Grünstadt
In Grünstadt gibt es zu wenig günstige Wohnungen
Schon jetzt ist es schwierig, eine Mietwohnung in der Stadt zu finden – der Markt ist leergefegt. Dazu kommt, dass die Mietpreise in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind und auch die Nachfrage nach Bauland nicht erfüllt werden.
Die Wohnungsknappheit wird sich in den nächsten Jahren verstärken, sagt Karin Beck von der Stadtverwaltung: „Im Jahr 2035 werden in Grünstadt rund 590 Wohnungen fehlen.“ Ein Problem wird das vor allem für ältere Menschen, die alleinstehen, und für Menschen mit geringem Einkommen.
Die große Frage ist: Welche Möglichkeiten gibt es, Wohnungen zu bauen, die für diese Gruppen bezahlbar sind? Liegenschafts-Managerin Beck und Jennifer Klose vom Wohnungsamt haben – mithilfe verschiedener Planungsinstitute – Vorschläge erarbeitet, wie das gelingen könnte. Zusammenfassend lässt sich sagen: Es gibt verschiedene Möglichkeiten.
Wohnungsbauunternehmen
Geprüft wird derzeit beispielsweise, ob es sinnvoll ist, ein kommunales Wohnbauunternehmen zu gründen. „Die Gründung ist mit einem hohen organisatorischen und finanziellen Aufwand verbunden, so dass geprüft werden muss, ob das wirtschaftlich ist“, sagt Beck.
Bauen auf Stadt-Grund
Eine weitere Möglichkeit ist es, dass die Stadt auf ihren eigenen Grundstücken Mehrfamilienhäuser errichten lässt, die dann günstig vermietet werden. In der Heinestraße (zwischen zwei Wohnblocks), im Baugebiet „In der Bitz“ (neben dem künftigen Kindergarten) und in der Schlossgewanne (neben den künftigen Supermärkten) besitzt die Stadt geeignete Grundstücke.
Bauen mit Konzept
Während die Bebauung dieser Grundstücke noch Zukunftsmusik ist, kann ein anderes Projekt bald verwirklicht werden: auf dem 2552 Quadratmeter großen Gelände der Musikschule soll ein Mehrgenerationenhaus mit Co-Working-Space gebaut werden. Wie viele Wohnungen entstehen sollen, wie viele Stockwerke das Haus hat – das ist derzeit noch offen. Denn die Stadt will einen Wettbewerb ausloben, bei dem Architekten, Baugemeinschaften oder Bauherren Konzepte einreichen können. Auch die Grünstadter selbst sollen zuvor ihre Ideen einbringen können. Eine Jury soll am Ende das passende Konzept auswählen.
Dass kein Schickimicki-Bau mit hohen Mieten in der Schlachthofstraße entsteht, ist dabei allerdings sicher. Beck sagt: „Es wird in der Ausschreibung festgeschrieben, dass die Mieten günstig sein müssen.“ Die Begleitung des Projekts durch ein Planungsbüro wird mit bis zu 25.000 Euro vom Land gesponsert, die Stadt erwartet dieser Tage eine schriftliche Zusage für die Förderung. Das Verfahren soll rund 1,5 Jahre dauern, sodass nach dem Umzug der Musikschule in den sanierten Leininger Oberhof mit der Umsetzung begonnen werden kann.
Stadt kauft Häuser
Auch dass die Stadt – unter dem Stichwort „nachhaltige Bodenpolitik“ – selbst Immobilien oder Grundstücke kauft, sei eine Möglichkeit, um für Wohnraum zu sorgen.
Mietspiegel für Grünstadt
Um im Bereich der Mieten Vergleichbarkeit herzustellen, könnte ein Mietspiegel erstellt werden. Es handelt sich dabei um eine Übersicht über die ortsübliche Vergleichsmiete, die von der Stadt oder von Vertretern der Vermieter und der Mieter gemeinsam erstellt wird. „Ein Mietspiegel dient als Orientierungshilfe, er kann auch eine preisdämpfende Wirkung haben“, sagt Jennifer Klose.
Wohnungen tauschen
Zuletzt gibt es die Idee, gemeinsam mit dem Seniorenbeirat eine Wohnungstauschbörse einzurichten. Man wollen bei älteren Menschen dafür werben, dass sie aus ihren großen Wohnungen und Häuser aus- und in kleinere Wohnungen umziehen. Ziel sei es, größere Wohnungen und Häuser für Familien zu generieren. Es werde auch darüber nachgedacht, umzugsbereiten Senioren eine Prämie zu zahlen.
Wie ist die Situation derzeit?
6350 Wohnungen gibt es in Grünstadt derzeit, über die Hälfte davon in Ein- und Zweifamilienhäusern. Zwischen 2011 und 2018 wurden in Grünstadt pro Jahr 50 Wohnungen gebaut. Öffentlich gefördert wird derzeit der Bau von 18 Wohneinheiten: Die Lebenshilfe Grünstadt-Eisenberg baut In der Haarschnur ein Wohnhaus für Menschen mit Handicap.
Nicht nur in Grünstadt, in der ganzen Vorderpfalz ist der Wohnungsmarkt angespannt, wie das Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung, das für Grünstadt eine Bedarfsanalyse angefertigt hat, feststellt: „Die Miet- und Kaufpreise für Wohnungen und für Häuser sind in Grünstadt, wie in der gesamten Region, erheblich gestiegen und verweisen auf eine zunehmende Anspannung des Wohnungsmarktes.“ Ein Beispiel: Lag der Mietpreis im Jahr 2014 bei 7,46 Euro pro Quadratmeter für eine neugebaute Wohnung, waren es 2019 schon 9,20 Euro. Und auch der Kaufpreis für Häusern ist gestiegen – bei den Bestandsobjekten in Grünstadt um 25 Prozent. Ob es da ein Trost ist, dass die Preise im benachbarten Bad Dürkheim sogar um 46 Prozent gestiegen sind?