Carlsberg
Mit 14: Pfälzer Taekwondo-Kämpferin wird Kirchendienerin
Maya Käsermann glaubt schon immer an Gott. Durch den Konfirmationsunterricht bei Pfarrer Julian Kraul habe sich das noch gefestigt. „Ich bin öfter als vorher in die Kirche gegangen, habe Freunde gefunden und begonnen, intensiver die Bibel zu studieren“, erzählt die Carlsbergerin. Weil ihr die christliche Gemeinschaft sehr viel bedeutet, habe sie beschlossen, nicht nur passiv Andachten und Veranstaltungen zu besuchen, sondern sich darüber hinaus in der protestantischen Gemeinde ihres Heimatdorfs zu engagieren.
Als das junge Mädchen dies kundtat, wurde zunächst daran gedacht, sie als Begleiterin auf Konfi-Freizeiten einzusetzen. Dabei hätte sie sich aber nicht wohlgefühlt, da sie ja gleichaltrig sei mit den Teilnehmern, erläutert die 14-Jährige, die lange Taekwondo gemacht hat und heute im Fitnessstudio trainiert. Kraul habe ihr daraufhin den Kirchendienst vorgeschlagen und sie habe bei einigen Gottesdiensten hospitiert. Seit Dezember ist Maya im Amt.
Bei besonderen Festen gibt es Unterstützung
Ihre Aufgabe sei es, die Kirche vor den Andachten oder Festen aufzuschließen und zu dekorieren. Um die Heizung müsse sie sich nicht kümmern, „die läuft automatisch“. Aber die Glocken seien zu programmieren und die Nummern der geplanten Lieder auf die Leisten der Anzeigetafeln zu stecken. Auch zünde sie Kerzen an, begrüße die Besucher und verteile Gesangbücher. Nach dem Gottesdienst muss Maya zudem die Kollekte zählen, wie sie erklärt.
Bei besonderen Anlässen wie Ostern, Ernte-Dank und Weihnachten erfolge eine Grundreinigung des Sakralbaus. Und die Dekoration sei aufwendiger als sonst, sagt die Jugendliche, die in diesen Fällen Unterstützung von Presbytern erhält. Jene hatten bis zu Mayas Amtsübernahme den Kirchendienst miterledigt. Da Presbyter aber schon eine Menge zu tun haben, ist Pfarrer Kraul froh über weitere ehrenamtliche Mitarbeiter. In Hertlingshausen ist Thomas Noll Kirchendiener. Allerdings hat der Senior eine Doppelfunktion, denn er ist gleichzeitig Presbyter.
Diensttauglich mit Einschränkungen
„Ich muss mir sonntags keine Gedanken machen, wer wann die Kirche aufschließt und ob sie vorbereitet ist. Auch muss ich am Vorabend nicht noch Brot schneiden für das Abendmahl“, nennt der Pfarrer Beispiele für die wertvolle Entlastung. Den 33-Jährigen begeistert vor allem auch, dass es Menschen gibt, denen die Sakralbauten offensichtlich am Herzen liegen. „Kirchen haben eine ganz eigene Aura. Jung und Alt können dort zu Ruhe und zu Gott finden“, betont Kraul, der in Altleiningen und Höningen leider nicht „den Luxus“ von Kirchendienern habe.
Maya versucht in Carlsberg, so oft wie möglich Dienste zu übernehmen. „Unter der Woche klappt das aber nicht“, verweist sie auf Ganztagsunterricht am Gymnasium Weierhof. Laut Kraul gibt es noch eine Einschränkung. Da die Schülerin erst knapp 15 ist, darf sie nicht mit Alkohol in Kontakt gebracht werden. „Wenn also Abendmahl gefeiert wird, müssen wir ihr ein Mitglied aus dem Presbyterium zur Seite stellen“, so der Geistliche. Für Maya sind Gottesdienste tolle Erlebnisse. „Ich fühle mich danach so frisch und frei, weil Last von meinen Schultern gefallen ist und ich behütet bin“, erklärt die Neuntklässlerin, die jeden Abend vor dem Einschlafen betet. Auch wenn sie keinen Dienst hat, geht sie möglichst regelmäßig in die Kirche.
An Heiligabend sogar zweimal zur Kirche
Dass an Sonntagen oft nur wenige Besucher in die Kirche kommen, für die sie sich mit Herzblut einsetzt, frustriert sie nicht. Immerhin seien ja „stets so zehn bis 20 Leute da“. An Festtagen wie Weihnachten und Ostern sei das anders, und auch Maya sind die Andachten dann besonders wichtig. Da gehe sie auch ganz allein, wenn niemand mitwolle, „denn in der Kirche bin ich nicht mehr allein“. Heiligabend nimmt sie sogar mitunter zweimal teil: am bunten und lebendigen Familiengottesdienst mit Krippenspiel und spät abends an der ruhigen Christmette bei Kerzenschein. Stimmungsvoll sei immer die Osternacht, bei der man in der dunklen Kirche der Predigt lauscht. Maya berichtet: „Diesmal durfte ich die neue Osterkerze hineintragen und gegen die vorherige austauschen.“