Altleiningen
Doku über Pfälzer Lebenshilfe-Hof: Was das Filmteam am meisten beeindruckt
Frau Abel, im März 2019 wurde Ihre Doku „Mit Handicap zum Erfolg“ über den Kleinsägmühlerhof der Lebenshilfe Bad Dürkheim in Altleiningen veröffentlicht. Hatte der damals geknüpfte Kontakt zur Betreiberfamilie bis heute noch Bestand?
Ja, der Kontakt ist nie ganz abgerissen, dazu war unsere damalige Zusammenarbeit einfach zu intensiv. Es erwuchs daraus auch beiderseits eine gewisse Sympathie. Im vergangenen Jahr kam der SWR wieder auf uns zu und bat uns, erneut beim Kleinsägmühlerhof für eine längere Produktion vorzufühlen. Nichts lieber als das, dachte ich. Zunächst musste ich natürlich mit der Betreiberfamilie Danner abklären, was wie möglich wäre.
Die Dreharbeiten und die Produktion des ersten Films haben anderthalb Jahre gedauert. War es für die Fortsetzung unter dem Titel „Anders ist hier ganz normal“ ebenso langwierig?
Nein, es hat insgesamt keine vier Monate gedauert: von Ende September bis Anfang Dezember 2025. In der Zeit haben wir knapp 25 Stunden Material zusammengekriegt. Stellenweise haben wir mit zwei Kameras gedreht; wenn es schnell gehen musste, haben wir unser Team auf einen Kamera-Mann und mich beschränkt. Es war ein straffes Programm, zumal neben einer 45-minütigen Doku noch drei Stücke für die SWR-Landesschau entstehen sollten.
Was waren die Herausforderungen bei der Erstellung dieses Films?
Eine Herausforderung ist – wenn man es so nennen will – der Umgang mit den beeinträchtigten Menschen. Natürlich ist der immer von großem Respekt getragen. Wir Filmemacher müssen aber von Fall zu Fall neu entscheiden, wie sehr wir bei einem Protagonisten in die Tiefe gehen können, ohne ihm zu nahe zu treten oder ihn gar vorzuführen. Letzteres ist natürlich ein absolutes No-Go. Die größte Schwierigkeit ist allerdings immer die Zeitknappheit während einer Dreheinheit. Wir wollen ja niemandem auf die Nerven gehen und nicht allzu sehr stören. Das war letztlich auch die Bedingung vonseiten der Danners, die ja rund um die Uhr zu tun haben.
Worauf haben Sie den Schwerpunkt gelegt? Das soziale Konzept des Integrationsbetriebs hatten Sie ja im ersten Film vorgestellt …
Diesmal haben wir uns auf neue Gesichter und den langsamen Prozess des Generationswechsels fokussiert. Nach 40 Jahren übergibt Richard Danner den Betrieb an seinen Sohn Matthias. Das geht nicht von heute auf morgen und birgt viele Herausforderungen. Und dann gibt es zum Beispiel den 25-jährigen Noah, der seinen Traumjob im Stall gefunden hat.
Gab es Szenen, die Ihnen besonders viel Spaß gemacht haben?
Allgemein macht das Drehen mit den beeinträchtigten Mitarbeitern großen Spaß, sie bringen einen oft zum Lachen und da geht dann plötzlich die Sonne auf. Man kann eine Menge von diesen Menschen über das Leben lernen. Die Begegnungen sind großartig und das Wiedersehen macht Freude. Zum Beispiel mit Ottfried. Er ist als „Herr der Hühner“ für das Federvieh zuständig und das sind an die 1000 Hennen. Er war wieder fasziniert von unserer Drohne, die er beim letzten Mal sogar einmal selbst fliegen durfte. Jedes Mal, wenn sie sich in die Luft erhob, hat er das mit leuchtenden Augen verfolgt. Und dann ist da Marlene, Azubi in der Backstube. Sie hat einen herrlich frechen Humor und ihre Bewunderung für Sarah Connor ist grenzenlos. Wenn sie von ihrem Idol spricht, sprüht sie vor Begeisterung. Marlenes Lebensfreude ist unglaublich ansteckend. Natürlich gab es auch nachdenkliche Momente und berührende Szenen, etwa mit Michael, der klug und feinsinnig ist und so gerne Künstler geworden wäre.
Hat Sie irgendetwas besonders beeindruckt?
Extrem beeindruckt mich, was Matthias Danner leistet – unermüdlich und zum Teil noch nach Mitternacht. Egal, was anliegt, er hängt sich komplett rein, trotz vieler Unwägbarkeiten. Imponierend ist auch die Freude und Herzlichkeit, mit der uns die Mitarbeiter begegnen. Die meisten, die wir schon beim ersten Film getroffen haben, sind weiterhin da und viele kennen uns selbst nach sieben Jahren noch mit Namen. Als wir aus dem Wagen stiegen, kamen einige von ihnen direkt auf uns zu und umarmten uns herzlichst. Alle strahlten und fragten, wie es uns geht. Als sie erfuhren, dass wir wieder drehen wollen, waren viele ganz enthusiastisch und wollten wissen, wann es weitergeht. Irgendwie war es für uns ein bisschen wie heimkommen.
Termin
„Anders ist hier ganz normal“, Doku über den Kleinsägmühlerhof, Premiere in der Filmwelt Grünstadt in zwei Sälen am Donnerstag, 26. März, 17.30 Uhr (bereits ausverkauft) und um 18 Uhr; vorab wird der erste Teil „Mit Handicap zum Erfolg“ gezeigt. Tickets online unter filmwelt-gruenstadt.de.