Eisenberg
Generationenwechsel: Diese Familie hat Spaß an Steuern
Für viele Menschen ist die jährliche Steuererklärung in etwa so angstbehaftet wie eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Die Familie Emslander kann das nicht verstehen. Von Vater Thomas (70) über die Töchter Isabel (37) und Leila (33) bis hin zu Mutter Gabriela (64) sind sie alle verrückt nach Steuern. Angefangen hat alles mit Thomas Emsländer, der seine Kanzlei 1985 gründete. 40 Jahre nach der Gründung geht Emslander nun zum Jahresende in den Ruhestand und übergibt sein Lebenswerk an die beiden Töchter.
Angefangen hat Thomas Emslander als Rechtsanwalt, die Kanzlei gründet er zusammen mit einem Anwaltskollegen. „Irgendwann haben die Mandanten gefragt, ob wir ihnen auch bei ihren Steuern helfen können“, erinnert er sich. Also lässt er sich zusätzlich zum Steuerberater ausbilden. Emslander drückt jeden Freitagabend die Schulbank, wochenends und an Feiertagen lernt er für die Prüfung. Ohne Ehefrau Gabriela, die sich um die Mädchen und alles andere kümmerte, wäre das nicht gegangen, sagt er. Die Anstrengungen lohnen sich jedenfalls: Ab März 1993 darf Emslander offiziell als Steuerberater arbeiten, später spezialisiert er sich noch auf Familienrecht. 2000 beginnt der Bau des Kanzleigebäudes im neuen Gewerbegebiet der Stadt Eisenberg, in dem die Kanzlei auch heute noch ihren Sitz hat.
Verstaubtes Image
Seine Töchter schließen beide zunächst die Ausbildung zur Steuerfachangestellten ab, absolvieren dann ein Bachelorstudium im Steuerrecht und machen schließlich die Steuerberater-Prüfung. Dass beide ihrem Vater in die Steuerbranche folgten, freut Thomas Emslander. „Aber gewundert haben wir uns schon“, sagt Mutter Gabriela und lacht.
Sie seien schon als Kinder in der Kanzlei ein- und ausgegangen und hätten viel vom Beruf ihres Vaters mitbekommen, sagt Isabel Emslander. „Mein Steuerherz hat schon früh angefangen zu schlagen.“ Ihre Schwester Leila liebt den Job ebenfalls: „Mir macht es Spaß, den Mandanten rauszuholen, wenn er im Nebel steht.“
Der Beruf habe völlig zu Unrecht ein verstaubtes Image, findet Isabel Emslander: „Die Leute stellen sich einen Steuerberater als jemanden vor, der eine Hornbrille trägt und in einem dunklen Keller zwischen Papierstapeln sitzt.“ Das sei aber längst überholt.
Branche im Wandel
Die Digitalisierung habe die Arbeit in der Steuerbranche grundlegend verändert. „Früher haben die Mandanten ihre ganzen Belege in einen Schuhkarton gestopft und zum Steuerberater gebracht“, erzählt Isabel Emslander. Damals hätten vor allem die Zahlen und die Bearbeitung der Steuererklärung im Vordergrund gestanden. Steuerberater trugen die Daten handschriftlich in dicke Bücher ein, die sogenannten Journale.
Heute laufe vieles anders. Durch die Digitalisierung seien die Belege viel schneller verfügbar und die Bearbeitung gehe zügiger vonstatten. „Der Steuerberater hat sich vom reinen Zahlenprüfer zum Berater und Strategen gewandelt“, sagt Leila Emslander. Doch mit der Effizienzsteigerung kamen neue Herausforderungen. „Durch die Globalisierung und die Pandemie ist alles komplizierter geworden. Es gibt viel mehr Gesetze, die es zu beachten gilt“, erklärt die junge Steuerberaterin.
Während früher nur wenige Unternehmen international tätig waren, ist dies heute fast die Regel. Die Pandemie brachte zusätzliche Belastungen mit sich. „Die Branche wurde regelrecht überflutet“, erinnert sich Leila Emslander. Überbrückungshilfen, Kurzarbeitergeld und existenzielle Fragen bestimmten den Berufsalltag der Steuerberater. „Wir waren in dieser Zeit Krisenmanager. Die Telefone standen nicht mehr still.“
Wegen der Pandemie hat sich die Digitalisierung weiter beschleunigt. Gleichzeitig schweißte die gemeinsame Arbeit in dieser schwierigen Zeit Steuerberater und Mandanten enger zusammen, finden die Emslanders.
Ohnmachtsanfälle
In all den Jahren erlebe man auch mal absurde Situationen. So erinnert sich Thomas Emslander an eine Ärztin, die in Ohnmacht fiel, als sie von ihrer Steuernachzahlung erfuhr: „Sie ist einfach umgekippt.“ Immer wieder erleben die Emslanders auch dramatische Scheidungs- und Familiengeschichten, vor allem dann, wenn Unternehmen aufgeteilt werden müssen. Sie hätten auch schon mal einen Mandanten gehabt, dessen Ehefrau sich mit dem Kind ins Ausland absetzte und einen Mann, der sich mehrfach scheiden ließ. Langweilig wird es also nie.
Thomas Emslander ist stolz, dass er sein Lebenswerk an seine Töchter weitergeben kann. Dass die beiden die Mandanten bereits kennen sei ein großes Plus. Da Leila und Isabel Emslander keine Anwältinnen sind, wird der Fokus der Kanzlei künftig nur auf Steuern liegen.
Versauern werde er in der Rente sicher nicht, sagt er. Die drei Enkel und der Garten hielten ihn auf Trab, außerdem sammele er Gitarren und wolle wieder mehr Sport machen.