Grünstadt
Feuerwehrmann stirbt zwei Jahre nach tragischem Einsatz: So trauert die Familie
Am Vormittag seines Schicksalstags im August 2023 ist Frank Griebe noch mit Frau und Kindern unterwegs: Fahrradkauf für den jüngsten Sohn. Als er dann wieder zu Hause ist, zieht ein Gewitter auf. Ein Donnerschlag lässt den Feuerwehrmann schon erahnen, dass demnächst sein Alarm-Piepser losgeht. Und so kommt es tatsächlich: Die Truppe muss nach Sausenheim, Schwelbrand nach Blitzeinschlag. Gelöscht ist das Feuer schon nach wenigen Minuten. Doch davon wird der Ehrenamtliche im Rang eines Oberbrandmeisters später nichts mehr wissen.
Seine Erinnerungen reichen nur bis zur Ankunft am Gerätehaus. Was danach passiert ist, haben andere Wehrleute ihm und seiner Frau später erzählen müssen. Demnach, berichtet Sonja Griebe, wollte ihr Mann nach dem Ende der eigentlichen Löscharbeiten hinauf zum Brandherd im Dachgeschoss des Einfamilienhauses: nachsehen, ob er dort noch gebraucht wird. Aber unterwegs brach der damals 59-Jährige urplötzlich zusammen. Kameraden fanden ihn leblos auf der Treppe, reanimierten ihn und retteten ihm so das Leben – einstweilen.
45 Jahre in der Feuerwehr
Denn nun, knapp zwei Jahre später und wenige Wochen nach seinem 61. Geburtstag, haben sie ihn zu Grabe tragen müssen. Der Vater dreier Kinder ist am 7. Juli gestorben. Beisetzen lassen hat ihn seine Familie auf dem Friedhof in Asselheim. In diesem Grünstadter Ortsteil ist Frank Griebe aufgewachsen. Eigentlich, erzählt seine Tochter Mara, hätte er dort ins Grab seiner Oma gewollt. Aber das ist vor ein paar Jahren abgeräumt worden. Immerhin: „Er liegt dort in der Nähe“, sagt die 19-Jährige. „Und in der Nähe der Mauer, die Ecke hat ihm gefallen. Er hat da jetzt einen schönen Platz.“
Bei der Beisetzung mit mehreren Hundert Trauergästen hat Grünstadts Bürgermeister Klaus Wagner Frank Griebes Feuerwehr-Engagement gewürdigt. Stolze 45 Jahre lang hat er sich bei der Truppe eingebracht – vor allem mit seinem technischen Sachverstand, etwa als für die Atemschutz-Ausrüstung verantwortlicher Gerätewart. Und als Ausbilder auf Kreis-Ebene, sein 17-jähriger Sohn Tobias erzählt: „So war er auch daheim. Er hat uns gerade handwerklich immer viel gezeigt.“ Sein Berufsweg führte ihn dann ebenfalls in diese Richtung.
Lastwagenfahrer bei der Lebenshilfe
Nachdem der gelernte Modellbauer jahrelang Betonmischer gefahren war, heuerte er als Lastwagenfahrer bei der Lebenshilfe in Bad Dürkheim an. Seine Witwe sagt: „Die Arbeit mit den beeinträchtigten Menschen dort hat ihm wahnsinnig viel Spaß gemacht.“ Umso härter traf ihn, dass er nach seinem Kollaps keine Lastwagen mehr fahren durfte. Tochter Mara beschreibt ihn als jemanden, der früher „immer einen flotten Spruch auf den Lippen“ hatte. Und ihre Mutter ergänzt: „Da war auch mal ein bisschen schwarzer Humor dabei. Aber am Ende war er fast depressiv.“
Dank Kameraden-Reanimation und schneller Notarzt-Versorgung war er im Sommer 2023 zwar am Leben geblieben, hatte Herz- und Atemstillstand sogar ohne Hirnschäden überstanden. Aber zunächst lag er im Koma. Aus dem erwachte er erst, als ihm seine Frau eine Aufnahme mit dem Bellen des Familienhunds vorspielte. Danach musste er wochenlang mühevoll wieder lernen, alleine zu laufen, sich zu waschen oder auf die Toilette zu gehen. Sonja Griebe sagt: „Das lief eigentlich sogar überraschend gut, er hat dann eine Reha-Stufe übersprungen.“
Sepsis und Lungenentzündung
Schließlich konnte sie als gelernte Krankenschwester mit einschlägiger Berufserfahrung auch privat mit ihm viel trainieren. Aber ihr Mann musste sich trotzdem nach und nach damit abfinden, dass er nicht wieder würde arbeiten können. Die Witwe erzählt: „Er hat das selbst lange nicht eingesehen. Aber als er dann mal einen ganzen Samstag lang Feuerwehr-Ausbildung gemacht hat, war er völlig fertig.“ Dazu kamen immer wieder neue Rückschläge, etwa eine Sepsis. Und Anfang 2025 wurde bei Frank Griebe aus einem Infekt prompt eine Lungenentzündung.
