Eisenberg
Kulturelle Schätze im Gienanth-Keller dokumentiert
Sie sollten nach jahrzehnlangem Dasein im Verborgenen künftig dem Licht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden: Die umfangreiche Sammlung von Gussofenplatten, die in der Eisengießerei Gienanth vor langer Zeit gegossen wurde, lagert derzeit aber immer noch in einem Magazin des Gienanth-Werkes. Denn die Stadt als Eigentümerin der Sammlung hat bis jetzt keinen geeigneten Raum zur Aufbewahrung oder Ausstellung der Ofenplatten mit einem Gesamtgewicht von rund 300 Tonnen.
Immerhin: Vier Exemplare sind seit einiger Zeit für die Öffentlichkeit zugänglich im Eisenberger Rathausflur aufgehängt. Zumindest weitere 93 Exponate aus der Sammlung sind als Leihgabe im Gewölbekeller des ehemaligen Gienanth´schen Unterhammers im Karlstal zu bewundern. Aber auch die übrigen Platten sind zumindest in gedruckter Form dokumentiert. In dieser Dokumentation sind über 600 Exponate bildlich erfasst und jeweils mit einer Beschreibung versehen.
Digital zugänglich machen
In der jüngsten Sitzung des Eisenberger Stadtrates überreichte der Geschäftsführer der Zukunfts-Region Westpfalz (ZRW), Hans-Günther Clev, diesen umfangreichen Katalog mit dem Titel „Sammlung Baron von Gienanth“ an Eisenbergs Stadtbürgermeister Peter Funck (FWG). Bereits 2020 hat Clev das Projekt im Stadtrat vorgestellt, verzögert durch Corona konnte es aber erst kürzlich fertig gestellt werden. Zusammen mit dem ehemaligen VG-Fachbereichsleiter Jürgen Stutzenberger und dem Leiter des Museums Sickinger Höhe hat die ZRW den Gesamtbestand der Sammlung neu erfasst, geordnet und historisch bewertet. Außerdem ist geplant, mit den digital vorliegenden Daten zusammen mit dem Museumsverband Rheinland-Pfalz ein virtuelles Museum aufzubauen, sodass dann die Sammlung jederzeit im Internet betrachtet werden kann.
Bereits vor rund 20 Jahren wurde mit einer ersten Bestandsaufnahme der Sammlung durch den Fachbereich Wirtschaftsförderung und Touristik der VG begonnen. Für 76.600 Euro hatte die Stadt in der Amtszeit von Stadtbürgermeister Adolf Kauth (FWG) die Sammlung von der Familie Gienanth gekauft. Zur Finanzierung trugen ein Zuschuss von rund 15.400 Euro und Spenden von 18.200 Euro bei.
Kastenöfen früher wichtiges Produkt
Dass das Eisenberger Traditionsunternehmen Gienanth, das heute unter anderem Gussteile für die Automobilindustrie produziert, in früheren Zeiten eine Produktpalette von Brunnentrögen über Waffeleisen, Geländer, Stalleinrichtungen und Spindeltreppen sowie Öfen hergestellt hat, darüber geben die historischen Musterbücher Auskunft. Zu den Plattenöfen ist in der Festschrift „250 Jahre Eisenwerk Eisenberg“ von Ulrich von Gienanth aus dem Jahre 1986 zu lesen: „Plattenöfen waren ein wichtiges Produkt der Eisenhüttenwerke bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Es waren Kastenöfen, deren Seitenplatten mit der jeweils nicht verzierten Seitenverlängerung im rechten Winkel in die Zimmerwand eingelassen waren. Die dritte Platte wurde quer an den beiden Platten oft mit einer Deckleiste befestigt. Vom Gang aus wurde das Feuer bedient.“ Die Öfen seien entweder mit einer Eisenplatte abgedeckt oder mit einem Rauchabzug aus Keramik versehen worden. Meist seien sie auf Steinsockel gesetzt worden. Weiter heißt es in der Festschrift: „Die mit Motiven aus verschiedenen Stilepochen versehenen Gußplatten werden heute als Antiquitäten gehandelt. Sofern der obere Rand einer Platte nicht gerade, sondern geschwungen ist, war sie meist für ein offenes Kaminfeuer oder als Wappenplatte für eine Toreinfahrt bestimmt. Ulrich von Gienanth hat während seiner Zeit als Geschäftsführer eine Sammlung von circa 300 solcher Eisenplatten in Eisenberg angelegt.“