Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Mit 23 Jahren neun Mitarbeiter: Wie dieser Gartenbauer das geschafft hat

Auf dem Sprung: Jens Gandyra hat so viel Spaß an Gartenarbeit, dass er sich damit selbstständig gemacht hat.
Auf dem Sprung: Jens Gandyra hat so viel Spaß an Gartenarbeit, dass er sich damit selbstständig gemacht hat.

Jens Gandyra weiß schon im Kindergarten, dass er mal selbstständig sein will. Gerade volljährig, meldet er sein Gewerbe an. Welche Tipps er anderen gibt.

Gründer werden jünger. Das hat eine Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ergeben. 34,4 Jahre alt waren Selbstständige im Jahr 2024 im Durchschnitt. Jens Gandyra toppt das. Schon mit 18 Jahren, wenige Wochen vor Beginn seines Studiums, hat er sein Gewerbe angemeldet – und es nebenbei aufgebaut. Inzwischen ist der Gerolsheimer 23 Jahre alt, hat den Gartenbau-Betrieb nach Grünstadt umgezogen und beschäftigt neun Mitarbeiter.

Von der Gartenarbeit zum eigenen Betrieb

Angefangen hat aber alles mit Langeweile, erinnert er sich: „Die Corona-Pandemie ist gestartet, ich habe Fachabi gemacht und nicht gewusst, was zu tun ist.“ Also tobte er sich am Garten seiner Eltern aus – und stellte fest, dass ihm das Spaß macht. Also entschied er auf Anraten von Mutter und Vater, ein Studium in dieser Richtung zu starten. Er schrieb sich für Gartenbau an der Hochschule in Geisenheim ein, machte aber vorher noch ein Praktikum. Und das bestätigte seinen Wunsch. Also kam die Idee auf, noch weiter zu gehen: Er wollte mit Gartenarbeiten das Studium finanzieren. Im September meldete er sein Gewerbe an, im Oktober saß er in den ersten Vorlesungen. Bei seinen ersten Aufträgen fing Gandyra klein an. Er habe die Heckenschere seiner Freundin verwendet, weil er selbst keine hatte. Mit dem ersten verdienten Geld kaufte er direkt eine eigene. Genau so baute er sich sein Geschäft auf, Schritt für Schritt mit harter Arbeit.

Es sei schnell gewachsen, sagt der Gartenbau-Chef. Zuerst arbeitete er allein und nur zwei Tage die Woche, später mit einem Freund, den er als Minijobber anstellte, und zwar zunehmend mehr. Er bekam mit, dass die Menschen ihn weiterempfahlen, obwohl er damals noch wenig Berufserfahrung hatte. „Ich musste Studium und Arbeit jonglieren, das waren lange Tage“, sagt Gandyra. Inzwischen beschäftigt er eine Vollzeitkraft, zwei Teilzeitkräfte und sechs Minijobber. Einer von ihnen ist Baumkletterer und kann auch in der Höhe arbeiten. Das Tätigkeitsfeld seines Teams ist breit. „Ich will noch weiter Personal erhöhen, Arbeit ist genug da“, sagt er überzeugt. Hat Gandyra mit Gartenpflege wie Heckenschnitt angefangen, gestaltet er inzwischen auch Anlagen – überwiegend bei Privatkunden: „Ich mag den persönlichen Kontakt, und die Bindung zum Kunden ist stärker.“

Früh die Selbstständigkeit als Ziel

Doch was reizt den jungen Gerolsheimer an seinem Job, bei dem er immer noch bevorzugt selbst anpackt? „Es macht Spaß, draußen zu sein, und man sieht, was man geschafft hat. Außerdem ist es sehr viel Abwechslung“, fasst er zusammen. Darüber hinaus erfreue ihn die Arbeit mit den lebendigen Pflanzen, wie er sagt – und weil seine Eltern beide selbstständig sind, hat er schon früh Berührungspunkte damit gehabt. „Ich wusste schon im Kindergarten, dass ich selbstständig werden will“, erzählt er lachend.

Er schränkt aber ein: Wer das Ziel verfolgt, müsse wissen, was er tut und Spaß am Job haben. „Wenn etwas schief geht, muss man auch mal eine Stunde länger machen“, so sein Fazit. Pünktlich Feierabend haben und nur arbeiten, um Geld zu verdienen? Das funktioniere in der Selbstständigkeit nicht. Wichtig sei außerdem, sich auf die wichtigsten Fehler vorzubereiten. Hier profitiert er ebenfalls von den Erfahrungen seiner Eltern. So rät Gandyra beispielsweise, sich steuerrechtlich schlauzumachen und sich nicht zu überschätzen. Das Wachstum der Firma müsse über die Zeit hinweg passieren, denn zu viel Tempo schaffe Druck, der unnötig sei. Und er fördere ein Scheitern.

Um dem vorzubeugen, hat er seine Firma während des Studiums aufgebaut. Das endet im April. Die Bachelorarbeit ist längst abgegeben, das Zeugnis sei bereits gedruckt. „Aber ich hatte noch keine Zeit, es abzuholen“, sagt Gandyra mit einem Grinsen im Gesicht. Zu sehr nehme ihn seine Firma ein, auf die er nun noch mehr Fokus legen kann.

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