Grünstadt „Brelcome“ für Butch und Co.

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EBERTSHEIM. „Was issen durch de Brexit noch alles annersch als in de Johre zuvor?“ Diese Frage haben nicht wenige Interessenten an der 2017er Englandfahrt des TSV Ebertsheim gestellt.

Über zwölf Jahre dauert nun schon die außergewöhnliche deutsch-englische Freundschaft, die vom damaligen TSV-Fußballer Greg Gripps ins Leben gerufen worden ist. Nach einigen beruflichen Jahren in der BASF war der in Ebertsheim nur als „blonder Hans“ bekannte Brite im Jahr 2004 in seine Heimat zurückgekehrt. Dort hat er mit Freunden, Studien- und Arbeitskollegen dann die Fußballmannschaft „English Old Knackers“ (E.O.K.) gegründet. Einziger Zweck der Freizeittruppe: die Teilnahme am Kleinfeld-Turnier des TSV im August jeden Jahres. Inklusive dritter Halbzeit. Da war Diskussionsthema Nummer eins natürlich König Fußball. Manchmal auch Queen Elisabeth. Wesentlich öfter Deutsch-Bier, „Hütchen“ oder Schnitzel. Aber nie Politik. Seit dem Brexit ist das nun anders. So wollten beim ersten Deutschland-Besuch in der Nach-Brexit-Ära vorigen August insbesondere die EU-Austritt-Befürworter unter den „Knackers“ deutlich machen, warum sie für den Brexit gestimmt haben. Etwa Torhüter „Butch“. Im richtigen Leben selbstständiger Metzger und Chef einer kleinen Cateringfirma, hatte er keine Lust mehr, sich von der EU vorschreiben zu lassen, welche baulichen und hygienischen Voraussetzungen er zu erfüllen hat, wenn er weiterhin selbst schlachten will. „Butch“ nennt noch weitere bürokratische Vorgaben, die ihm das Leben schwer gemacht haben. Ob die nach dem Brexit wirklich alle wegfallen, haben dann nicht nur einige seiner Mannschaftskollegen angezweifelt. Und schon standen zumindest vorübergehend König Fußball und die Elfmeter-Schwäche von Rooney und Co. nicht mehr im Diskussions-Fokus der deutsch-englischen Freundschaft. Mit dieser habe sein Ja zum Brexit übrigens überhaupt nichts zu tun, wurde „Butch“ nicht müde zu versichern. Und das nicht erst, seit er das T-Shirt mit der Aufschrift „Brelcome in Ebertsheim for ever: E.O.K.“ vom gastgebenden TSV erhalten hatte. Diese Gastgeschenke waren praktisch die erste Reaktion der Ebertsheimer auf den Brexit. Und haben selbst bei Metzger „Butch“ für feuchte Augen gesorgt. Nein, die Menschen seien doch weiterhin „very good old friends“. Daran hat die Brexit-Entscheidung schon mal nichts geändert. Und auch sonst erwartet die zehn Ebertsheimer Englandfahrer im Mai nichts neues. So dürfen, wie in der EU üblich, (noch) bis zu 800 Zigaretten und zehn Liter Spirituosen zollfrei eingeführt werden; eine größere Menge gilt nicht mehr als „privater Verbrauch“. Angesichts der im Vergleich zu Ebertsheim/Deutschland hohen Tabak- und Cognac-Preisen in Uttoxeter/England eine nicht unwichtige Information. Nach wie vor kommen aber weder Diemer-Wein aus Rodenbach noch Hausmacher Wurst vom Arleshof als Gastgeschenke ins Gepäck und in Frage. Das hat nichts mit dem Brexit oder der EU zu tun, sondern resultiert ausschließlich aus der Tatsache, dass den TSV’lern beim günstigen Gruppentarif nur Handgepäck auf ihrem Flug zusteht. Und darin sind natürlich aus Sicherheitsgründen Wein und Dosen tabu. Ebenso – das müsste den TSV’lern noch bestens von früheren Flügen bekannt sein – Rasierklingen für den Nassrasierer oder die Familientube Hautcreme. Das kann zu nicht ärgerlichen Verzögerungen bei den ohnehin scharfen Sicherheitskontrollen der Briten führen. Um abschließend die anfangs gestellte Frage eines Englandfahrers zu beantworten: „De Personalausweis langt – weil mit ’em Brexit jo eigentlich nix annerscht werd.“ Eigentlich. Immerhin gibt’s in der zwölfjährigen Geschichte dieser besonderen deutsch-englischen Freundschaft eine Premiere: auf den Shirts der zehn deutschen Englandfahrer wird erstmals der selbe Slogan stehen wie auf denen, die der TSV vorigen August seinen britischen Gästen geschenkt hat: „Brelcome...“

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