Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Höllenpfad-Wanderung fällt aus

Das Foto zeigt die Höllenpfad-Wanderung im Jahr 2019.
Das Foto zeigt die Höllenpfad-Wanderung im Jahr 2019.

Die Nachricht überrascht nicht, trotzdem drückt sie auf die Stimmung: Auch in diesem Jahr wird es keine Weinbergswanderung „Höllenpfad“ am ersten Juni-Wochenende geben. Und auch der Weinwettstreit steht auf der Kippe.

Man hat sich ja mittlerweile an coronabedingte Absagen gewöhnt – und so sagt Gerhard Siebert, Vorsitzender der Bauern- und Winzerschaft Grünstadt-Sausenheim: „Auch wenn es allen schwer fällt, wir hatten keine Wahl.“ In der Pandemie sei eine Veranstaltung wie die Höllenpfad-Wanderung nicht möglich, die Tausende von Besuchern von nah und fern anlockt. Vielleicht könne es ein Programm im ganz kleinen Rahmen geben: Es sei angedacht, dass Betriebe kurze Wanderungen durch die Reben bieten, zu denen sich die Gäste vorher anmelden müssten. Aber es komme darauf an, wie sich die Zahlen entwickelten, meinte Siebert. Man müsse kurzfristig entscheiden.

Einnahmeverluste beträchtlich

Die Einnahmeverluste für die Winzer seien schon beträchtlich, nachdem sich die 5,5 Kilometer lange Rundtour durch die Weinberge seit 2004 im Festkalender der Pfalz gut etabliert hat und schon im Vorjahr abgesagt werden musste. Siebert schätzt, dass an den neun Stationen alljährlich, je nach Wetterlage, insgesamt so etwa 3000 bis 5000 Liter Wein verkauft wurden. Und mit den kulinarischen Angeboten lasse sich auch noch etwas verdienen.

Neben diesen Einbußen hätten Weingüter, die Gastronomie und Weinhandel zu ihren Kunden zählten, noch weitere Mindereinnahmen zu verkraften, da die Nachfrage aus diesem Sektor fast ganz fehle. Für seinen Betrieb, der 37 Hektar bewirtschaftet, beziffert Siebert den Verlust auf 15 bis 20 Prozent. Besser ständen jene Winzer da, die nur Endverbraucher belieferten, hier werde etwas mehr als vor der Pandemie abgesetzt.

Stadt hofft auf Besserung der Corona-Lage

Für den weiteren Verlauf der Weinfestsaison sieht Siebert auch schwarz. Er kann sich nicht vorstellen, dass zum Beispiel am vierten Juli-Wochenende der Grünstadter Weinwettstreit stattfindet. Er rechnet, dass auch dieser Termin, genau wie im Vorjahr, abgesagt wird. Noch gibt es aber keine Entscheidung der Stadt, da man bislang „auf eine Besserung der Corona-Lage“ gehofft hatte, wurde auf Nachfrage von der Verwaltung mitgeteilt. Wie es jetzt aussieht, wird der Termin demnächst aus dem Festkalender gestrichen. Schon vor ein paar Wochen hatte sich der Beigeordnete Hans Tisch (CDU), Vorsitzender des Ausschusses für den Weinwettstreit, pessimistisch geäußert und gesagt, dass er das Weinfest auf dem Luitpoldplatz nicht für machbar hält. Noch etwas Zeit will man sich im Stadthaus dagegen mit der Entscheidung lassen, ob die Weinkerwen in Asselheim und Sausenheim stattfinden können, nachdem 2020 eine coronabedingte Zwangspause angesagt war. In Asselheim wird traditionell am dritten Wochenende im August gefeiert, und die Sausenheimer Winzer laden einen Monat später in ihre Höfe ein. Es darf noch ein bisschen gehofft werden.

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