Ramsen
Mobilfunk wochenlang weg: Vodafone sorgt für Frust
Wenn weder Telefon noch Internet funktionieren, steht der moderne Mensch schnell hilflos da. So ging es zahlreichen Vodafone-Kunden aus Ramsen gut einen Monat lang. Sobald er das heimische WLAN, das über einen anderen Anbieter als Vodafone läuft, verließ, ging gar nichts mehr, berichtet etwa Andreas Best.
Der 52-Jährige und seine Frau sind seit 15 Jahren Vodafone-Kunden und bislang immer zufrieden gewesen. Um den 20. Februar herum fiel den Eheleuten zum ersten Mal auf, dass sie außerhalb der eigenen vier Wände keine Internetverbindung mehr über die mobilen Daten hatten und auch nicht telefonieren konnten. Besonders ärgerlich: Der Geburtstag von Bests Frau fiel in diesen Zeitraum, und sie befürchtete, dass die Glückwünsche sie nicht erreichen würden.
Mangelnde Kommunikation
Eine Kontaktaufnahme mit dem Vodafone-Kundenservice brachte wenig Klarheit. Zunächst riet man Bests Frau, sich mit dem heimischen WLAN, das über einen anderen Anbieter läuft, zu verbinden, damit sie ihre Geburtstagsglückwünsche zumindest über Whatsapp lesen könne. „Außerdem haben sie gesagt, dass wohl ein Mast beschädigt sei und die Reparatur bis zu einer Woche dauern könnte“, sagt Andreas Best. Doch nach einer Woche funktionierte immer noch nichts. Noch zwei Mal habe seine Frau bei Vodafone angerufen, wurde jedoch immer wieder vertröstet.
Er wolle das Ganze nicht dramatisieren, betont der Ramser. Aber so ein Netzausfall könne durchaus unschönere Auswirkungen haben als nur verpasste Geburtstagsglückwünsche. „Was ist denn, wenn man zum Beispiel mal mit dem Fahrrad stürzt und sich etwas prellt?“, gibt er zu bedenken. Klar, den Notruf könne man auch ohne Empfang wählen. Aber man brauche ja nicht bei jedem Sturz einen Rettungswagen, sondern vielleicht eher die Hilfe eines Angehörigen. In einem solchen Fall wären die Ramser Vodafone-Kunden in den vergangenen vier Wochen jedenfalls erst mal auf sich allein gestellt gewesen.
Am vergangenen Montag schließlich funktionierte wieder alles. Doch der Ärger über die mangelnde Kommunikation bleibt. Eine Kundeninformation über die Behebung der Störung habe es nämlich nicht gegeben, bemängelt Andreas Best. Seine Frau und er hätten lediglich zufällig bemerkt, dass sie wieder Empfang haben. Best, der als Elektromeister arbeitet und viel Erfahrung im Umgang mit Kunden hat, ist irritiert darüber, wie Vodafone mit den Betroffenen umgeht. „Wenn es Probleme gibt, gehe ich aktiv auf meine Kunden zu, spreche mit ihnen und informiere sie frühzeitig“, sagt er. Er verstehe nicht, warum andere Unternehmen dies nicht ebenfalls so handhaben.
Obwohl viele Bekannte im Ort aufgrund der Probleme den Anbieter gewechselt haben, bleibt das Ehepaar vorerst bei Vodafone. „Wir sind beruflich viel unterwegs und zu Hause sowieso im WLAN“, sagt Andreas Best. Wenn der Ausfall jedoch noch länger gedauert hätte, hätten auch sie irgendwann die Geduld verloren, sagt er. Immerhin: Für die Ausfallzeit versprach Vodafone eine Gutschrift für den gesamten Monat, jedoch erst, nachdem Bests Frau mit der Kündigung ihres Vertrags gedroht hatte. Besonders befremdlich findet Andreas Best, dass Vodafone seiner Frau sowohl ein neues Handy als auch einen WLAN-Vertrag aufschwatzen wollte. Das habe sie jedenfalls abgelehnt, sagt er.
Im Notfall nicht erreichbar
Auch Markus Mattern war von den Störungen betroffen. Der Buchhalter wohnt zwar nicht mehr in Ramsen, sondern berufsbedingt in Mutterstadt, ist aber nach wie vor fest in seinem Heimatdorf verwurzelt. So ist er im Turn- und Sportverein (TuS) aktiv. Doch jedes Mal, wenn er in den vergangenen Wochen nach Ramsen fuhr, brach der Mobilfunkempfang ab. „Der Empfang war nicht nur im Ort weg, sondern teilweise schon auf der Strecke zwischen Hettenleidelheim und Ramsen“, berichtet er. Er sei zwar nur stundenweise betroffen gewesen, ärgerlich sei das aber trotzdem.
Am vergangenen Sonntag sei er beim Ostereierschießen in Ramsen gewesen, das der Schützenverein ausrichtet. Ständig hätten die Leute sich über das fehlende Netz beschwert und gefragt, ob es im Schützenhaus WLAN gebe. Zwei Besucher, die im medizinischen Bereich arbeiten und in Bereitschaft waren, seien besonders besorgt gewesen, weil sie im Notfall erreichbar sein mussten.
Arbeiten an Masten
Volker Petendorf, ein Sprecher von Vodafone, teilt auf Nachfrage der RHEINPFALZ mit, das Netz habe wegen Wartungsarbeiten an zwei Mobilfunkstationen in Ramsen und Enkenbach-Alsenborn nicht wie gewohnt funktioniert. Während der Bauphase hätten diese Stationen abgeschaltet werden müssen. Der Mobilfunkverkehr sei – so weit möglich – über die umliegenden Standorte aufrechterhalten worden. Dennoch hätten sich vorübergehende Einschränkungen bei einzelnen Kunden – bis hin zum Totalausfall – leider nicht ganz vermeiden lassen. Nach Berechnungen der Vodafone-Technikexperten hätten insgesamt 27 Kunden ein schwächeres Netz als gewohnt oder kein Netz gehabt. Auf die Frage, warum Vodafone die Kunden nicht über die Arbeiten informierte, antwortete der Vodafone-Sprecher ausweichend: „Sofern die betroffenen Mobilfunkkunden unseren Kundenservice kontaktiert haben, erhielten sie die entsprechende Auskunft.“ Immerhin: Laut Vodafone soll jetzt alles top in Schuss sein. Man habe „für die Menschen vor Ort eine komplett neue mobile Datenautobahn gebaut und diese beiden Standorte zukunftsfähig gemacht, indem wir zusätzliche Breitband-Antennen installiert und den Anschluss an das weltweite Telekommunikationsnetz verstärkt haben“, schreibt Petendorf.