Leiningerland Corona-Mobil: Antigen-Schnelltests für Menschen ohne Symptome

Andreas Blatner vor seinem Corona-Mobil Leiningerland.
Andreas Blatner vor seinem Corona-Mobil Leiningerland.
Andreas Blatner mit den Antigen-Schnelltests.
Andreas Blatner mit den Antigen-Schnelltests.

Andreas Blatner bietet mit seinem Corona-Mobil Antigen-Schnelltests an. Er darf nur Menschen testen, die keine Corona-Symptome zeigen. Blatners Test-Angebot stößt vor allem bei Landwirten auf Interesse.

Das Wohnmobil, das in einem Wendehammer in Mertesheim geparkt ist, fällt sofort ins Auge – nicht zuletzt wegen seines Aufklebers: Corona-Mobil Leiningerland. Mit diesem Wagen ist der 41-jährige Mertesheimer Andreas Blatner künftig unterwegs, um mit Antigen-Schnelltests Menschen zu testen, die sichergehen wollen, nicht mit dem Coronavirus infiziert zu sein.

Blatner arbeitet seit 2000 als Notfallsanitäter beim Arbeiter-Samariter-Bund in der Grünstadter Rettungswache, das Corona-Mobil betreibt er nebenberuflich. Bevor er mit den Antigen-Schnelltests loslegen durfte, musste er beim Gesundheitsamt in Neustadt ein Hygiene- und ein Testkonzept vorlegen. Beides sei genehmigt worden, teilt das Amt auf Anfrage mit.

Einziger privater Tester im Kreis Bad Dürkheim

Blatner sei derzeit der einzige Privatmann im Kreis Bad Dürkheim, der solche Außer-Haus-Testungen anbiete. Vom Gesundheitsamt heißt es, dass ein Antragsteller zwar einen medizinischen Hintergrund haben sollte. Derjenige, der testet, müsse aber „nicht mehr zwingend eine entsprechende medizinische oder pflegerische Ausbildung haben“. Er müsse lediglich geschult worden sein und Fachkenntnisse nachweisen können.

Wichtig ist dem Gesundheitsamt, dass ihm positive Testergebnisse weitergemeldet werden. In Blatners Fall hat sowohl er einen medizinischen Hintergrund als auch die vier Bekannten, die bereitstehen, wenn er aufgrund seiner Hauptarbeit auf der Rettungswache – drei Tage Tagschicht, drei Tage frei, drei Tage Nachtschicht – nicht alle Anfragen allein abarbeiten kann.

Große Nachfrage bei Landwirten

Andreas Blatner hat in den letzten Tagen viel über die Landwirtschaft gelernt. Er hat mit Großbauern aus dem Rhein-Pfalz-Kreis und dem Donnersbergkreis gesprochen, deren Erntehelfer er testen wird. Wenn sie aus Polen, Rumänien oder Bulgarien nach Deutschland einreisen, dürfen sie das nur mit einem frischen Corona-Test. Pflicht ist außerdem, dass sie sich in Deutschland zehn Tage in Quarantäne begeben. Diese Quarantäne-Zeit kann verkürzt werden: Wenn Blatner am sechsten Tag einen Test durchführt und der negativ ausfällt.

Als der Mertesheimer sein Angebot bei Landwirten bekanntmachte, rannte er offene Türen ein. „Das war für sie wie Weihnachten und Ostern zusammen“, beschreibt er die Reaktion der Gemüsebauern. Er kümmert sich nun darum, dass die Formulare in die jeweiligen Sprachen übersetzt werden. „Die Bauern haben keine Arbeit damit. Wir kommen, testen, melden und gehen wieder“, fasst Blatner zusammen. Vor Ort sei dann auch immer jemand, der dolmetschen könne, das sei mit den Landwirten so besprochen. Seine Frau Jennifer hilft im Hintergrund bei der ganzen Administration.

Wie laufen die Tests ab?

Wer einen Schnelltest vornehmen lassen will, meldet sich bei Andreas Blatner. „Ich frage am Telefon alles ab“, sagt er. Er dürfe nur Menschen testen, die keine Symptome einer Corona-Infektion haben. „Wenn typische Anzeichen von Covid da sind, teste ich sie nicht“, sagt Blatner. Diese Menschen müssten zum Arzt gehen. Mit seinem Corona-Mobil fährt Blatner zu den Interessenten nach Hause, dafür verlangt er eine Fahrpauschale (nach Grünstadt zum Beispiel 2 Euro). Die Testung selbst kostet 40 Euro.

Es ist auch möglich, dass diejenigen, die sich testen lassen wollen, nach Mertesheim in den Leininger Pfad kommen. „Das Auto steht im Wendehammer, es ist mit den Nachbarn so abgesprochen“, sagt Blatner. Er ist im Wohnmobil, die Tür ist mit einer Glasscheibe versehen und er selbst gut geschützt. Die Testwilligen müssen einen Bogen mit ihren Daten ausfüllen, den sie ihm durch einen Schlitz reichen, und bekommen Papiere, auf denen sie aufgeklärt werden. Sie bleiben draußen vor dem Mobil stehen.

Nachdem Blatner den Abstrich gemacht hat (dafür gibt es ein Loch in der Scheibe), müssen die Getesteten 15 bis 20 Minuten warten, bevor sie das Ergebnis erfahren. „Wenn jemand positiv getestet ist, belehre ich ihn und fordere ihn auf, in freiwillige Quarantäne zu gehen.“ Außerdem melde er das Ergebnis dem Gesundheitsamt, das wiederum veranlasse, dass die Person noch einen PCR-Test beim Arzt vornehmen lässt. Im Gegensatz zum Schnelltest, der vor Ort ausgewertet wird, werden die Proben bei PCR-Tests in Laboren analysiert. Sie gelten als die zuverlässigsten Tests.

Corona-Mobil ist sein Beitrag in der Krise

Blatner hat 100 Schnelltests der Firma Roche auf Lager, bis zu 500 kann er schnell vom Großhändler nachordern. Die Test haben nach Herstellerangaben eine Sensitivität von 96,52 und eine Spezifität von 99,68. Die Sensitivität gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass Infizierte auch als solche erkannt werden, die Spezifität die Wahrscheinlichkeit, dass Gesunde im Test auch als gesund erkannt werden. „Das Corona-Mobil ist mein Beitrag bei uns im Leinigerland“ in der Krise, sagt Blatner. Er sehe ja, was täglich in den Krankenhäusern los ist. „Mein Vorhaben entlastet die Arztpraxen und die Arbeitgeber“, ist er sich sicher. Dass es nicht auf Dauer angelegt ist, ist ihm klar – und es sei ja auch so gewollt. Denn: „Ich hoffe, dass die Impfung greift.“

Auch in seinem Heimatort Mertesheim will Blatner etwas bewirken: Er wird die Erzieherinnen der Krabbelgruppe einmal wöchentlich kostenlos testen. Das mache er gern, sagt er. Er hat nämlich zwei dreijährigen Zwillingsmädchen zu Hause – und die wünschten sich auch, bald wieder in die Kita gehen zu dürfen.

Kontakt

Corona-Mobil Leiningerland,

Telefon 0176/31487694,

E-Mail: blatner.covid19@gmail.com