Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Jahresrückblick: So war 2025 in der VG Leiningerland

Trost vom Sieger: Daniel Krauß (links) triumphiert bei der Bürgermeisterwahl in der Verbandsgemeinde Leiningerland über Frank Rü
Trost vom Sieger: Daniel Krauß (links) triumphiert bei der Bürgermeisterwahl in der Verbandsgemeinde Leiningerland über Frank Rüttger.

Die VG bekommt einen neuen Chef, die Kirchheimer FWG argumentiert antisemitisch, in Höningen enden 200 Jahre Gastro-Geschichte: Schlaglichter eines zu Ende gehenden Jahres.

Findling macht Auto zum Geschoss
Martin Griebel hat an einem Dienstagnachmittag im Januar das Familienanwesen an der Bockenheimer Ortsdurchfahrt schon fast erreicht, als er hinter sich ein Rumsen hört. Und dann sieht er etwas, was er kaum fassen kann: Ein BMW fliegt seitlich an ihm vorbei, kracht schließlich in einen anderen Wagen. Der Unglücksfahrer ist auf der B271 viel zu schnell ins Dorf hineingebraust, ein Felsbrocken am Straßenrand hat sein Auto in die Höhe katapultiert und 15 Meter weit fliegen lassen – während ein weiterer Findling durch die Luft geschleudert wird und auf einem Weintank landet. Der Mann aus dem BMW kommt schwerverletzt ins Krankenhaus. Und Griebel begreift nur langsam, was für ein Riesenglück er eben gehabt hat.

Knapp an ihm vorbei: Martin Griebel zeigt die Flugbahn des BMW.
Knapp an ihm vorbei: Martin Griebel zeigt die Flugbahn des BMW.
Zerknautscht: Ein Felsbrocken ist in einem Weintank gelandet.
Zerknautscht: Ein Felsbrocken ist in einem Weintank gelandet.

Knapp 1,27 Millionen Euro Förderung verfallen
Unzählige Stunden ist unter Hettenleidelheims Bürgermeister Steffen Blaga (CDU) diskutiert, geplant, verworfen, gebangt, begutachtet, verhandelt, gerechnet und beantragt worden. Schließlich scheint man dem Ziel, die Jahnsporthallen zu sanieren, ganz nah. Vom Bund sind 732.600 Euro an Fördermitteln zugesagt worden, zusätzlich gewährt das Land einen Zuschuss von 537.000 Euro. Doch letztendlich entscheidet der Rat unter dem neuen Ortschef Steffen Burkhardt (SPD) im April mehrheitlich, dass sich die Gemeinde das Millionen-Projekt nicht leisten kann. Die Zuschüsse verfallen. Während die Sozialdemokraten vermuten, dass die Wirtschaftlichkeit zuvor nicht gründlich geprüft wurde, zeigt sich die CDU enttäuscht und spricht von einem „massiven strukturellen Rückschlag“.

Sanierungsbedürftig: die beiden Jahnhallen in Hettenleidelheim.
Sanierungsbedürftig: die beiden Jahnhallen in Hettenleidelheim.

Mit Frei-Riesling auf Gräfin Eva angestoßen
Genau 500 Jahre ist es her, dass Gräfin Eva der Legende nach ihre Neuleininger Burg vor aufständischen Bauernhorden gerettet hat. An einem Mai-Wochenende wird das Jubiläum gefeiert. Das von Georg Blum geschriebene Stationentheaterstück erzählt vom Bauernkrieg 1525 und lockt jede Menge Neugierige an. Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) würdigt die Adelige als fromme, kluge, mutige und fürsorgliche Frau, danach gibt’s Frei-Riesling für alle. Lautenspieler und Gaukler unterhalten die Gäste, und die Gruppe Nostra Memoria aus Kirchheimbolanden lässt ein nachgebautes Belagerungskatapult Sandsäcke schleudern.

Bauernkrieg 1525: Stationentheater in den Neuleininger Gassen.
Bauernkrieg 1525: Stationentheater in den Neuleininger Gassen.
 Zum Wohl: Anstoßen nach dem historischen Weinfassanstich.
Zum Wohl: Anstoßen nach dem historischen Weinfassanstich.

Geduldsprobe mit überraschendem Ausgang
Zwei Stunden lang müssen die Kandidaten ausharren. Erst um 20.03 Uhr steht am Wahlsonntag im Juni fest: Frank Rüttger (CDU), der amtierende Bürgermeister der Verbandsgemeinde Leiningerland, hat gegen seinen Herausforderer Daniel Krauß (SPD) verloren. Auf ihn entfallen 53,4 Prozent der Stimmen, während sich der bisherige Rathaus-Chef mit 46,6 Prozent begnügen muss. Den größten Rückhalt hat er nach acht Jahren im Amt in Hettenleidelheim (58,2 Prozent), gefolgt von Ebertsheim (57,1 Prozent). Im eigenen Wohnort Neuleiningen hingegen liegt Rüttger mit 53,2 Prozent nur relativ knapp vorn. Der Kleinkarlbacher Krauß holt derweil im eigenen Dorf satte 82,4 Prozent, in Bissersheim, Quirnheim und Kirchheim fährt er Werte von mehr als 60 Prozent ein.

