Carlsberg RHEINPFALZ Plus Artikel Evangelische Kirche muss saniert werden

Das Dach der Kirche muss dringend saniert werden.
Das Dach der Kirche muss dringend saniert werden.
Auch die Fenster haben eine Sanierung nötig.
Auch die Fenster haben eine Sanierung nötig.

Auf den ersten Blick vermittelt die evangelische Kirche in Carlsberg einenguten Eindruck. Hier lassen sich schöne Gottesdienste feiern. Vom Investitionsstau merkt man zunächst nichts. Doch steter Tropfen höhlt den Stein – und das Holz.

Das große Holzportal klemmt. Als halte die Kirche die Eingangstür zu, um nicht zeigen zu müssen, wo der Zahn der Zeit schon an ihr genagt hat. „Das ist nur ein kleines Problem“, sagt Pfarrer Jean-Christoph de Araujo beim Aufschließen. Gern denkt er an seine Ordinationsfeier, die hier mit rund 300 Menschen stattgefunden hat. Er deutet auf einen hässlichen weißen Fleck knapp unterhalb der Decke an der südlichen Längsseite des Kirchenschiffs. „Da sind einfach ein paar Brocken Putz heruntergefallen, wie schon vorher an anderen Stellen“, erklärt er die deutlichen Spuren einer provisorischen Reparatur, bei der weder Rücksicht auf den richtigen Farbton der Wand noch auf die Unversehrtheit der in Braun abgesetzten Bordüre genommen wurde.

In dieser Zierleiste hat sich auf der gegenüberliegenden Seite über der Empore auch Verputz gelöst. Das Material wird sich irgendwann ebenfalls nicht mehr an seinem Platz halten können. Die Decke des „Carlsberger Doms“, wie de Araujo den 1864 eingeweihten Sakralbau liebevoll nennt, ist durchzogen von mehr oder weniger feinen Rissen. 2010 habe man erkannt, dass es ein Feuchtigkeitsproblem gebe, erzählt er. Das Dach ist undicht. Im Mai des Jahres ist die Kirche dann wegen angeblicher Einsturzgefahr bis zum ersten Advent gesperrt worden. „Für etwa 12.000 Euro wurden einige Dachbalken ersetzt“, so der Pastor. Sechs Jahre später sind beim Sturmtief Ruzica einige Ziegel vom Dach der Apsis gefegt worden. Wieder mussten ein paar Tausend Euro ausgegeben werden.

Keine Zuschüsse aus Speyer

Letztendlich wird nur geflickt, nicht gründlich instandgesetzt. Über die Jahre entsteht ein Investitionsstau, der bauliche Zustand verschlechtert sich zusehends. Seit 2011 verschärft sich diese Situation. Damals hat die Evangelische Kirche der Pfalz das „Programm zur nachhaltigen Gemeindeentwicklung“ aufgelegt. Was zunächst gut klingt, bedeutet, dass aus Speyer künftig keine Zuschüsse mehr für die Sanierung kirchlicher Immobilien fließen. Vielmehr erhalten die Gemeinden Bedarfszuweisungen. „Für unsere Pfarrei sind das 10.000 Euro im Jahr. Darüber hinaus müssen wir aus Kirchensteuereinnahmen Instandhaltungsrücklagen von rund 7000 Euro bilden, von denen aber laufende Ausgaben, etwa für die Wartung der Orgel und der Glocken, abgehen“, berichtet der 39-Jährige.

Von diesen spärlichen Finanzmitteln ließen sich die gemeindeeigenen Gebäude nicht erhalten. Sich von ihnen zu trennen, sei für viele keine Option. „Kirchturm ist Heimat und mit großen Emotionen verbunden“, erläutert de Araujo. In der Pfarrstelle Carlsberg-Hertlingshausen, die auch Altleiningen mit dem Ortsteil Höningen umfasst, hat er acht Immobilien zu betreuen: vier Kirchen und je zwei Pfarr- und Gemeindehäuser. „Als ich mein Amt am 1. März 2018 antrat, war es mir wichtig, den Sanierungsbedarf überprüfen zu lassen“, sagt er. Jetzt weiß er zum Beispiel: Mit 45.000 bis 60.000 Euro würde die Erneuerung der Heizung im Gemeindehaus in der Gartenstraße zu Buche schlagen. Wann die aus den 1960ern stammende, kaum mehr funktionierende Anlage ausgetauscht werden kann, steht jedoch in den Sternen. Für etwa 13.000 Euro ist kürzlich das Jakobskirchlein in Höningen renoviert worden – was nur dank Spenden möglich war.

Auf freiwillige Zuwendungen wird man sich auch bei der Instandsetzung der Carlsberger Kirche stützen müssen: Rund eine Viertelmillion Euro sind nach einer Kostenschätzung des Grünstadter Architekten Matthias Dichtl für den Erhalt des Bestandes auszugeben. „Wir haben bestenfalls 40.000 Euro angespart“, informiert der Pfarrer und die Coronakrise mache das Sammeln von Spenden nicht einfacher. Insofern wäre es gut, das Vorhaben in Bauabschnitte zu gliedern und mit dem Dringlichsten zu beginnen: der Sanierung des Daches. Das fängt mit der fachgerechten Entsorgung von gesundheitsschädlicher Dämmwolle für 17.500 Euro an. Die Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten werden noch einmal 67.000 Euro verschlingen. Mit Baunebenkosten und Umsatzsteuer summiert sich das bereits auf mehr als 120.000 Euro. Bislang regnet es nur ein wenig in den Dachstuhl hinein, das Gotteshaus ist laut einem Gutachter der Landeskirche noch verkehrssicher. Die Balken faulen also nicht akut vor sich hin. Aber die steten Tropfen werden irgendwann ihre Wirkung zeigen.

SPENDENKONTO

Protestantischer Verwaltungszweckverband Grünstadt, IBAN: DE71 5465 1240 0010 0029 39 bei der Sparkasse Rhein-Haardt. Verwendungszweck: Evangelische Kirche Carlsberg; bei Nennung der Adresse wird ab einer Zuwendung in Höhe von 20 Euro eine Spendenquittung zugesandt.
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