HINTERGRUND RHEINPFALZ Plus Artikel Faszination Zughundesport: „Wir werden zu einer Einheit“

Carsten Keller und Caia beim Vucanicross. Beide sind ein eingespieltes Team und laufen viele Rennen.
Carsten Keller und Caia beim Vucanicross. Beide sind ein eingespieltes Team und laufen viele Rennen.

Wer gemeinsam mit seinem Hund eine sportliche Herausforderung sucht, für den könnte Zughundesport etwas sein. Zwei Sportler der Pfalzpfoten-Musher aus Frankenthal erzählen, wie sie trainieren, und warum es besonders auf Kopfarbeit ankommt.

Am Freitagabend, wenn Carsten Keller seine Sachen packt, wächst bei Caia schon die Vorfreude. Caia, mittelgroße Windhündin, steckt dann voller Tatendrang. Die beiden brechen zu ihrem nächsten Rennen auf. Carsten Keller und Caia sind ein eingespieltes Team beim Zughundesport. Was hier passiert, steckt schon im Namen. Hund und Mensch rennen gemeinsam, das Tier läuft vorneweg und zieht Herrchen oder Frauchen mit.

Für Keller und Caia ging es zuletzt in die Eifel zum sogenannten „Vulcanicross.“ Keller beschreibt sich als sportverrückten Typ, spielte lange leistungsmäßig Handball und nahm schon an Megamärschen über 50 und 100 Kilometer teil. Vor sechs Jahren gab er Hündin Caia ein Zuhause, seit vier Jahren betreiben beide das sogenannte Canicross, das Laufen mit Hund an der Zugleine. „Ach, komm, das machst du mal mit“, habe er sich damals gesagt, als er über einen Bekannten auf die Pfalzpfoten-Musher in Frankenthal, einen Zughundesportverein, aufmerksam wurde. Vor seinem ersten Lauf, ebenfalls beim Vulcanicross, trainierte er einmal gemeinsam mit Vereinsmitgliedern. Inzwischen hat Keller schon eine ganze Reihe verschiedener Rennen hinter sich, war deutscher Vizemeister in seiner Altersklasse und lief bei der Europameisterschaft.

Einfach laufen

„Im Prinzip läuft man einfach“, sagt er über den Zughundesport. Ganz so einfach ist es natürlich nicht. „Der Hund muss auf Kommandos hören und im Kopf stabil sein“, erzählt er. Denn körperliche Anstrengung sei das eine, Vieles laufe beim Rennen gemeinsam mit den Vierbeinern aber auch über Kopfarbeit. Viel körperliches Training braucht die Hündin nicht, Caia ist auf jeden Fall fit. Um da mitzuhalten, geht Keller viermal die Woche trainieren, nimmt Caia nur einmal auf einen Intervalllauf mit und geht ansonsten ganz normal mit ihr spazieren. Mit dabei auf den Runden ist auch Caias „Schwester“ Juni, die ebenfalls bald in den Hundesport einsteigen soll. „Im Training macht sie sich schon super“, lobt Keller. Während der Rennen kann er zwar immer nur mit einer der beiden Hündinnen gleichzeitig laufen, aber so können sich beide eben abwechseln.

Canicross ist ein zeitintensives Hobby. „Für jedes Rennen plane ich Freitag bis Sonntag ein“, erklärt Keller, der sich vor einigen Jahren zum Musher, also zum Schlittenhundeführer weiterbildete und die Verbandslizenz hat. In der Woche vor den Rennen merke man Caia nichts an, doch freitags beobachte sie genau, wenn die Ausrüstung in Richtung Auto wandert und freue sich.

Der Vulcanicross im hessischen Schotten war das letzte Rennen der Saison. Es zählt zu den größten Zughunderennen in Europa. Ausgetragen wurde es vom Schlittenhundeverein SCV Hessenhounds. „Das Rennen gehört jedes Jahr zu den Highlights, da der Trail technisch sehr anspruchsvoll und abwechslungsreich ist“, erklärt Rabea Magin, Pressebeauftragte der Pfalzpfoten-Musher, bei denen auch Keller Mitglied ist. „Es geht über unzählige Wurzeln und Steine und die knackigen Anstiege verlangen Mensch und Hund einiges an Fitness und Konzentration ab“, erzählt sie. Es habe noch etwas Schnee gelegen, der dann dank viel Sonne geschmolzen sei, daher sei der Trail diesmal besonders matschig und rutschig gewesen. Das habe leider auch zu ein paar Stürzen geführt. „Aber Prellungen und blaue Flecke gehören eben auch zum Leben eines Sportlers dazu“, ergänzt sie. Für die Pfalzpfoten-Musher war es ein erfolgreicher Saisonabschluss. Carsten Keller und Caia landeten in der Disziplin Canicross in ihrer Altersklasse Master 1 auf Rang sechs.

