hinzugekommenen Gemeinden einen Startvorteil, und von dem profitiert er im übrigen Wahlkreis-Gebiet noch stärker. Schließlich hat der 45-Jährige als jetziger Wahlkreis-Abgeordneter einen Amtsinhaber-Bonus, er wird zu manchen Anlässen automatisch eingeladen – darüber sind sich er und seine SPD-Konkurrentin einig. Wolf allerdings ergänzt diese Analyse um einen Hinweis: Als er erstmals vor zehn und dann zum zweiten Mal vor fünf Jahren antrat, erlebte in dieser Hinsicht auch er, was nun Hubach widerfährt.

Umgekehrt wiederum kann die Sozialdemokratin die Verschiebung der Wahlkreis-Grenzen als leichte Verbesserung ihrer Startposition werten. Denn in der Verbandsgemeinde Deidesheim hat die CDU bei den Landtagswahlen 2016 und 2021 deutlich besser abgeschnitten als im Landes-Durchschnitt. In der vormaligen VG Hettenleidelheim hingegen kam die SPD jeweils besser weg als im rheinland-pfälzischen Gesamtergebnis. Unterm Strich hat der Wahlkreis Bad Dürkheim also traditionell schwarzes gegen traditionell rotes Territorium getauscht.

Direktmandat als einzige Chance

Für die Größe der Fraktionen im Landtag wird das folgenlos bleiben. Wie viele Sitze im Parlament an die einzelnen Parteien gehen, hängt zunächst von den Zweitstimmen ab. In welchem Wahlkreis die jeweils ausgezählt worden sind, ist fürs Endergebnis egal. Beim Direktmandat hingegen kommt es tatsächlich darauf an, wer innerhalb des jeweiligen Gebiets am stärksten abschneidet. Und da dürfte es im Wahlkreis Bad Dürkheim trotz des Erstarkens der AfD und der übrigen Veränderungen im Parteiengefüge wieder darum gehen, ob der CDU-Mann oder die SPD-Frau vorne liegt.

Wolf sagt dazu: Wenn er in diesem Duell unterliegt, wird er aus dem Landtag fliegen. Denn seine Partei werde so viele Direktmandate holen, dass alle ihr zustehenden Landtagssitze an Wahlkreis-Sieger gehen und er daher trotz seines neunten Platzes auf der CDU-Landesliste leer ausginge. Hubach wiederum hat mit Platz 34 auf der SPD-Landesliste einen Rang, der ihr in der aktuellen Lage ihrer Partei ohnehin kaum Chancen bietet.

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