Grünstadt
Die größten Projekte der nächsten Jahre: Hier investiert Grünstadt Millionen
Die Bagger und Planierraupen sind bereits zugange, das Gelände ist im hinteren Teil abgesperrt: Am Rudolf-Harbig-Stadion in Grünstadt tut sich etwas. Der Abriss des südlichen Gebäudes ist schon passiert, der Rest soll 2028 verschwinden, sobald der geplante Neubau steht, klärt Grünstadts Bürgermeister Mimmo Scarmato (CDU) auf. Doch das ist nur ein Teil dessen, was die Stadt dort umsetzen will. Neben dem gerade entstehenden Hockeyfeld soll auch der Kunstrasenplatz saniert werden – und der Naturrasenplatz. Für letzteres gebe es aber derzeit noch keine Förderzusage. Scarmato verspricht zwar, dass diese Arbeiten auf jeden Fall anstehen, sie sich aber ohne Förderung womöglich verzögern werden. Für die übrigen Arbeiten gibt’s bereits Zuschüsse: Gebäude und Hockeyplatz kosten insgesamt 5,5 Millionen Euro, wobei der Bund 1,2 Millionen Euro zuschießt. Für die Sanierung des Fußballplatzes, die 600.000 Euro kosten soll, erhält die Stadt vom Land 170.000 Euro.
Sportplatz als Teil der Baustelle
Doch wie ist der Zeitplan? Im zweiten Quartal sollen die Gewerke für das neue Funktionsgebäude ausgeschrieben werden, im dritten Quartal entsteht dann die Leichtathletikanlage südlich des neuen Hockeyplatzes. Geplant sind Wurf- und Weitsprungflächen. Auch Mountainbiker sollen künftig auf ihre Kosten kommen: Im Süden des Sportplatzes hat der Aufbau eines Pumptracks, also einer künstliche n Mountainbikestrecke. begonnen, der bis Ende des Jahres fertig sein soll. Dorthin sollen 1000 Kubikmeter Aushub transportiert werden, die beim Errichten des Regenrückhaltebeckens in Sausenheim anfallen, klärt Scarmato auf. Das, ebenfalls ein Großprojekt, kostet die Stadt 1,3 Millionen Euro und wird noch in diesem Jahr begonnen.
Die Stadt hat aber nicht nur Sportler und den Hochwasserschutz im Visier, sondern auch den Nachwuchs. Deshalb betreffen zwei Großprojekte die Dekan-Ernst-Schule und den Kindergarten Pfalzkitz. Die Stadt plant den Neubau der Kita „In der Bitz“ nahe der Alla-Hopp-Anlage für 7,3 Millionen Euro – 3,5 Millionen Euro Zuschuss gibt’s dafür insgesamt von Kreis und Land. Der Baustart soll im Sommer dieses Jahr stattfinden, wobei die Stadt derzeit noch auf die Baugenehmigung warte, sagt Scarmato. 125 Kinder sollen in der neuen Anlage unterkommen. Die Kita Pfalzkitz, in der gerade 50 Kinder betreut werden, soll ins neue Gebäude ziehen.
Kita-Räume fallen Schule zu
Auch an der angrenzenden Dekan-Ernst-Grunschule wird gebaut: Die Mensa reicht nicht mehr und muss mit Blick auf das neue Ganztagsförderungsgesetz erweitert werden. 1,7 Millionen Euro fallen für den Anbau an, knapp 750.000 Euro schießt das Land zu. Der Baustart soll ebenfalls im Sommer sein, das Ende ist laut Scarmato nächstes Jahr geplant. Weil sich die Kita Pfalzkitz auf dem Gelände der Schule befindet, entsteht nach deren Umzug ein weiterer Vorteil: Die bisherigen Kita-Räume fallen der Schule zu, die daraufhin wieder mehr Platz bekommt.
