Grünstadt „Mendelssohn war ein absoluter Könner“

Die Uraufführung 1846 in Birmingham war eine frenetisch gefeierte Sensation und ein überwältigender Erfolg für Felix Mendelssohn-Bartholdy. Am 10. Mai wird sein Oratorium „Elias“ in der Paulskirche zu hören sein, aufgeführt vom Nordpfälzer Oratorienchor unter der Leitung von Stefan Wasser.
Wasser kann auf eine begeistert aufgenommene Einstudierung des „Elias“ zurückblicken, die 2008 am gleichen Ort zu erleben war. Es handele sich aber nicht um eine schlichte Neuauflage. „Für mich ist das immer wieder neu. Nach so vielen Jahren fließen neue Erkenntnisse und Überlegungen mit ein. Ich schaue mir meine Notizen von damals nicht an“, sagt Wasser. Ohnehin werden andere Akteure an der Produktion mitwirken, von den damaligen Solisten ist allein Bassist Thomas Herberich wieder dabei. Die Sopranpartie singt diesmal Sabine Vinke. Cornelia Lanz (Alt) und Thomas Jakobs (Tenor) komplettieren die Solisten, den Orchesterpart übernimmt die Kammerphilharmonie Europa aus Köln. Wasser rechnet damit, dass der Chor – verstärkt durch die Konzertgesellschaft Bad Kreuznach, die auch unter seiner Leitung steht – auf hundert Sänger kommen wird. Geprobt wird seit Dezember. Wasser schätzt die dramatische Prophetendarstellung Mendelssohns wegen ihrer starken Bilder, ihrer kontrastreichen farbigen Musik, ihren mal aufwühlenden, mal lyrisch-sanften Passagen, der Verknüpfung tiefromantischer Motive mit Partien, die wiederum an Bach erinnern – „Mendelssohn war ein absoluter Könner“, streicht Wasser heraus. Die reine Musikdauer des zweiteiligen Werkes schätzt er auf zwei Stunden, ob es bei der Aufführung eine Pause zwischen den Teilen geben wird, sei noch offen. In dem Oratorium greift Mendelssohn die Lebensgeschichte des Propheten Elias auf, insbesondere seinen Kampf gegen den Baalskult – ungewöhnlich am Werk ist, dass es vor der Ouvertüre anhebt mit einem Rezitativ, in dem Elias den Israeliten wegen ihres Abfalls vom Glauben eine Dürre und Hungersnot prophezeit. Der Konflikt steht im ersten Teil des Werkes im Mittelpunkt, bis die Versöhnungsbereitschaft Gottes die Aufhebung des Fluches ermöglicht und der Regen fällt – ausklingend in einer prachtvollen Fuge. Im zweiten Teil gerät Elias erneut in Konflikt mit König Ahab, vor dem der Prophet in die Wüste flieht und zum Gottesberg Horeb. Auf seine Himmelfahrt folgen Stücke, die vorausweisen auf den Messias. Viel Anlass, Dramatik, Zweifel, Aufbegehren, Resignation und das Spannungsverhältnis von Macht und Gnade in Musik zu fassen. Stefan Wassers Blick geht über den „Elias“ hinaus auf Webers „Freischütz“, den er als konzertante Aufführung für November plant, sowie auf das Dvorák-Requiem, das sich der Chor 2016 vornehme. (bke) Kurz-Info Felix Mendelssohn-Bartholdy: Elias, Paulskirche, Sonntag 10. Mai, 18 Uhr.