Grünstadt „Es hot sich im Dorf viel z’sommegebraut“

Battenberg ist schon ein besonderer Ort: Am Sonntag hat es dort zum ersten Mal seit 54 Jahren einen Kerweumzug gegeben. Dieser bestand – ein absolutes Novum in der Region – ausschließlich aus Zugnummern Einheimischer.
Organisiert wurde er aufgrund einer privaten Initiative, maßgeblich von Peter Dehio vom Herrenstammtisch. Zünftig in Frack und Zylinder setzte er dem bunten Treiben am Ende die Krone auf. Am Dorfgemeinschaftshaus verlas Dehio seine selbst gedichtete Kerweredd. „Seit de letzschde Kerb hot sich im Dorf viel z′sommegebraut“, wies er darauf hin, dass „Battenberg in Grinstadt, Derkem un Neistadt Ämter und Jurischte beschäftigt“. Vom „Zoff im Gemeenderod“ habe der „allde Ortsbujemäschter, de Jirgen Schraut, die Nos voll“ gehabt. „Rescht hodder – mehr lossen jetzt de Jingere droh“, verkündete Dehio. „Die Jingste is a ganz schlaui, sie hot auch schdudiert. Beim Kritisiere vum Chef issee fronk un frei, un passt mit ere Kamera immer uff, dass nix passiert.“ Unter Beifall hielt der Redner dem Dorfparlament vor, dass es sich am liebsten in der nichtöffentlichen Beratung verstecke. Manche Leute störten sich an „de Gäul vun do obben“, andere regten sich über die Lastwagen auf, „die sich in unser Hauptstroß vererre. Jeder hot a Auto, aber keener will de Verkehr. Am beschte isses, mer losse unser Zufahrtstroß gleich unne schun absperre“, schlug er vor. Das Dauerthema „Tempo 30“ griffen Markus Richter und Michaela Spieß mit ihrem kleinen Traktor „Pro Blitzer“ auf. Den Umzug, der von vielen Zuschauern bejubelt wurde, hat Frank Röderer auf seiner schwarzen Harley-Davidson mit Beiwagen angeführt. Albert Kessler kam in einem DKW von 1963. Einige Kinder mit geschmückten Fahrrädern hatte Carina Krabetz dabei. Eine große Abordnung kam von der Wranglein-Ranch als die „Cowboys von Battenberg“: Betreiberin Sonja Wenglein hatte ein Quad gesattelt und ein Holzpferd auf dem Anhänger. Eine Schar Jungen und Mädchen lief als Fußgruppe mit selbst gemachten Steckenpferden mit. Ursprünglich wollten sie reiten, doch das wurde vom VG-Ordnungsamt wegen möglicher Unfallgefahr abgelehnt. Mit richtigen Pferden durfte nur Fritz Eckel kommen, bekannt durch die von ihm initiierten Kutschenparaden zur Sausenheimer Kerb. Zwei braune Welsh Cob zogen einen Ungarischen Jagdwagen, in dem Ortschef Peter Schmidt, sein Vorgänger Jürgen Schraut und Hans Breuer, Bürgermeister von 1979 bis 1999, saßen. Ein Weinfass hatte der Herrenstammtisch auf der Rolle.“ Der Motivwagen war der einzige mit Musik. Jürgen Knäbel und Simon Schmidt liefen in Warnwesten mit, damit „niemand unter die Räder kommt“. Die selbst gebaute „Kinderfeuerwehr“ von Dieter Flatter konnte das ja nicht übernehmen, und die örtliche Wehr wollte den Umzug eigentlich nicht begleiten (wir berichteten). Doch kurz bevor sich der Lindwurm in Bewegung setzte, tauchte Wehrleiter Carsten Ludwig mit einem Kameraden und einem echten Feuerwehrauto auf. Es sei von höherer Stelle interveniert worden, hieß es. Auch hätten sich die Kleinkarlbacher Floriansjünger dazu entschlossen, im Falle eines Falles die Battenberger Ortszufahrt für die Zeit des Umzugs zu sperren. „Ja, es gab einen Plan B“, sagte VG-Bürgermeister Reinhold Niederhöfer auf RHEINPFALZ-Anfrage und bestätigte, dass er mit Ludwig telefoniert habe, um ihn vom Einsatz für die Gemeinschaft zu überzeugen. (abf)