Deutlich teurer wird der Umbau des Feuerwehrgerätehauses im Nordring. Das Gebäude ist in die Jahre gekommen und hat nur eine Ausfahrt für sämtliche Fahrzeuge, der Platz ist knapp. Im Herbst hat ein Architekt zwei Varianten vorgestellt: einen Neubau und eine Sanierung mit Erweiterung. Derzeit prüfe der Landkreis die Bauvoranfragen und muss bewerten, ob ein Neubau möglich ist, so Grünstadts Stadtchef. Das neue Gebäude würde sich näher an der Straße befinden und deutlich mehr Raum bieten. Das Problem: Es gibt kaum Zuschuss. Derzeit werden pauschal 42.000 Euro jährlich an Fördergeld fürs Feuerwehrwesen nach Grünstadt gegeben, sagt Scarmato: „Und das ist überschaubar.“ Zum Vergleich: Der Umbau wird zwischen 11,3 und 12,6 Millionen Euro kosten.
Sondervermögen für Bauhof und Drehleiter
Die Lösung dafür könnte das Sondervermögen sein: 8,1 Millionen Euro fließen nach Grünstadt, sagt der Bürgermeister. Aber da auch eine neue Drehleiter gekauft werden muss – das aktuelle Modell ist bereits 23 Jahre alt – will die Stadt einen Teil des Sondervermögens für das Fahrzeug nutzen. Das kostet mehr als eine Million Euro.
Mehr ausgeben muss die Stadt allerdings für den Bauhof. Hier ist ein Neubau geplant, nachdem Teile des alten Gebäudes wegen Einsturzgefahr längst nicht mehr betreten werden dürfen. Mehr als elf Millionen Euro muss die Stadt dafür in die Hand nehmen – ohne Fördermöglichkeit. Deshalb wolle Grünstadt dafür sieben Millionen aus dem Sondervermögens-Topf nehmen. Scarmato hofft, dass durch die Vermarktung des Grundstücks, auf dem sich der bisherige Bauhof befindet, auch noch einmal Geld machen lässt. Fertiggestellt sein soll der Neubau in der Max-Planck-Straße Ende 2027.
Teuerstes Projekt: Drehleiter
Das teuerste Projekt wird aber eines, von dem die Grünstadter zwar wenig zu sehen bekommen, das für sie aber trotzdem enorm wichtig ist: die Erweiterung der Kläranlage, die mit knappen 30 Millionen Euro zu Buche schlägt. Hintergrund ist laut Scarmato, dass die Stadt wächst, sowohl die Einwohnerzahl als auch die Fläche betreffend. Gemeint ist damit unter anderem die Erweiterung des Gewerbegebiets Süd. Neben der Sanierung soll auch ein neues Sozialgebäude entstehen, kündigt der Bürgermeister an. Baustart sei wahrscheinlich im Frühjahr 2027, wobei die Arbeiten mittelfristig über die Abwassergebühren finanziert werden.
Zusätzlich zu den Großprojekten sind auch noch kleinere Maßnahmen geplant. Darunter fällt die Sanierung der Otto-Fliesen- und der Richard-Wagner-Straße, also der Querachse im Norden der Stadt.
Bürger zahlen Großteil der Straßensanierung
Drei Millionen Euro fallen dafür an. Momentan warte die Stadt auf die Förderzusage, so Scarmato, wobei 65 Prozent über wiederkehrende Beiträge finanziert werden. Das heißt, alle Einwohner des Fördergebiets kommen für die Sanierung auf. Das sind 7500 Menschen, die in zwei Etappen nach vorläufiger Schätzung 1,07 Euro pro Quadratmeter Grundstück zahlen müssen. Am meisten merken die Bewohner das Projekt aber wohl über den Verkehr, der zwischen Sausenheim und Kirchheimer Straße umgelenkt werden muss.
Weniger auffällig wird die Baustelle im Stadtpark: Dort plant die Stadt den Einbau eines 2000-Kubikmeter-Hochbehälters zur Frischwasserversorgung der Stadt. Der Einbau soll 2027 abgeschlossen sein. Scarmato spricht von einer „riesigen Maßnahme“, in deren Zuge der Stadtpark an etlichen weiteren Stellen verschönert werden wird.