Grünstadt / Laumersheim
Immer wieder Unfälle: Hier lauert Aquaplaning-Gefahr auf der A6
Diesmal bringt das Wasser auf der A6 gleichzeitig gleich mehrere Autos aus der Spur. Zunächst kommt am Abend des 20. Juli bei Laumersheim ein Mercedes ins Schleudern, er rammt einen anderen Wagen. Ein paar Meter weiter hinten kracht derweil ein Golf in die Mittelleitplanke, auch ihn hat Aquaplaning aus der Bahn geworfen. Weil danach so viele Trümmerteile auf der Fahrbahn herumliegen, wird die Autobahn in Richtung Mannheim erst einmal komplett gesperrt. Und aus Grünstadt rückt die Feuerwehr an.
Vier Unfälle im laufenden Jahr
Der sind solche Einsätze am Fuß des Laumersheimer Bergs schon vertraut, Wehrleiter Jens Michel sagt: „Bei starkem Regen kracht’s da immer wieder.“ Eine detailliertere Bilanz kann die für den Abschnitt zuständige Autobahnpolizei Ruchheim vorlegen: 2024 hat sie an dieser Stelle der A6 zwischen Grünstadt und Frankenthal in Fahrtrichtung Mannheim insgesamt vier Aquaplaning-Unfälle gezählt. Und fürs laufende Jahr kommen die Beamten schon jetzt auf ebenso viele, wobei sich drei davon in nur einer verregneten Woche Ende Juli zugetragen haben.
Als Crash-Brennpunkt im amtlichen Sinn gilt der Abschnitt im Leiningerland trotzdem nicht. Was eine offizielle „Unfallhäufungsstelle“ ist, wird nach einer Art Formel berechnet. Der stellvertretende Ruchheimer Autobahnpolizeichef Andreas Hellwich erläutert das System so: Bleibt es bei einem Blechschaden, wird in der Analyse für die jeweilige Karambolage ein Punkt verbucht. Sind hingegen Menschen leicht verletzt worden, müssen zwei Punkte eingetragen werden. Und eine Kollision mit Schwerverletzten wird mit fünf Punkten erfasst.
Unterhalb der Alarm-Schwelle
Kommen so für einen 1000-Meter-Abschnitt einer Autobahn binnen dreier Jahre mehr als 15 Punkte zusammen, gilt er offiziell als Unfallschwerpunkt. Die zuständigen Behörden müssen sich dann automatisch fragen, wie sie diese Gefahrenstelle entschärfen können. Denkbar ist je nach Ausgangslage zum Beispiel, dass strengere Regeln verhängt werden oder dass die Polizei häufiger kontrolliert. Oder eben, dass eine Straße umgebaut wird. Doch für das untere Ende des Laumersheimer Bergs ist die formale Alarmschwelle nach wie vor nicht erreicht.
Ohnehin gibt es im ganzen Dienstbezirk der Ruchheimer Autobahnpolizisten derzeit keine einzige Passage, für die das Punktesystem ein Eingreifen fordert. Dabei kümmern sich die Beamten von ihrem Stützpunkt am Rand Ludwigshafens aus um rund 225 vorderpfälzische Streckenkilometer auf der A6, der A61, der A65, der A650 und der B9. Die Aquaplaning-Falle bei Laumersheim allerdings will sich Vize-Dienststellenleiter Hellwich jetzt trotz formal zu niedriger Punkte-Anzahl genauer ansehen – bei einer „Unfallstellenbesprechung“ mit der Autobahn GmbH.
Autobahn GmbH erklärt das Problem
Deren Fachleute wiederum können sich durchaus schon jetzt erklären, warum ausgerechnet auf diesen paar Metern der A6 immer wieder Autos ins Trudeln kommen. Eine Ursache des Problems: ein Wechsel im leichten, für den Laien kaum wahrzunehmenden Quergefälle der Fahrbahn. Sie neigt sich von dieser Stelle mit leichter Linkskurve an nicht mehr nach außen zur Standspur hin, sondern nach innen zum Mittelstreifen. Damit ändert sich auch die Abfluss-Richtung des Wassers: Es wird nicht mehr zum rechten Fahrbahn-Rand gelenkt, sondern zum linken.
Dass ein Trassenverlauf sie zu solchen Gefälle-Wechseln zwingt, ist für Straßenbauer durchaus normal. Allerdings, sagt eine Sprecherin der Autobahn GmbH, ist so etwas trotzdem „mit Blick auf die Entwässerung eine besondere Herausforderung“. Und die ist bei Laumersheim besonders groß – wegen der Lage am Ende einer langen Bergab-Strecke, über die viel Wasser in Richtung Rhein-Ebene strömt. Das sei zwar im Konzept für die Abfluss-Anlagen berücksichtigt. Aber bei starkem Regen könne sich trotzdem ein Nässe-Rückstau auf der Fahrbahn bilden.
Hindernisse für einen Umbau
„Bei angepasster Fahrweise ist dies unkritisch“, versichert die Sprecherin. Außerdem stehen, weil es mittlerweile häufiger als früher heftig schüttet, am unteren Ende des Laumersheimer Bergs jetzt auch Aquaplaning-Warnschilder. Und: Die Autobahn GmbH bespricht den Angaben zufolge mit Fachplanern, wie sich die berüchtigte Stelle entschärfen lassen könnte. Schließlich wird die A6 im Leiningerland ohnehin erneuert. Im Moment ist ein Abschnitt der Fahrbahn in Richtung Mannheim an der Reihe, der in Höhe der Anschlussstelle Grünstadt endet.
Ab März 2026 kommen dann die nächsten vier Kilometer dran. Allzu gut stehen die Chancen für einen Umbau der Aquaplaning-Falle aber wohl nicht. Denn der Sanierungssektor erstreckt sich zwar bis in die Problemzone, erfasst sie jedoch nicht komplett. Und es gibt der Sprecherin zufolge Hindernisse, die den Spielraum für Eingriffe begrenzen: etwa die Brücke über die Straße zwischen Laumersheim und Großkarlbach.