Grünstadt
Nach A6-Chaos: Ausweichfahrer von der B271 legen Gemeinde lahm
Am ersten Januar-Freitag ging es auf der A6 bei Grünstadt hoch her. Auf der Fahrbahn in Richtung Frankenthal prallten mehrere Autos zusammen. In der Folge wurde die Autobahn hinter der Ausfahrt nach Grünstadt voll gesperrt – und das für rund zwei Stunden.
Grund für die Unfälle war das Wetter. Von einem „plötzlichen Wintereinbruch“ war die Rede. Es fiel viel Schnee, und es war glatt. Das bekamen auch die Abschleppfahrzeuge zu spüren, sagt Maurice Golfier, der freitags zuständige Dienstgruppenleiter der Autobahnpolizei Ruchheim. Wegen des Wetters hätten sie länger gebraucht, bis sie die Unfallstelle erreichten. Folge: Die Sperrung musste länger aufrechterhalten werden.
Nur eine Möglichkeit
So lange wollten einige Fahrer nicht warten. Bei Grünstadt in Richtung Frankenthal gibt es an der A6 die Ausfahrt auf die B271. Anstatt im Stau zu stehen, nutzten einige die Ausfahrt. Auf dem Weg in Richtung Bad Dürkheim liegt die Abzweigung nach Kirchheim. Dort erwartete die Fahrer am späten Nachmittag eine zweite unschöne Überraschung: Es gab noch einen Unfall.
Laut Polizeiinspektion Grünstadt rutschte auf Höhe der Abzweigung ein Auto, aus Richtung Bad Dürkheim kommend, von der linken auf die rechte Spur. Es kam zu einem Zusammenstoß mit einem anderen Wagen sowie zur Kollision mit einer Leitplanke. Insgesamt seien drei Autos betroffen gewesen. In der Folge bogen Fahrer auf die Straße in Richtung Kirchheim ein.
„Spiegelglatte“ Straßen
Was dann in der Ortsgemeinde passierte, bezeichnete Ortschef Thomas Dhonau (SPD) als „nicht glorreich“ und als „Verkehrschaos“. Grund ist die Weinstraßen-Baustelle im Ort. Bereits seit Monaten wird in der Gemeinde gearbeitet, um die Ortsdurchfahrt auszubauen. Die Baustelle soll voraussichtlich jahrelang bestehen – ebenso wie die damit verbundenen Sperrungen. Kirchheim ist damit faktisch dicht und nicht darauf ausgelegt, als Ausweichroute genutzt zu werden.
Das zeigte sich am späten Freitagnachmittag. Im Ort reihte sich ein Auto an das nächste. Sie fuhren die eigentlich abgesperrte Weinstraße entlang. Hinzu kamen Lastwagen, die kaum rangieren konnten. „Es ging nichts mehr“, so Dhonau auf Nachfrage. Er berichtet von Bussen, die nicht vom Fleck kamen. Die Straßen seien „spiegelglatt“ gewesen. Manche Fahrzeuge kamen nicht mehr von der Stelle, ohne gefährlich zu rutschen.
„Skandalöse“ Polizeistrategie?
„Glücklicherweise hatten wir von privater Seite Hilfe“, sagt der Ortschef. Bürger hätten mit angepackt, um das Verkehrschaos in den Griff zu bekommen. Sie streuten Salz und machten die Wege auf diese Weise weniger rutschig. Manche leiteten Fahrer an, damit sie wenden konnten. So habe der Verkehr langsam abgeleitet werden können, so Dhonau. Er selbst habe im Ort mitgeholfen und vermittelt. „Mein Telefon stand nicht still.“ Ohne die Unterstützung der Bürger hätte das Chaos länger angedauert, ist er sicher. Zur Ruhe kam die Gemeinde erst gegen Mitternacht.
Dass so viele Autos nach Kirchheim fuhren, erregte nicht nur an diesem Freitagabend die Gemüter. Auf sozialen Plattformen wurde Kritik an der Polizei laut. Diese habe die Autos nach Kirchheim umgeleitet, hieß es, obwohl man wissen müsse, dass die Gemeinde dafür nicht ausgelegt sei. Eine „skandalöse“ Polizeistrategie sei das gewesen.
Polizei: „Umleitung alternativlos“
Den Verkehr entlang der A6 habe die Polizeiinspektion Grünstadt nicht umgeleitet, teilt ein Beamter der Dienststelle auf Nachfrage mit. Für Verkehrslenkungen sei dort die Autobahnpolizei Ruchheim verantwortlich. Die habe den Verkehr aber auch nicht umgelenkt, bekräftigt Maurice Golfier – vor allem nicht nach Kirchheim. Die Autobahnpolizei hätte gewusst, dass es dort Baustellen gebe. Die Situation auf der A6 sei „dynamisch“ gewesen. Insofern sei passiert, was oft bei Stau geschehe: Viele Fahrer hätten die nächstbeste Ausfahrt genommen.
Anders gestaltete sich das Bild bei der Abzweigung nach Kirchheim entlang der B271. Dort sei der Verkehr tatsächlich nach Kirchheim umgeleitet worden, teilt eine Polizeibeamtin auf Nachfrage mit. Eine Alternative habe es nicht gegeben, sagt sie. Wegen des Unfalls hätte keiner weiter entlang der Umgehung fahren können – zumindest, solange die verunfallten Autos dort noch standen. Von dem folgenden Verkehrschaos im Ort sei nichts an die Polizeiinspektion durchgedrungen. An diesem Freitag hätte es allerdings an vielen Orten „chaotische Zustände“ gegeben.