Altleiningen Glocken sollen bald am Friedhof Trost spenden
Schon lange wünschen sich die Altleininger in den hochemotionalen Momenten einer Bestattung zum letzten Geleit Glockengeläut. Bislang war dieses zumindest aus der Ferne von der protestantischen Kirche zu hören. Doch seit der Sanierung des Glockenstuhls ist von dem wunderschönen Klang am etwas abseits liegenden Friedhof kaum noch etwas wahrzunehmen. Pfarrer Julian Kraul erklärt den Sachverhalt: „Das hängt mit den neuen Linear-Motoren zusammen. Die bauen ein elektromagnetisches Feld auf, um die Glocken in Schwingungen zu versetzen. Erreicht es den Bereich, wo der Klöppel auf die Haube trifft, wird die Polarisation des Feldes umgekehrt. Und das wirkt wie eine Dämpfung.“ Der Klöppel werde quasi gebremst. „Wir schonen damit den Glockenstuhl, weil deutlich weniger Kräfte dort oben wirken“, so Kraul.
Früher habe man das Geläut bis weit ins Tal hinein hören können und auf dem Friedhof ebenfalls. Nun sei es aber extrem leise. Das sei sehr schade, denn Glocken spendeten Trost, betont der Geistliche. Das werde ihm bei Trauergesprächen immer wieder bestätigt. Insofern freue er sich sehr, dass der derzeitige Bürgermeister Benjamin Claus (FWG), der auch bei ihm im Presbyterium sitzt, etwas übrig habe für Glocken. Der Ortschef sammelt diese sogar, in seinem Haus und seinem Garten stehen schon etliche Exemplare. Bereits vor Jahren hatte er davon geträumt, das Geläut aus der profanierten Schlosskirche Heiliger Erzengel zu retten.
Katholische Glocken soll Gemeinde erhalten
Er wisse, dass der katholische Verwaltungsrat beschlossen habe, dass die vier Glocken nach der Entweihung des Gotteshauses an die Kommune übergeben werden sollen. „Sie waren 1963 in der Gießerei Friedrich Wilhelm Schilling in Heidelberg hergestellt worden – bezahlt durch Spenden der Altleininger Bürger“, erläutert er. Sie seien klanglich auf das Geläut der protestantischen Kirche abgestimmt. „Umso wichtiger ist es, dass das Gesamtensemble aus den sieben Glocken im Dorf erhalten bleibt“, betont Claus.
Die Idee: ein Gestell für zwei von ihnen zu bauen und es neben die Friedhofskapelle zu stellen. „Der Glockenträger soll aus Holz gefertigt werden und circa sechs Meter hoch sein“, erläutert Claus. Um die Gemeinde mit dieser Angelegenheit finanziell nicht zu belasten, möchte er das Projekt in Eigenleistung und mit Spenden umsetzen. Der 42-Jährige zählt dabei auf Unterstützung der ortsansässigen Handwerksbetriebe. Natürlich müssten ein Bauantrag eingereicht und die Statik berechnet werden.
Waldhexen helfen mit einem Drittel der Kosten
Benjamin Claus hofft, das Vorhaben noch im laufenden Jahr umsetzen zu können. Er rechnet mit Kosten von rund 15.000 Euro. Am Schmutzigen Donnerstag haben die Altleininger Waldhexen für das Vorhaben Geld gesammelt. Dabei ist die stolze Summe von 5103,96 Euro zusammengekommen. Laut Ruth Kröhler, einer der Oberhexen, hat es bisher erst einmal einen höheren Betrag gegeben: 5300 Euro im Jahr 2023. Die diesjährige Spende wurde an der Trauerhalle übergeben. Dafür hatte der Bürgermeister extra eine 60-Kilogramm-Glocke aus seinem privaten Fundus als Symbol für das Projekt mitgebracht.