Gewonnen: Daniel Krauß wird neuer Bürgermeister der Verbandsgemeinde Leiningerland.
Gewonnen: Daniel Krauß wird neuer Bürgermeister der Verbandsgemeinde Leiningerland.

Ast bohrt sich nach Unwetter durchs Dach
Betroffen sind Altleiningen, Hettenleidelheim, Wattenheim, Neuleiningen, Ebertsheim, Quirnheim. Und besonders arg erwischt es Carlsberg: Ein Gewitter mit Wolkenbruch wütet an einem frühen Montagabend im Juli über mehreren Leiningerland-Dörfern, lässt Bäume umstürzen und Keller volllaufen. Im Haus einer 85-jährigen Carlsbergerin bohrt sich ein dicker Ast durchs Dach. Kurz darauf läuft Wasser die Wände hinunter: Gardinen, der Massagesessel, der Holztisch, die Stühle, Schrank, Regal – sämtliche Möbel sind klitschnass. „Ich bin völlig fertig. So etwas ist mir mein ganzes Leben noch nicht passiert“, sagt die Seniorin.

Unwetterfolge: Ein dicker Ast hat sich durchs Dach gebohrt.
Unwetterfolge: Ein dicker Ast hat sich durchs Dach gebohrt.
Klitschnasse Wände und Möbel: Wohnzimmer einer betagten Carlsbergerin nach dem Unwetter.
Klitschnasse Wände und Möbel: Wohnzimmer einer betagten Carlsbergerin nach dem Unwetter.

Haarsträubende Argumentation gegen Gedenkschild
Rund 6500 Juden aus dem deutschen Südwesten haben die Nazis im Oktober 1940 ins französische Internierungslager Gurs verschleppt – unter ihnen acht Kirchheimer. An die Opfer soll in ihrem Heimatort ein Gedenkschild erinnern, wie eine Interessengemeinschaft vorschlägt. Doch die Ratsmehrheit stellt sich quer. Die FWG rechtfertigt ihre Haltung im Netz unter anderem mit den „Gräueltaten der aktuellen israelischen Regierung in Gaza“. Das nimmt die ermordeten Juden laut dem Wissenschaftler Lennard Schmidt in „Kollektivhaftung“. Damit folge die Argumentation einem klassisch antisemitischen Strickmuster. Die so gebrandmarkte FWG reagiert zerknirscht. Das Schild wird zum Jahrestag der Deportation im Oktober doch noch aufgestellt – aber nur, weil der Winzer Christoph Hammel dafür seinen Privatgrund zur Verfügung stellt.

Steht jetzt beim Winzer Hammel: Gedenkschild für Kirchheimer Juden.
Steht jetzt beim Winzer Hammel: Gedenkschild für Kirchheimer Juden.

Ära geht nach mehr als 200 Jahren zu Ende
Einen „großen Verlust für die Region“ nennt Altleiningens Bürgermeister Benjamin Claus (FWG) die Schließung des Traditionsgasthauses „Zum Jagdschloss“ im Ortsteil Höningen. Eine Institution, wo Heidelberger, Wormser und Kaiserslauterer in familiärer Atmosphäre bodenständige Gerichte genossen haben. An Sonn- und Feiertagen sind oft 500 Gäste da gewesen. In dem markanten Gebäude in der Dorfmitte ist seit mindestens 1740 ein Restaurant betrieben worden. Um 1810 beginnt die Geschichte der jetzigen Gastwirtsfamilie, deren achte Generation, Joachim Herbel und seine Schwester Judith, zum Jahresende aufgeben. Vornehmlich aus gesundheitlichen Gründen, wie sie sagen. Acht Festangestellten und 17 Aushilfen ist gekündigt worden.

Stößt auf großes Interesse: Enthüllung des Gedenkschilds in Kirchheim.
Stößt auf großes Interesse: Enthüllung des Gedenkschilds in Kirchheim.
Geben das „Jagdschloss" auf: Judith und Joachim Herbel.
Geben das »Jagdschloss« auf: Judith und Joachim Herbel.
Gab dem Gasthaus seinen Namen: das untergegangene Jagdschloss in Höningen.
Gab dem Gasthaus seinen Namen: das untergegangene Jagdschloss in Höningen.
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