Außerdem mussten die Ärzte wegen der Komplikationen einen implantierten Herzschrittmacher mit Defibrillator-Funktion wieder entfernen. Aber aufgegeben hatten sie den 61-Jährigen nicht: Demnächst hätte er einen Termin gehabt, bei dem das weitere medizinische Vorgehen erkundet werden sollte. Stattdessen bekam seine Frau am Abend des 7. Juli einen Anruf ihres jüngsten Sohns. Tobias war gegen 17.30 Uhr nach Hause gekommen, hatte seinen Vater leblos auf dem Wohnzimmer-Boden gefunden, mit der Wiederbelebung begonnen und den Notarzt gerufen.
Unterlagen für den Totenschein
Sonja Griebe fuhr daraufhin vom Bad Dürkheimer Arbeitsplatz aus nach Grünstadt, hatte unterwegs noch einen kleinen Auffahrunfall. Doch als sie zu Hause ankam, war ihr Mann tot. Aber sie musste funktionieren: Versicherungskarte finden, für die Totenschein-Diagnose Krankenunterlagen heraussuchen, einen Bestatter informieren. Und der Tochter sowie dem ältesten Sohn sagen, was gerade passiert ist. Der 20-jährige Jonas ist angehender Polizist, studiert an der rheinland-pfälzischen Polizeihochschule am Hunsrück-Flughafen auf dem Hahn.
Damit er in der Schock-Situation selbst die weite Strecke nicht fahren musste, brachte ihn ein Kollege noch am Abend nach Grünstadt. Dass sein Vater nun gestorben war, hatte Jonas ebenso überraschend getroffen wie seine Geschwister und die Mutter. Auch Frank Griebes Kollaps zwei Jahre zuvor war für die Familie aus dem Nichts gekommen. Sonja Griebe sagt: Ihr Mann hatte Diabetes und etwas Bluthochdruck. Aber er war kurz vorher noch bei einem gründlichen Gesundheits-Check gewesen. Ergebnis: Kein Grund zur Besorgnis, im Grunde ist alles in Ordnung.
Ohne konkrete Diagnose geblieben
Und so gibt es bis heute auch keine eindeutige Erklärung dafür, warum während des Sausenheimer Schwelbrand-Einsatzes im August 2023 sein Herz plötzlich stehengeblieben war. „Die Ärzte haben nichts Konkretes gefunden, es war auch kein Infarkt“, berichtet die 47-Jährige. Dass ihr Mann vor zwei Jahren so urplötzlich zusammengebrochen war, lasse sich daher nur ganz allgemein auf eine unglückliche Verkettung verschiedener Faktoren zurückzuführen. Und dass er damals überlebt habe, sei schon fast ein Wunder gewesen.
„Wir haben noch einmal knapp zwei Jahre mit ihm geschenkt bekommen“, sagt die Witwe lächelnd. Um mit zitternder Stimme hinzufügen: „Wir hatten halt gedacht, es wäre noch etwas mehr.“ Ein wenig Trost findet sie in einer Gewissheit: Ihr Mann hätte nicht noch einmal so hilflos sein wollen wie in den Monaten nach seinem Kollaps. Weshalb ein plötzlicher Tod nach erneutem Herzstillstand für ihn wohl besser war als eine lange Gebrechlichkeitsphase. Tochter Mara bekräftigt: „Ja, von daher ist es gut so, wie es gekommen ist.“ Und noch einer kurzen Pause ergänzt sie: „Aber trotzdem ist es schlimm.“