Aufs Treppchen

In der Disziplin Scooter mit Hund (Master 2) schafften es gleich drei Vereinsmitglieder aufs Treppchen: Erster wurde Stefan Veit mit Jimmie Blue. Über den zweiten Platz freuten sich Werner Kloster mit Figo und bei den Damen Antje Bretzer mit Baily. Marco Magin (Master 1) kam mit Sherlock auf den sechsten Platz. Elisabeth Dasch lief bei den Senioren ihre bisher schnellste Zeit und belegte mit Molly den 13. Platz. Janina Bergner kam bei ihrem ersten Rennen in derselben Altersklasse mit Ella auf den 15. Platz.

Laufen mit Hund – das ist nicht nur für Windhunde geeignet. Ob Australian Shepherd, Golden Retriever oder Schäferhund: „Zughundesport eignet sich dank unterschiedlicher Disziplinen nicht nur für Schlittenhunde wie Huskys, sondern für alle Hunderassen, die Spaß an Bewegung haben“, erklärt Magin. 15 Monate müssen die Tiere allerdings mindestens sein, um bei Rennen im Canicross starten zu dürfen. „18 Monate sind es bei Dogscooter und Bikejöring“, erklärt sie. Das sind zwei der anderen Disziplinen, bei denen der Hund entweder vor den Scooter oder vor ein Fahrrad gespannt wird.

Darin sind Ines Leonhardt und ihre Gwendolyn zuhause. Gwendolyn ist ein Scandinavian Hound. Mit dieser Rasse gehen die meisten Starter ins Rennen. Leonhardt kam über ihre Zeit in Kanada zum Zughundesport, arbeitete dort mit Schlittenhunden. „Wenn man das einmal gemacht hat, will man immer wieder“, erzählt sie. In Deutschland ist das natürlich so eine Sache mit Schnee und Schlitten, also schwenkte sie auf Zughundesport um. „Gwendolyn ist mit elf Wochen bei mir eingezogen“, erzählt sie. Seit November 2021 ist sie bei den Pfalzpfoten und mit Gwendolyn und ihrem Fahrrad auf Rennen unterwegs. „Man muss schon körperlich fit sein“, verrät die Athletin. Gerade, wenn es über unebenes Gelände bergauf gehe, sei das schon anspruchsvoll. „Gwendolyn dreht sich dann auch mal um und schaut mich fragend an, wenn es nicht so schnell weitergeht“, sagt Leonhardt lachend. Sehr willensstark sei ihre Hündin, „ein super Zughund“. Im Rennen verschmelzen beide miteinander, werden zu einer Einheit. „Man muss sich schon aufeinander verlassen können. Es geht ja auch bergab oder über Wurzeln.“ Beim Vulcanicross landete das Duo auf Rang fünf, ihre Teamkollegen Falk von Pidol mit Freddy und Stefan Veit mit Bud landeten in der Klasse Master zwei auf den Plätzen vier und sechs.

Es war das letzte Rennen der Saison für die 38-Jährige und ihre Zughündin. Schon bald wird es zu warm sein, um zu trainieren. Solange ist das Gespann aber noch auf dem Fahrrad unterwegs. „Trainiert wird auch mal mit dem Scooter“, erzählt sie. Doch egal wie: Keller und Leonhardt erzählen beide, dass die Bindung zwischen Tier und Mensch durch den gemeinsamen Sport viel intensiver werde.

Ines Leonhardt und Gwendolyn sind seit November 2021 bei den Frankenthaler Pfalzpfoten-Mushern.
Ines Leonhardt und Gwendolyn sind seit November 2021 bei den Frankenthaler Pfalzpfoten-Mushern.
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