Kreis Bad Dürkheim
Masern-Ausbruch in Freikirche: Wie gut sind die Kinder im Kreis DÜW geschützt?
Warum spricht die Pfalz gerade wieder über Masern?
Ende Oktober wurde dem Gesundheitsamt in Karlsruhe ein erster Masernfall gemeldet, Tage später sprachen die Behörden dort von 27 Infizierten. Und auch im Kreis Südwestpfalz erkrankten daraufhin Kinder. Der Ausbruch ist offiziellen Angaben zufolge auf eine mehrtägige Konferenz einer Freikirche in Karlsruhe zurückzuführen.
Wie gefährlich sind Masern?
Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, sondern können schwere Verläufe nehmen. Sie gelten als extrem ansteckend und können auch Erwachsene befallen. Typische Symptome sind Ausschlag, Fieber, Katarrh (Atemwegserkrankung mit Schleimabsonderung) und Bindehautentzündung. Insbesondere bei Kindern unter fünf Jahren kann es laut Bundesgesundheitsministerium zu heftigen Komplikationen kommen, zum Beispiel zu einer Lungen- oder einer Gehirnentzündung (Enzephalitis). Oder gar zu einer sehr seltenen, aber stets tödlich verlaufenden „subakuten sklerosierenden Panenzephalitis“: einer fortschreitenden Gehirnentzündung, die meist erst nach ein paar Jahren ausbricht. Auch wenn es nicht so weit kommt, kann zumindest das Immunsystem stark geschwächt werden. Dann haben andere Erreger leichtes Spiel.
Wie soll man sich vor Masern schützen?
Die Ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut empfiehlt eine zweifache Impfung im Abstand von vier Wochen, die bis zum Alter von 15 Monaten erledigt sein sollte. Üblicherweise wird eine Kombiimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln verabreicht.
Gibt es eine Impfpflicht?
Seit ein paar Jahren müssen in Deutschland alle nach 1970 Geborenen geimpft sein, falls sie in einer Einrichtung leben, arbeiten oder betreut werden. Dazu gehören Kindergärten, Horte und Schulen, aber auch Flüchtlingsunterkünfte.
Was ist, wenn Kinder trotzdem nicht geimpft sind?
Wenn Eltern Kinder für den Kindergarten anmelden, haben sie einen Impfnachweis vorzulegen. Können sie das nicht, muss ihr Nachwuchs zu Hause bleiben. Bei der Schulanmeldung wird dann erneut kontrolliert, ob ein Masernschutz vorliegt. Wenn er fehlt, kontaktiert das Gesundheitsamt die Familien. Ihnen wird dann zum Beispiel eine ärztliche Beratung angeboten, es können aber auch Bußgelder verhängt werden. Allerdings hat die Schulpflicht Vorrang vor der Impfpflicht. Ungeimpfte Kinder kommen also trotz fehlenden Schutzes in den Unterricht.
Wie oft gibt es Masernfälle im Kreis Bad Dürkheim?
2021, 2022 und 2024 war der Kreis Bad Dürkheim laut Gesundheitsamt jeweils masernfrei. 2023 wurden nach Angaben einer Sprecherin bei jemandem Antikörper entdeckt, „ohne dass die klassischen Falldefinitionen erfüllt waren“. Man könne diesen Fall daher „eigentlich nicht als Masernfall werten“. Im laufenden Jahr hat es bislang einen Kreisbürger erwischt – und das, obwohl die Person geimpft war.
Wie gut sind die Kinder im Kreis vor Masern geschützt?
Umfassende Daten zur Geimpften-Quote in einzelnen Regionen liefern nur die Schuleingangsuntersuchungen. 2013 etwa waren 94,1 Prozent der rheinland-pfälzischen Erstklässler vollständig immunisiert. Im Kreis Bad Dürkheim allerdings lag ihr Anteil nur bei 91,5 Prozent. Im Pfalzvergleich bedeutete das den drittletzten Platz, noch niedriger war die Quote nur in Landau (90,0 Prozent) und Frankenthal (84,4). Auch 2019 war der Kreis Bad Dürkheim Impfmuffel-Gebiet: Landesweit hatten 97,7 Prozent der Schulanfänger den Komplett-Schutz, in der Region zwischen Bockenheim und Haßloch waren es nur 91,8 Prozent.
Mittlerweile allerdings hat sich die Quote im Kreis Bad Dürkheim deutlich erhöht: Von 2105 untersuchten Erstklässlern des Jahres 2025 war lediglich bei sieben Kindern gar keine Impfung dokumentiert, während 2069 Jungen und Mädchen den vollständigen Schutz hatten. Das macht einen Anteil von 98,29 Prozent. Offen bleibt, wie die Region damit im Pfalz- oder Landesvergleich dasteht. Denn eine landesweite Sammlung mit Daten zu den einzelnen Kreisen sowie kreisfreien Städten wird vom dafür zuständigen Landesuntersuchungsamt nicht mehr veröffentlicht. Und der neueste Durchschnittswert für Rheinland-Pfalz stammt nach Angaben der Behörde von den Erstklässlern des Jahres 2023. Damals lag die Komplettschutz-Quote landesweit bei 97,7 Prozent.