Kleinkarlbach / Hamburg
Erfinder aus Kleinkarlbach: Sein Geschäftsmodell ist Müllsammeln
Mit einer Moralpredigt fing alles an: Arnaud Huber, leidenschaftlich gerne mit seinem Hund in der Natur, sammelte bei seinen Spaziergängen Müll und erzählte einem Freund davon. Als der herausfand, dass Huber das Sammeln mit der bloßen Hand erledigt, folgte eine klare Ansage, denn mit Scherben oder gar Spritzen in Chipstüten sei nicht zu spaßen. „Er meinte, ich soll mir was einfallen lassen“, erinnert sich der Kleinkarlbacher.
Gesagt, getan: Der Student, der damals in Internationalem Management mit Schwerpunkt Entrepreneurship eingeschrieben war, träumte kurz darauf vom Fingerhut seiner Oma und erfand daraufhin mit Freunden den Umweltfreund. Dabei handelt es sich um einen Müllpicker, der an einen Fingerhut mit Nagel erinnert. Er kann an jeden Stock gedreht um einen Magnet ergänzt oder mit Mülltüten bestückt werden. Hat der 30-Jährige vor neun Jahren im kleinen Stil angefangen, beschäftigt er heute einen Mitarbeiter und einen Werkstudenten.
Fürs Start-up nach Hamburg gezogen
Wer Arnaud Huber zuhört, merkt, dass er sein kleines Unternehmen idealistisch führt. Momentan lebt er selbst noch von Erspartem und will sich erstmals im April ein eigenes Gehalt auszahlen. Er lebt mittlerweile in einer Ein-Zimmer-Wohnung in Hamburg, die lange auch der Hauptsitz des Start-ups war. Inzwischen hat er ein Büro angemietet, in dem sein Team arbeiten kann.
Huber geht es um das Reduzieren von Müll, und damit will er möglichst viele Menschen erreichen – was in Hamburg besser funktioniere als in seinem Heimatdorf, ist er überzeugt. Der frühere Pfadfinder zeigt sich verständnislos über die gedankenlose Entsorgung von Müll in der Natur und deren Folgen. Mit seinen Produkten sollen die Kunden dazu befähigt werden, selbst tätig zu sein. „Einer muss es ja tun und ich bin eben der Dumme oder der Schlaue, der das macht“, sagt er und grinst.
Fast jedes Wochenende im Einsatz
41 Mal hat Huber den Prototypen bereits weiterentwickelt. Die neueste Variante gibt’s im Onlineshop, in dem auch bald ein aufwendig gestaltetes Quartett zu kaufen sein soll. Dahinter steckt er auch, mit dem Ziel, junge Menschen über die Folgen der Müllentsorgung spielerisch aufzuklären. „Kinder sollen Empathie für die Natur entwickeln“, sagt er. Aber angefangen hat Huber nicht online, sondern im Alltag: Wenn er jemanden traf, bot er sein Produkt kurzerhand an – und habe sogar einen Prototypen, den er gerade testete, im Wald beim Spazieren abgekauft bekommen.
Auch auf Märkten sei er an fast jedem Samstag. „Von 100 Menschen, die ich anspreche, interessiert’s zwei“, sagt er und nennt in dem Zuge eine weitere Zahl: 6000 Umweltfreunde hat Huber im vergangenen Jahr verkauft, in diesem Jahr bereits 2500. „Die Nachfrage ist da“, betont er. Damit noch mehr Menschen darauf aufmerksam werden, kontaktiere er Unternehmen für Kooperationen, was hin und wieder auch funktioniere. „Ich will organisch wachsen“, sagt Huber dazu.
Projekte in der Pfalz
In der Region hat er es bereits beim Obrigheimer Festival „Rock im Hinterland“ probiert – und arbeitet auch im Leiningerland mit Gruppen zusammen. So haben die Dreckspatzen, die waldpädagogische Gruppe der Kita Ebertsheim, bereits Müll mit dem Umweltfreund gesammelt, und zwar mit einer Kindervariante. Die hat eine stumpfe Spitze, sodass sich die Kleinen nicht verletzen können. Grundsätzlich entstehen die Müllsammelhelfer per 3D-Drucker, der deutlich günstiger gewesen sei als die alternativen Spritzgussformen.
Dank der Drucker habe Huber bisher knappe 10.000 Euro investiert, um Müll aus der Natur zu verbannen. Er selbst sammelt übrigens fast keinen Unrat mehr, dafür sei gerade wegen des Unternehmens keine Zeit. Seine Ambition reicht aber inzwischen noch weiter als früher: Viele Menschen dazu animieren, selbst loszuziehen und etwas für die Umwelt zu tun, nebenbei beim Spazieren.