Eisenberg
Kirchen-Sparpläne: So groß ist der Frust an der evangelischen Basis
Zwischen 2024 und 2025 hat die Protestantische Landeskirche mehr als 14.000 Gläubige durch Tod oder Austritt verloren, allein knapp 1100 davon im Dekanat Bad Dürkheim-Grünstadt. Die weit über 400 Gebäude im Land sind für mehr als 700.000 Gemeindeglieder ausgelegt. Bis 2040 werden es aber deutlich unter 300.000 sein und bis 2050 wird mit rund 190.000 gerechnet. Das hat enorme Auswirkungen, die finanzielle Unterdeckung wächst kontinuierlich.
Veränderungen wie nie zuvor
Die Landessynodalen haben deshalb die Kirchenverfassung, das Kirchenbezirksreformgesetz, das Kitaträgergesetz und das Kirchenverwaltungsgesetz überarbeitet. Bei der jüngsten Sondersitzung der Bezirkssynode in Eisenberg wurden die Entwürfe vorgestellt. „Wir wollen eine Stellungnahme vorbereiten, über die wir am 30. Mai final abstimmen“, erläuterte der Vorsitzende des Gremiums, Joachim Schäfer. Dekan Stefan Kuntz machte deutlich: „Wir stehen vor den größten Veränderungen, die wir jemals erlebt haben.“
Die Rechtsdirektorin Jill Rohde berichtete, dass sich schon länger Gemeinden anderer Formen bilden, die nicht von räumlichen Kriterien bestimmt und von Menschen aus der ganzen Pfalz besucht werden: beispielsweise Jugend- oder Citykirchen und das Dietrich-Bonhoeffer-Zentrum in Ludwigshafen-Friesenheim. Solche Gemeinden sollen nun in die Verfassung aufgenommen und damit zugelassen werden. Die Ortskirchengemeinden (die bisherigen Kirchengemeinden) wiederum sind fortan keine Körperschaften des öffentlichen Rechts mehr, sondern unterstehen dem kirchlichen Recht.
Ortsgemeinden verlieren ihr Eigentum
Bis 2029 sollen die 15 Dekanate auf vier große Bezirkskirchengemeinden reduziert werden. Diese übernehmen Eigentum, Vermögen und Verträge der Ortskirchengemeinden. Letztere haben auch fortan keine Haushalte mehr, ihnen werden stattdessen Budgets zugewiesen. Von zahlreichen Immobilien wird man sich trennen müssen. Oberkirchenrätin Marianne Wagner merkte an, dass dadurch Kulturdenkmäler verloren gehen werden. Pfarrer sind dann auch nicht mehr Teil der Presbyterien: Die allein gelassenen Ehrenamtlichen müssen geschult werden und bekommen Unterstützung von Regioteams, um ihre Aufgaben bewältigen zu können.
Über diese (und viele andere) Veränderungen wurde von den anwesenden 64 der insgesamt 82 Synodalen heftig diskutiert. Die Grünstadter Presbyterin Elke von Haaren zweifelte an, dass die Verwaltung schlanker wird: „Da muss ja mächtig an Personal aufgerüstet werden.“ Pfarrer Andreas Funke (Grünstadt) wollte wissen, ob bei dieser Umgestaltung auch die theologischen Grundlagen bedacht worden seien. Amtskollege Christopher Markutzik (Sausenheim-Neuleiningen) erkundigte sich, ob er bei Mitgliedschaft in einer neuen Gemeindeform noch der Ortskirche angehöre. Das wurde bejaht. Pfarrer Julian Kraul (Carlsberg-Altleiningen) griff das auf und fragte, wie denn bei Mehrfachmitgliedschaften der Etat für die einzelnen Gemeinden quantifiziert wird.
Idee des Dekans schon verworfen
Presbyter Karl-Peter Grimm (Neuleiningen) hegt grundsätzliche Bedenken gegen die Reform, „weil sie zu groß ist“. Dekan Kuntz plädierte dafür, zwischen Bezirks- und Ortskirchengemeinden noch Regionalkirchen zu installieren. Dazu sagte Rohde, dass man diese Idee verworfen habe, um nicht in wenigen Jahren wieder umgestalten zu müssen. Die örtlichen Gemeinden würden enteignet, befand Josef Gerdon, Presbyter aus Wachenheim. Auch betonte er, dass „der Pfarrer vor Ort gebraucht“ werde. Wagner erklärte, dass neben dem Geld schlicht das Personal fehle. Aktuell seien 264 Pfarrer im Dienst, bereits 2035 werde es nur noch 113 Vollzeitstellen geben. Und die Theologen verrichteten Arbeiten, für die sie nicht ausgebildet und viel zu teuer seien.
Pfarrer Karl-Ludwig Hauth (Eisenberg) wollte wissen, ob die Gemeinden vor Ort ein Vetorecht hätten, wenn auf höherer Ebene beschlossen wird, Kirchengebäude zu verkaufen. „Wir brauchen Raum für die Seelsorge“, meinte er und erntete dafür Beifall. Applaudiert wurde auch für den Einwurf seines Kollegen Julian Kiefhaber (Freinsheim-Dackenheim), dass der Umbau der Verfassung der Förderung des Ehrenamtes widerspreche. Wagner entgegnete, dass die Gestaltungsfreiheit im geistlichen Bereich doch etwas ganz anderes sei als die Verwaltung, welche aktuell rund 80 Prozent der Arbeit ausmache.
Weitere Millionen müssen gespart werden
Auf die immer wieder gestellte Frage nach dem Einsparpotenzial informierte sie schließlich, dass ein Volumen von 53 bis 57 Millionen Euro geplant sei. Davon entfielen 21,6 Millionen Euro aufs Personal, rund zehn Millionen Euro auf die Kitas und sieben Millionen Euro auf die Administration, die bei der Sondersitzung im Fokus stand. Allerdings weiß man bei einem Betrag von weiteren sieben Millionen Euro noch nicht, wie er eingespart werden könnte. Etliche Synodale zweifelten die möglichen Kostenreduzierungen an. Dazu, was erst einmal für die Umstrukturierung investiert werden muss, konnte nichts gesagt werden.
