Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Iran-Krieg: Stadtwerke-Chef erklärt, was Gaskunden droht

Die Stadtwerke Grünstadt haben langfristige Lieferverträge für Gas abgeschlossen.
Die Stadtwerke Grünstadt haben langfristige Lieferverträge für Gas abgeschlossen.

Die Energiepreise steigen derzeit deutlich, der Gaspreis der Stadtwerke Grünstadt allerdings bleibt bislang stabil. Warum das so ist und ob es dabei bleibt.

Was aktuell in der Golfregion passiert, verfolgt die Leitung der Stadtwerke Grünstadt mit Interesse. Das macht Jürgen Böhnlein, kaufmännischer Geschäftsführer, deutlich.

Seit Februar herrscht in der Region Krieg zwischen dem Iran sowie den USA und Israel. Als Reaktion auf die Angriffe entschied die iranische Führung, die Straße von Hormus weitgehend zu sperren. Dadurch kommen viele Schiffe nicht mehr weiter. Das Problem: Die Strecke ist eine der Hauptrouten für den Transport von Öl aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Zudem kommt von dort jede Menge Flüssigerdgas, vor allem aus Katar.

Mehrwertsteuer hat Einfluss

Die Blockade hat massive Konsequenzen. Da weniger Schiffe passieren, werden Abnehmer nicht mehr vollumfänglich beliefert. Es kommt zu Mangellagen – und das treibt die Preise hoch. Die sind in Deutschland für Sprit bereits gestiegen. Aber auch Gas wurde teurer.

Gaskunden der Stadtwerke Grünstadt sind davon etwa erst mal nicht betroffen. Laut Jürgen Böhnlein, kaufmännischer Geschäftsführer, hängt das mit langfristigen Lieferverträgen zusammen. Die werden mit zwei Jahren Vorlauf geschlossen. Hauptlieferant von Gas sind die Pfalzwerke. Es gilt: Was heute von Kunden verbraucht wird, ist vor zwei Jahren besorgt worden. Die heutigen Endpreise für Kunden orientieren sich also am damaligen Einkaufspreis. Ausnahme: Der Gesetzgeber erhöht beispielsweise die Mehrwertsteuer. Das hätte direkten Einfluss – egal, was zuvor vereinbart wurde, so Böhnlein.

Einkauf ist teurer geworden

Für das kommende halbe Jahr hält Böhnlein die Versorgung der Stadtwerke mit Gas für gesichert – zumal der Sommer naht. „Da wird dann weniger Gas verbraucht“, sagt er. Aktuell kümmern sich die Stadtwerke darum, Gas für die Jahre 2027 und 2028 einzukaufen und entsprechende Verträge auszuhandeln. 2027 sei bereits zu 80 Prozent fixiert, so Böhnlein. Zum Ende eines Jahres legt der Gesetzgeber fest, wie hoch die CO2-Bepreisung im Folgejahr ausfällt. Auch das hat dann Einfluss auf die Endpreise.

Derzeit sei der Einkauf von Gas teurer geworden, teilt Böhnlein mit. Das betreffe vor allem Mengen, die für spätere Jahre beschafft werden – also erst ab 2028 relevant sind. Wobei der Geschäftsführer nicht automatisch von steigenden Preisen für Endkunden ausgeht. Bis dahin schwankten die Einkaufspreise, sagt er, zudem seien Steuern und Abgaben zu berücksichtigen.

Was und wie viel beschafft wird, ist in einem Beschaffungsplan festgeschrieben. Von diesem kann bis zu einem gewissen Grad abgewichen werden. Sind die Preise beispielsweise hoch, werden zunächst kleinere Mengen eingekauft als vorgesehen. So können die Stadtwerke ungünstige Preisschwankungen teilweise abfedern. Böhnlein warnt: Sollten die Preise aber lange hoch bleiben, werde es für den Endkunden doch noch teurer.

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