Grünstadt Immer dienstags wird geschraubt

Sie treffen sich seit 17 Jahren in Albsheim zum Reparieren, Sammeln und Fachsimpeln: die Traktorfreunde Unteres Eistal Obrigheim. Ihre Leidenschaft gehört historischen landwirtschaftlichen Fahrzeugen, mit denen sie vielerorts bei Festen, Umzügen und spezifischen Treffen präsent sind. Seit 2007 sind sie beim Bockenheimer Winzerfestumzug mit acht Gefährten dabei, so auch am Sonntag, 19. Oktober. Schon zweimal gehörten sie zu den prämierten Zugnummern.

Die derzeit 20 Traktorfreunde und -freundinnen treffen sich jeden Dienstag ab 17.30 Uhr auf einem Gelände in Albsheim, nur wenige Meter vom alten Sportplatz entfernt. Dann wird gemeinsam an den Traktoren und anderen Fahrzeugen geschraubt, repariert und restauriert. Im letzten Jahr wurde beispielsweise ein Porsche Standard aus den 60er Jahren hergerichtet. In den kommenden Monaten soll ein Hanomag R22 (Baujahr 62), der einwandfrei läuft, neue Blechteile und eine frische Lackierung erhalten. „Das zweite Projekt ist ein landwirtschaftliches Zugfahrzeug, aus dem Zweiten Weltkrieg stammend“, erzählt Traktorfreund Peter Werle. Es handelt sich um einen Willis Jeep aus Amerika, der umgebaut wurde. Wahrscheinlich sei der Motor defekt gewesen, weswegen ihn die Streitkräfte damals zurückließen. Für die Landwirtschaft wurde der Jeep mit dem Einbau eines Wasserverdampfmotors der Marke Deutz wieder brauchbar gemacht. „Das Fahrzeug, ein technisches Highlight, soll in dem jetzigen Zustand erhalten bleiben, mit der Patina der letzten 65 Jahre“, so Peter Werle. Der Albsheimer Metallbaumeister ist Chef der Schlosserei Metallbau Werle, was ideal zum Hobby passt. Wenn es um Ersatzteile gehe, sei nicht immer alles auf dem Markt erhältlich – ob neu oder gebraucht. „Aus diesem Grund werden manche Teile von uns selbst hergestellt“, egal, ob es sich um Blech-, Holz-, Dreh- oder Frästeile handele. Selbst bei Elektronikteilen werde improvisiert. „In diesen Sparten haben wir unsere Spezialisten“, erzählt die Gruppe. Neben Werle können unter anderem die Traktorfreunde Udo Krück, der Landwirt und Landmaschinenschlosser ist, oder dessen Zwillingsbruder Armin, von Beruf Drehermeister, handwerklich aushelfen. Insgesamt besitzen die Freunde zirka 55 bis 60 Traktoren. Davon sind 24 fahrbereit und teils restauriert. Manche sind noch im Originalzustand. Zu den Traktoren kommen Stationärmotoren, Anbaugeräte und ein Hagedorn aus dem Jahr 1938 mit 14 PS sowie Straßenwalzen (Baujahr 1936) der Marke W+J Scheid aus Limbach/Lahn. Weitere Marken sind zum Beispiel Allgaier, Hela, Bautz, Fendt, Güldner, Lanz und Unimog. Fahrzeuge oder Anbauteile sollen natürlich im Trockenen stehen. Deshalb „parken“ sie ziemlich verstreut in Scheunen, Hallen und Unterstellplätzen, die zum Teil angemietet sind. Durch Freunde und Bekannte, die einen alten Traktor besaßen, wurde der Hobby-Virus weitergegeben. „Da wir alle vom Land stammen und auf dem Dorf großgeworden sind, teilweise sogar aus der Landwirtschaft kommen, waren wir in gewisser Weise vorbelastet“, umschreibt Werle die Anfänge. Die ersten Traktorfreunde kamen aus Obrigheim. So ist der Name „Traktorfreunde Unteres Eistal Obrigheim “ entstanden. Inzwischen kommen die Mitglieder auch aus Dirmstein, Ebertsheim, Marnheim, Kerzenheim und Carlsberg. Das jüngste ist vier Jahre, das älteste 73 Jahre alt. „Über Neuzugänge würden wir uns aber sehr freuen. Je mehr Aktive, desto mehr helfende Hände“, sind sich die Freunde einig. An den Dienstagen werde nicht nur gearbeitet und „sich schwarze Hände geholt“, sondern auch Dieselgespräche geführt. Und es entstehen Ideen für Motivwagen bei Umzügen. Da wird schon mal ein Schmotzer-Geräteträger mit sechs Sitzplätzen ausgestattet, der danach wieder in seinen Ursprungszustand zurückversetzt werden kann. Beim Winzerfestumzug 2012 vergab die Jury einen Sonderpreis für die längste Zugnummer, die auf elf Fahrzeugen eine bayerische Bauern-Hochzeit anno dazumal darstellte. Mit dabei ist die Gruppe zudem bei regionalen Festen und Kerwen, bei Ausstellungen, bei Winter- und Oster-Ausfahrten, Alteisen- und anderen Treffen. Die Fahrten führen mitunter nach Frankfurt am Main oder England zu Traktoren- und Dampfmaschinenmeetings. Beim dritten Kunst- und Bauernmarkt anlässlich der Obrigheimer Kerwe im August chauffierten die Traktorfreunde mit Gefährt und Anhänger mit zwölf stets besetzten Sitzplätzen erstmals die Besucher vom Parkplatz an der Feuerwehr zum Festplatz am Rosengarten und zurück. Mit vollem Erfolg. Sozusagen als gerne angenommenes landwirtschaftliches Taxi „fer umme“ – mit einem Hauch von Nostalgie.

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