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„Ein Experiment“: Hämatom mit ihrer neuen deutschen Härte
»Ein Experiment«: Hämatom mit ihrer neuen deutschen Härte
Vergangenes Jahr ist das Festival nach zehn Jahren auf dem relativ engen, alten Albsheimer Sportplatz hinaufgesprungen auf den großen Stoppelacker und wieder erheblich größer geworden. Wie ist die Bilanz dieses Wagnisses? Cornelius Oster:

Grandios, das war die beste Entscheidung. Weil nämlich? Doreen Ismeier: Man hat sich wieder zu Hause gefühlt. Cornelius Oster: Das war wie Heimkommen. Benjamin Daniel: Ja! Cornelius Oster: Nach einer langen Reise. Benjamin Daniel: Das Publikum war begeistert. Cornelius Oster: Und auch die Vereinsmitglieder, die vorher eher skeptisch waren, waren überzeugt. Insofern war ohne Diskussion klar, dass wir so weitermachen. Nun kostet ein größeres Spiel auch mehr Geld … Benjamin Daniel: Das Finanzielle ist voll aufgegangen. Cornelius Oster: Wir haben auch lange gesessen und kalkuliert. Das war viel Knobelei im Vorlauf. Darf man fragen … Cornelius Oster: Man darf. 60.000 bis 62.000 Euro hat das Festival gekostet. Benjamin Daniel: Dieses Jahr wird’s noch mehr, etwa 70.000 Euro Bühnen- und Bandausgaben. Ohne unsere Sponsoren wäre das nicht zu machen. Cornelius Oster: Es ist wie überall: Die Preise steigen. Benjamin Daniel: Es wird immer doller. Manche Herrschaften spielen nicht auf kleinen Bühnen. Cornelius Oster: Mit 12 auf 10 Meter ist die Bühne daher jetzt nochmal größer geworden, und ich hoffe, dass wir dabei bleiben. Wie groß ist denn der Acker? Cornelius Oster: Das eigentliche Festivalgelände 6200 Quadratmeter. Doreen Ismeier: Und der Campingplatz mindestens noch mal so viel. Ihr wünscht euch wie viele Besucher? Benjamin Daniel: 2000! Aber das ist etwas übertrieben. 1500 wär super – dass wir die endlich mal knacken. Cornelius Oster: 1300 waren es letztes Jahr. Benjamin Daniel: Wir könnten das schaffen, allein dadurch, dass wir diesmal zwei Top-Ten-Alben-Bands im Programm haben: Hämatom war im Februar 18 auf Platz fünf, Kissin’ Dynamite vor ein paar Wochen auf Platz 7. Cornelius Oster: Das mediale Interesse ist diesmal sehr groß, Benjamin Daniel: Der Vorverkauf läuft unheimlich gut - Cornelius Oster: - und hat alles bisher Dagewesene übertroffen. Benjamin Daniel: 500 Wochenend-Tickets sind schon verkauft. Wie kommt ihr an die Bands? Benjamin Daniel: Übers Jahr haben wir im Postfach über 1000 Bewerbungen. In der Akropolis-Zeit auf dem Sportplatz ging viel über diese Bewerbungen, weil das Budget klein war. Die Bands, die sich bewerben, haben aber leider nicht die Qualität, die wir suchen. Das sind höchstens mal Füller. Das muss man überlegen: Was zieht Leute, was ist finanziell machbar? Auf die Bands geht man selber zu? Benjamin Daniel: Ja. Und es gibt Agenturen, die Passendes empfehlen. Geben die vielen Bewerbungen euch nicht die Chance, etwas zu entdecken, was wenig kostet, richtig gut ist und das noch keiner kennt? Benjamin Daniel: Wirklich selten. Wir hatten früher zwei Waschkörbe voll mit CDs, und dann hat der Bandausschuss sich in den Keller gesetzt und wirklich in jede reingehört. Das rentiert sich nicht. Doreen Ismeier: Der Bandausschuss besteht immer noch. Was macht der jetzt? Doreen Ismeier: Wir tauschen Empfehlungen aus: Ich hab auf einem Festival dies und das gehört … Benjamin Daniel: Die Musiker, die jetzt bei uns auftreten, sind alles Profis. Du kriegst irgendwann das Gespür, bei welcher Agentur du gucken musst. Das ist Erfahrung und Gefühl. Und dann müsst ihr die Musikrichtungen ausbalancieren … Benjamin Daniel: Es gibt Richtungen, wo wir wissen: die funktionieren, andere nicht. Du brauchst was Hardrockiges, das zieht, dann Mittelalter, Ska, Punkrock, Folk und zum Schluss Reggae. Und dann musst du ausbalancieren, welche Bands zur Verfügung stehen, wieviel Geld Du hast, und wie’s vom Ablauf zusammenpasst. Cornelius Oster: Das breite Spektrum bringt die Leute. Doreen Ismeier: Dieses Jahr sind wir mehr rocklastig. Cornelius Oster: Das hat sich so ergeben: Da hatten wir das Programm voll und es war kein Platz mehr für Reggae. Was hat denn der Erfolg auf dem großen Acker mit dem Verein gemacht? Cornelius Oster: Man hat einen leichten Ruck gemerkt: Wenn alle mit anpacken, klappt’s. Es wurden auch alte Strukturen reaktiviert: Bereichsleiter, die den Vorstand entlasten. Doreen Ismeier: Wir bräuchten mehr Manpower. Wie viele Aktive sind dabei? Cornelius Oster: Vielleicht 50, in der Aufbauwoche und auf dem Festival. Vereinsmitglieder gibt es rund 150. Doreen Ismeier: Viele sind halt inaktiv, haben früher geholfen, fördern jetzt finanziell. Benjamin Daniel: Das ist extrem wichtig. Cornelius Oster: Die haben auch die Erfahrung und können sagen: So auf keinen Fall! Apropos Erfahrung: Müsst ihr denn was anders machen als voriges Jahr? Cornelius Oster: Nur Kleinigkeiten! Kommen wir zum Programm … Benjamin Daniel: Hämatom ist so eine Art Experiment, weil wir diese Richtung noch nicht hatten: Deutschrock, neue deutsche Härte. Sie haben die spektakulärste Show – mit Pyro und Masken - und kommen schon morgens um acht, weil sie Stunden brauchen, um aufzubauen. Kissin’ Dynamite ist typischer 80er-Jahre-Hardrock, glamourös und mit langen Haaren. Wie früher, aber klanglich modernisiert. Die regionalste Band ist der Opener am Freitag, Megaton aus Heidelberg mit modernem Punk-Rock. Am Samstag gibt es eine Newcomer-Band, die uns Radio Regenbogen 2 schickt. In meinen Augen die geilste Band ist Paddy and the Rats, das ist rasanter Irish Folk aus Ungarn: mit Schmackes zum Humpenheben.

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