Grünstadt Im Paris des 18. Jahrhunderts

Nach dreijähriger Spielpause steigt die Laienspielgruppe Neuleiningen wieder voller Elan auf die Theaterbühne. Sie geizt dabei nicht mit feinsinnigem Wortwitz im neuen Stück „Ein wahrer Menschenfeind“ aus der Feder des renommierten französischen Lustspieldichters Eugène Labiche (1815 – 1888) Simon Vogler hat das Stück bearbeitet. Für die vier Aufführungen werden Kostüme geordert, passend zur Pariser Gesellschaft des 18. Jahrhunderts, wohin der amüsante Zweiakter das Publikum entführen wird. Premiere ist am Samstag, 10 Mai, 20 Uhr, im Neuleininger Dorfgemeinschaftshaus „Alte Schule“.
Die Leseproben für das Stück begannen im Sommer. Wöchentliche aktive Proben im Herbst folgten. Derzeit trifft sich das Team zweimal in der Woche in der „Alten Schule“, um an Texten, Gesten, Dialogen und Szenen zu feilen. „Zwei Wochen vor der Premiere werden wir wohl jeden Tag hier sein“, meinte der „ reiche Aktionär und Menschenfeind“ Steve Doetsch bei einem Probenbesuch der RHEINPFALZ. Denn auch das Tragen der historischen Kostüme müsse geübt werden. Bevor es losgeht, werden hier und da noch die antiken Stühle, der kleine Tisch und der Vogelkäfig zurecht gerückt. Die Bühne verwandelt sich bei der Probe ab sofort in den feinen Salon des wohlhabenden Aktionärs Chiffonnet, der am Abend ein großes Fest für die (vermeintlichen) Freunde geben möchte. Worüber ganz Paris spricht. Die Hausdame oder Zofe (Insa Kluge) und der erste Lakai (Georg Blum) betreten den Salon, wischen Staub, bringen Girlanden an, versorgen den imaginären Vogel im Käfig, plaudern über ihren exzentrischen und misstrauischen Arbeitgeber, Monsieur Chiffonnet. Die Dialoge sitzen. Schnell hat sich die Crew eingespielt. Der miesepetrige Monsieur (Steve Doetsch) platzt in den Salon. „Die ganze Welt besteht aus Lug und Trug“, ist er überzeugt, bevor er fürsorglich nach seinem gefiederten Freund guckt. Wenn erst die festliche Gesellschaft da sei, bekomme sie„ steinhartes Gebäck und den sauersten Wein“ serviert, so der herrische Aktionär. Er läutet energisch nach dem zweiten Lakai, den Harald Ober gibt. Der ist an diesem Probeabend verhindert. Hurtig kommt als Ersatz die Souffleuse Gabriele Blum auf die Bühne. Sie hat, genau wie der „Pseudo-Freund“ Christoph Frommherz und dessen angeheiratete Madame alias Lisa Wischnowski, zuvor akribisch und konzentriert vor der Bühne jegliche Handlung mitverfolgt. Einmal erinnert die Souffleuse den „Menschenfeind“ daran, dass er während eines Dialoges vergessen hat, den Vorhang am Fenster zuzuziehen. Die Szene wird wiederholt, alles klappt. Jetzt ist der vortrefflich gemachte Auftritt mit dem wortgewandten Titelhelden und dem unverblümt daher redenden Kohlenausträger (Patrick Frommherz) dran. „Halt!“, ruft die Souffleuse dazwischen. Der Kohlesack über der Schulter wurde an einer Stelle, der nicht zum gesprochenen Satz passte, zu früh auf dem Boden abgesetzt. Kurze Wiederholung. Weiter geht’s, mit bezeichnenden Dialogen, wo sich der einfache, ehrliche Kohlenträger vor lauter Gerechtigkeitssinn gezwungen sieht, zu heucheln. Und noch Geld dafür bekommt. Gerade diese Begegnung der beiden Protagonisten zeichnet sich wie andere Passagen durch eine reizvolle Ausdruckweise aus. Dem gewählten Schrift-Hochdeutschen steht das Urpfälzische gegenüber. Und umgekehrt. Frei nach Molière wird das Misstrauen gegenüber den Menschen und die Problematik von Wahrheit und Lüge dargestellt. „Eine mitreißende, unterhaltsame Farce erwartet den Besucher“, verspricht die Laienspielgruppe, die seit 1987 existiert und eine Untergruppe des Heimat- und Kulturvereins ist. Bis vor etwa drei Jahren gab es jährliche Aufführungen. „Da aber nach dem Theater vor dem Theater ist und viele von uns noch in anderen Vereinen engagiert sind, beschlossen wir, uns eine Pause zu gönnen und nur noch alle zwei Jahre zu spielen“, erzählt Doetsch. Der Grund: Sei ein qualitatives Aufführungs-Jahr abgehakt, müsste danach direkt ein neues gefunden werden. Was nicht einfach sei, „da wir gerne auch etwas anspruchsvollere Stücke spielen wollen und diese nicht auf die Schnelle zu finden sind“. Auf die aktuelle Kommödie, die personell zu dem vorhandenen Theater-Stamm passen musste, einigte sich die Gruppe einheitlich, über einen entsprechenden Theater-Verlag. „Vor vielen Jahren habe ich die Story mit dem anderen Titel ,Kohlenträger lügen nicht’ im Fernsehen gesehen. Da wusste ich, dass das ganz gut auf uns passen würde“, so Doetsch. (gsp)