Bossweiler
Die Staatsphilharmonie mit „Musik im Anflug“
Auf dem Programm der Musikerinnen und Musiker standen Werke von Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart.
Rund 100 Gäste waren gekommen, um dem sechsten Konzert der Konzertreihe „Sontags um fünf“ der 14 Streicherinnen und Streicher der Staatsphilharmonie zu lauschen, die Kirche war voll besetzt. Auch der Intendant, Beat Fehlmann, war unter den Zuhörern. „An diesem Wochenende waren wir mit verschiedenen Kammermusikensembles ausgeschwärmt und haben Orte besucht, die für das große Orchester nicht zugänglich sind. Dadurch gelingt es uns, die Musik sehr nahe zu den Menschen zu bringen“, sagte er. Konzertmeister hatte die Konzeption des Konzertes übernommen und präsentierte ein Programm mit Werken der Wiener Klassik. „Mozart schrieb 1772 sein Divertimento in D-Dur KV 136 nach seiner Rückkehr von einer Italienreise mit seinem Vater für den neuen Erzbischof Colloredo, man spürt deutlich die italienischen Einflüsse“, sagte er vor Beginn des Konzertes. Das Stück steht in der Reihe der drei berühmten Salzburger Divertimenti. Nach einem rauschenden Allegro folgt ein Mittelsatz in italienischem Cantabile, das in einem tänzerischen Finale endet. Schon bei den ersten Takten der Streicher kommt pure Emotion beim Publikum an. Die Musik ist lebendig, lebensfroh, fröhlich, reicht von gefühlvoll und leise bis zu kraftvoll, gewaltig und laut und schnell wird eines klar: Hier musiziert ein junges Spitzenorchester, dessen Spiel frei von jeder lähmenden Routine ist, sondern immer wieder beflügelt wird von der puren Freude an der Musik.
Lebendiger Atem
Das Zusammenspiel ist exakt und grandios und selbst bei rhythmisch kniffligen Passagen harmonieren die Musiker tadellos. Man hat das Gefühl, die Musik ist lebendig und atmet, die melodischen Bögen blühen regelrecht auf. Im zweiten Teil des Konzertes spielt das Streicherensemble in einer Bearbeitung von Gustav Mahler Ludwig van Beethovens Streichquartett f-Moll, in dem Beethoven seine Eindrücke des Kriegsjahres 1809, das er hautnah in Wien miterlebte, verarbeitet. Das Werk ist ein explosionsartiges Aufbegehren, ein Versuch, die Geschehnisse musikalisch zu greifen und den eigenen Ängsten und Bedrückungen Luft zu machen. Schon zu Beginn erinnert das Allegro con brio an einen Kanonenschuss, der von einem harten Unisono der Stimmen angeführt wird. Neben den kantigen Klängen erscheinen immer wieder zarte Violinenklänge, die sich im Hauptthema entgegenstellen und auf Versöhnung hoffen lassen. Das großartige Finale bringt regelrecht Erlösung: Nach einer langsamen Einleitung voller dramatischer Schmerzklänge erklingt die Siegesmelodie kraftvoll und gewaltig in Dur, in der das Gute über das Böse triumphiert.
Begeistertes Publikum
Das Publikum ist begeistert und zollt den Profi-Musikern nicht endenwollenden Applaus im Stehen, der prompt mit einer Zugabe belohnt wird. Im Anschluss an das Konzert gab es vor der Kirche eine Weinverkostung durch das Weingut Thomas Wüst aus Dirmstein.
Zur Sache
Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz
Gegründet 1919 in Landau im Schatten des Ersten Weltkrieges, brach das Orchester im Frühjahr 1920 zu einer ersten Konzertreise durch die Pfalz und das Saarland auf. Schon in den ersten Jahren erregte das Orchester unter dem Dirigat von Richard Strauss und Hermann Abendroth überregionale Aufmerksamkeit. Chefdirigenten wie Christoph Eschenbach und Leif Segerstam, heute Ehrendirigent, sowie Michael Francis, der seit der Saison 2019/20 Chefdirigent ist, gaben zahlreiche Impulse und verhalfen dem Klangkörper zu internationaler Beachtung. Als Orchester ohne festes Konzerthaus ist die sinfonische Versorgung des Bundeslandes bis heute die wichtigste Aufgabe der Staatsphilharmonie. Mit über 100 Konzerten pro Saison bringt sie die Musik zu den Menschen. Sie haben Gastspiele im In- und Ausland und arbeiten mit international bedeutenden Dirigenten und Solisten zusammen. Regelmäßige Konzertmitschnitte durch das SWR und den Deutschlandfunk Kultur sowie zahlreiche CD-Produktionen runden das vielfältige Tätigkeitsspektrum der Staatsphilharmonie ab. Auch über 100 Jahre nach der Gründung ist die Deutsche Staatsphilharmonie somit fester Bestandteil des Kulturlebens in Rheinland-Pfalz und darüber hinaus. (Quelle: www.staatsphilharmonie.de).