Wattenheim
Nach Traktor-Attacke auf Nussbaum: Täter gesteht, entschuldigt sich aber nicht
Normalerweise könnte er in den kommenden Frühlingswochen wieder blühen: der alte Walnussbaum von Birgit Nennstiel, der 150 Jahre lang ihren Acker in Wattenheim prägte. Doch er wird nie wieder Blüten tragen. Denn an einem nebligen Novembertag im vergangenen Jahr wurde er Opfer einer brutalen Traktor-Attacke. Nun ist nichts mehr von ihm übrig außer einem zusammengebrochenen dürren Gerippe. Doch immerhin: Der Täter konnte inzwischen ermittelt werden.
Nennstiels Nachbar Alexander Wiessner hatte die Tat beobachtet, als er im Garten arbeitete. Nennstiel war damals mit ihrer Familie im Urlaub. Wiessner hörte plötzlich ein lautes Krachen und sah noch, wie ein grüner Traktor im Nebel davonfuhr. Als er den zerstörten Baum entdeckte, informierte er erst Nennstiel und dann die Untere Naturschutzbehörde. Diese nahm die Ermittlungen auf. Denn der Täter hat gegen das Bundesnaturschutzgesetz sowie gegen die Landesverordnung über das Biosphärenreservat Pfälzerwald verstoßen.
Keine Entschuldigung
Der Täter ist inzwischen bekannt. Eines Tages stand er vor Nennstiels Haustür und gab die Tat zu. Er möchte aber mit der RHEINPFALZ nicht sprechen, und Birgit Nennstiel hat ihm versprochen, seinen Namen nicht zu nennen. Es ist jedoch kein Geheimnis, dass er aus dem Ort und aus einem Kreis von mehreren Pächtern stammt, die die verschiedenen Ackerflächen in Wattenheim bewirtschaften. Auf Nennstiels Grundstück habe er jedoch nichts zu suchen gehabt, sagt diese. Auf ihre Frage, warum er den Baum mit dem Traktor mutwillig zerstörte, habe er lediglich geantwortet, dieser habe ihm im Weg gestanden, als er mit dem Traktor durchfahren wollte. Mehr sei nicht aus dem Mann herauszubekommen gewesen, sagt Nennstiel. Entschuldigt habe er sich auch nicht. Wenn sie so auf die Überreste blicke, sei sie immer noch sauer.
Auf ihre Frage, warum er den Baum mit dem Traktor mutwillig zerstörte, habe er lediglich geantwortet, dieser habe ihm im Weg gestanden, als er mit dem Traktor durchfahren wollte.
Immerhin: Der Mann habe alles erfüllt, was die Kreisverwaltung ihm auferlegt hat. Er muss den zerstörten Baum in Ruhe lassen. Denn der hat einen Trieb entwickelt. Nennstiel hofft, dass daraus eines Tages ein neuer Walnussbaum wächst. Außerdem hat die Kreisverwaltung den Mann zu Ersatzpflanzungen verdonnert. „Wir waren zusammen einkaufen“, berichtet Nennstiel. Mittlerweile stehen auf ihrem Feld drei neue Walnussbäume, ein Zwetschgen- und ein Kirschbaum. Die Bäume sind rund fünf Jahre alt, ihre Stämme messen etwa 14 Zentimeter im Umfang. Drei Jahre lang muss der Täter sich nun um sie kümmern. Heißt: gießen, Wildschäden im Blick behalten und bei Bedarf neue Bäume pflanzen.
Windiger Nordhang
Nennstiel ist jedenfalls dankbar, dass ihr Nachbar aufgepasst und die Tat gemeldet hat. Sonst wäre sie vielleicht selbst unter Verdacht geraten, den Baum beseitigt zu haben, um mehr Pacht zu erzielen, mutmaßt sie. Denn aus rein landwirtschaftlicher Sicht sei so ein Baum ein Hindernis, da er die nutzbare Fläche einschränkt: Er wirft Schatten, zwingt den Landwirt zu Umwegen und zieht Menschen an, die Walnüsse sammeln und dabei das Feld zertrampeln. Deshalb hätte es gut sein können, sagt Nennstiel, dass sie in den Augen der Unteren Naturschutzbehörde ein solches Motiv gehabt haben könnte.
Sie hofft nun, dass die neuen Bäume gut gedeihen. Einfach werden sie es nicht haben. Denn Nennstiels Acker liegt auf einem windigen Nordhang, und die Bodenverhältnisse sind auch nicht ideal. Neben der biologischen Vielfalt ist das auch der Grund dafür, dass sich Nennstiel bei den Ersatzpflanzungen für verschiedene Sorten entschieden hat, darunter eine frostresistente Walnussorte namens Weinheimer. Das soll die Chancen erhöhen, dass möglichst viele von ihnen durchkommen. Bis sie Früchte tragen, werden aber noch einige Jahre ins Land ziehen.