Gewichtheben
KSV Grünstadt fährt wertvollen Punkt ein
Damit hatte wohl niemand gerechnet: Der als klarer Außenseiter angetretene KSV Grünstadt holte im Bundesliga-Nachholkampf überraschend einen immens wichtigen Punkt beim favorisierten Chemnitzer AC. Die Gastgeber gewannen am Ende dennoch das Duell mit 773,5 zu 726 Relativpunkten (2:1)
Obwohl die Ausgangslage für den KSV Grünstadt wegen der personellen Engpässe alles andere als günstig schien, kehrten die Pfälzer nicht mit leeren Händen aus der drittgrößten Stadt Sachsens zurück. Kurz nach dem Abwiegen hatte KSV-Trainer John Attilo beim Blick auf die gegnerische Startaufstellung allerdings ein ganz anderes Szenario vor Augen: „Das lief auf einen neuen Saisonrekord hinaus, mit dem sich die Chemnitzer vom heimischen Publikum feiern lassen wollten – unsere Devise konnte daher nur Schadensbegrenzung lauten.“
Dimovs rabenschwarzer Tag
Doch der Sport schreibt oft seine eigenen Geschichten, denn bereits in der ersten Reißgruppe passierte das Unvorstellbare: Der bulgarische Top-Heber Ivan Dimov erwischte einen rabenschwarzen Tag und scheiterte zum Entsetzen der Zuschauer dreimal an seinem Anfangsgewicht. Die KSV-Athletinnen Mirja Janssen, Lara Dancz und Alba Sanchez erfüllten hingegen ihr Soll und hatten als Kollektiv lediglich einen einzigen Fehlversuch zu verzeichnen. Die Anspannung war aber noch lange nicht vorbei, da die Last nun auf den Schultern von Lucas Nützel, Padou Izere Shima und Zdravko Pelovski lag, die in der zweiten Gruppe an die Hantel gingen.
Schließlich musste auch Grünstadt erst vor kurzem – im Januar in Mutterstadt – einen solchen Patzer verkraften. Die drei Heber blieben jedoch nervenstark, nutzten die Gunst der Stunde und holten sich mit einer Leistung von 295: 253 Zählern den ersten Wertungspunkt des Abends. Trotz des komfortabel erscheinenden Vorsprungs wusste die KSV-Staffel allerdings sofort, dass die Chancen auf den Gesamtsieg relativ gering sein dürften. Nach dem ersten Schock fingen sich die Gastgeber wieder und spielten im Stoßen ihre erwartete Stärke in vollem Umfang aus: mit 520,5 Relativpunkten erzielten sie in der laufenden Runde das bisherige Höchstergebnis von allen Bundesliga-Vereinen und untermauerten mit dem Sprung auf den zweiten Tabellenplatz weiterhin ihre Aussicht auf die Teilnahme am Meisterschaftsfinale.
Die Beste ärgert sich
KSV-Coach Attilo ließ seine Schützlinge nicht mehr an ihre Grenzen gehen, da bereits in einer Woche der nächste schwere Wettkampf ansteht. Dennoch können sich ihre individuellen Resultate sehen lassen. Alba Sanchez Ferrer überzeugte als beste Heberin mit 150 Relativpunkten. Die Spanierin ist für die im April stattfindenden Europameisterschaften in der Klasse -53 kg gemeldet und trat schon am Samstag mit einem reduzierten Körpergewicht an. Dessen ungeachtet blieben ihre bisherigen Leistungen mit 85 kg im Reißen und 104 kg im Stoßen auf konstant hohem Niveau. „Schade, dass ich die 107 kg im dritten Versuch nicht geschafft habe“, ärgert sich die 28-Jährige ein wenig. „Ich hätte gerne noch ein paar Punkte mehr für das Team erzielt.“
Mit sechs Gültigen glänzten Zdravko Pelovski (285 Kilo im Zweikampf, 149 Relativpunkte) und Lara Dancz (212 Kilo, 129 Punkte). Padou Izere Shima bewältigte insgesamt 239 Kilo und erreichte 121 Punkte. Eine erneute Steigerung seines Zweikampfrekordes gelang Lucas Nützel mit 110 kg im Reißen und 137 kg im Stoßen (91 Relativpunkte). Mirja Janssen steuerte bei ihrem Erstliga-Debüt 86 Punkte zum Endergebnis bei. Wie wertvoll dieser Teilerfolg für den KSV ist, wird sich in den restlichen zwei Begegnungen zeigen. Am kommenden Samstag gastiert mit dem SSV Samswegen eine weitere starke Mannschaft mit einem Saisonbestwert von 850 Relativpunkten in Grünstadt. Der Wettstreit um den Klassenerhalt bleibt weiterhin hochspannend.