Kreis DÜW
„Explosive Entwicklung“: So verändert sich die Pfälzische Musikschule
Eine Steigerung der Schüleranzahl um fast 75 Prozent in nur 15 Monaten – das ist schon eine beachtliche Leistung. Gelungen ist das der neuen Leiterin der Pfälzischen Musikschule (PMS), die in Carlsberg ihre Geschäftsstelle hat: Elena Glusk, vormals Gerasimova. Die aus St. Petersburg stammende Opernsängerin und Gesangspädagogin, seit 2002 festes Ensemblemitglied am Pfalztheater Kaiserslautern, hat sich das Ziel gesetzt, die als Verein mit aktuell rund 40 Mitgliedern organisierte Einrichtung bekannter zu machen.
Als sie sich am 1. September 2024 als Nachfolgerin des Pianisten Randolf Stöck auf den Chefsessel setzte, gab es nur noch 160 Schüler an der PMS. Das war die Folge der Corona-Pandemie sowie der sich ausweitenden Ganztagsschulen, die den Kindern die Chance nehmen, nachmittags anderen Aktivitäten nachzugehen. Ende Dezember waren es schon 219 Schüler und aktuell sind es 275. PMS-Gründer Klaus-Jürgen Kucks spricht von einer „explosiven Entwicklung“. Vor allem bei den vier Kinderchören an den Grundschulen Altleiningen und Carlsberg sowie Kirchheim-Kleinkarlbach lasse sich das ablesen. Sie befänden sich im Aufbau und umfassten aktuell 44 Erst- bis Viertklässler. Es sei angestrebt, solche Chöre auch an den Grundschulen in Hettenleidelheim und Wattenheim zu gründen, so Kucks.
Neue Chorleiterinnen
„Die Teilnahme ist für die Kinder kostenlos“, betont Glusk. Inzwischen habe die PMS neben ihr zwei weitere studierte Lehrkräfte für das Chordirigat mit Klavierbegleitung eingestellt. Die eine ist eine alte Bekannte, nämlich Marina Ciepieniak, die sich vorübergehend zurückgezogen hatte, um mehr Zeit für andere Kulturprojekte zu haben. Die zweite, Christa Wanke, kam neu dazu. „Schon in den Kitas wird auf die Chöre aufmerksam gemacht, die man zunächst auch mal für ein paar Schnupperstunden besuchen kann“, erläutert die Musikschulleiterin. Kucks hebt hervor, dass dadurch auch die Verbindung zwischen Kindergärten und Grundschulen verstärkt wird.
Zurzeit sei die PMS, die kein eigenes Schulgebäude hat, zum Elementarunterricht an den Kitas „Kinderkiste“ und „Spatzennest“ in Carlsberg, an der „Schatzinsel“ in Altleiningen sowie an der Kita St. Nikolaus in Neuleiningen. Anfang Dezember sind laut Glusk noch zwei Frühförderkurse für Winzlinge zwischen drei und 15 Monaten in Carlsberg und Hettenleidelheim gestartet. „Die Bewegung zur Musik tut den Kleinen gut. Die Teilnehmer werden offener, freundlicher und motivierter“, erläutert die Schulleiterin, die allen Jungen und Mädchen den Weg in die Klangwelten ebnen möchte. „Musik macht glücklich, hat nachweislich einen positiven Einfluss aufs Gehirn, fördert die Konzentrationsfähigkeit und hilft, Stress abzubauen.“
Klavier wird am meisten nachgefragt
Neuerdings wird an der Grundschule Altleiningen auch Klavier unterrichtet und im Kirchheimer Schulhaus Querflöte. Die beiden Instrumente seien auch diejenigen, die die Erwachsenen – rund zehn bis 15 Prozent aller Schüler der PMS – bevorzugen. Klavier erfahre neben Gitarre und Schlagzeug die höchste Nachfrage. „Wir haben zwei hoch qualifizierte Pianisten gewinnen können: einen Koreaner und eine Japanerin“, erzählt Glusk. Insgesamt seien seit 1. September 2024 zwei Lehrkräfte ausgeschieden, aber sechs dazugekommen, so die 55-Jährige, die ihren Schülern auch die Chance gibt, das Erlernte bei Konzerten zu präsentieren.
Kucks erinnert sich an eine Darbietung Ende September im ausverkauften Altleininger Gemeindesaal, bei dem das Publikum vor Begeisterung getobt habe. Manchmal ist die Organisation solcher Aufführungen nicht so einfach, wie Glusk schmunzelnd berichtet: „Unser Auftritt im Advent hat terminlich nicht geklappt, weswegen ich ein Neujahrskonzert geplant hatte. Aber weil die Karnevalssaison diesmal so kurz ist, gab es keinen Raum.“ Nun hoffe sie auf ein Vorspiel im Frühjahr „in Richtung Ostern“.
VG gibt großen Zuschuss
Schaut man in die Entgeltordnung, so offenbart sich, dass eine Unterrichtseinheit deutlich günstiger ist als bei der direkten Konkurrenz in der Region. Geschäftsführer Christian Kucks informiert über die Finanzierung der PMS: Alljährlich kämen 30.550 Euro von der Verbandsgemeinde Leiningerland. Die Unterstützung des Landesverbandes der Musikschulen orientiere sich an der Höhe der Personalkosten und betrage aktuell 11.998 Euro. Dazu addieren sich Mitgliedsbeiträge, Mieten für das Ausleihen von Instrumenten sowie Spenden – im laufenden Jahr gab es sogar 5000 Euro von der Kreisstiftung aus Bad Dürkheim für die Anschaffung eines Klaviers in Carlsberg.
Von der VG Freinsheim werde es keine verbindlichen und somit planbaren Zuschüsse geben. Insofern sei ein Fortführen des Engagements in dem Bereich nicht mehr erfolgversprechend, so der bei den Vorstandswahlen im Amt bestätigte Vereinsvorsitzende Michael Menke. Jochen Schwan sei somit als Leiter der Freinsheimer Musikschule zum 31. Oktober ausgeschieden und nun neu Beisitzer. Die im Sommer 2023 aufgelöste Musikschule Freinsheim sollte ursprünglich unter dem Dach der PMS neu aufgebaut werden. Das kann so nicht gelingen. Gänzlich ohne musikalische Bildung müssen Jung und Alt in der VG dennoch nicht auskommen. Menke: „Uns stehen Räumlichkeiten und Teile des Inventars der aufgelösten Schule für Unterricht zur Verfügung.“
Vorstand
Vorsitzender Michael Menke, Stellvertreter Frank Bernd, Schatzmeisterin Ronja Gilcher, Beisitzer Jochen Schwan. Der Bürgermeister der VG Leiningerland bleibt satzungsgemäß und Kraft seines Amtes im Vorstand. Revisoren sind weiterhin Wolfgang Berg und Christian Rüdiger.