Ebertsheim
Ausweich-Flüge ab 13.000 Euro: Iran-Krieg lässt Pfälzer in Thailand stranden
„Lost in Bangkok“ – das wäre wohl der passende Titel für eine Verfilmung der drei Tage, die eine kleine Pfälzer Familie in der thailändischen Hauptstadt verbracht hat. Oder besser gesagt: notgedrungen dort verbringen musste. Denn ihr Flug von Krabi an der Südwestküste Thailands war nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs gestrichen worden.
Bangkok schien für die meisten europäischen Touristen eine Chance zu sein, nach dem Traumurlaub endlich nach Hause zu kommen. Schließlich ist der Flughafen in der Millionenstadt weitaus größer als der kleine in Krabi. Auch Familie Marx aus Ebertsheim hatte die Hoffnung. Daher ging es für Fabian und Kerstin Marx mit ihrer dreijährigen Tochter Leonie statt zum gecancelten Heimflug mit Zwischenlandung in Abu Dhabi am Abreisetag, dem 9. März, kurzerhand – und hoffnungsvoll – mit einem Inlandsflug in die thailändische Hauptstadt.
„Alles ausgebucht bis Mitte April“
„Was wir aber dann in Bangkok erlebt haben, war ein echter Albtraum“, erzählt Fabian Marx. Man hört dem 39-jährigen Familienvater noch heute die nervlichen Strapazen am Telefon an. „Da waren Tausende Gestrandete, die wie wir nur noch nach Hause wollten: ein absolutes Chaos. Wir sind den kompletten Flughafen abgelaufen, aber es hatte auch nur ein einziger Schalter geöffnet. Und an dem Schalter von Thai Airways hieß es nach stundenlangem Anstehen auch nur: ,alles ausgebucht bis Mitte April‘“, erinnert sich der Ebertsheimer kopfschüttelnd.
Was dann folgte, waren stundenlange Internet-Recherchen auf den Seiten aller irgendwie infrage kommenden Fluggesellschaften sowie zig Lösungsversuche, die mit anderen Gestrandeten diskutiert worden sind. „Wir haben nach alternativen Routen gesucht, um – etwa über Südafrika oder gar über China – nach Deutschland zu kommen. Aber schließlich mussten wir alles wieder verwerfen: Entweder wir wären – gerade mit der Kleinen – viel zu lange mit den Zwischenaufenthalten unterwegs gewesen, ganz zu schweigen vom für China notwendigen Visum. Oder die Tickets waren für uns unbezahlbar“, sagt Marx verärgert.
Deutsche Botschaft völlig überlastet
Seit dem Krieg mit Iran hätten sich „die Flugpreise explosionsartig verdreifacht und mehr“, kritisiert er, dass aus der Not der Passagiere nun Kapital geschlagen wird. „Von hier kommen derzeit nur noch Reiche raus.“ Einen Heimflug ab 13.000 Euro aufwärts könne sich die junge Familie einfach nicht leisten, so der Familienvater, der als Techniker-Meister bei KSB in Frankenthal arbeitet.
Erschwerend kam bei der verzweifelten Suche nach Heimkehr-Lösungen hinzu, dass mit den deutschen SIM-Karten in Thailand nur Whatsapp-Anrufe möglich seien, erklärt Marx. Um zum Beispiel das im Internet gefundene Hilfsangebot der deutschen Botschaft nutzen zu können, musste er daher persönlich im Botschaftsgebäude vorsprechen. „Also bin ich dann bei über 30 Grad und einer höllischen Luftfeuchtigkeit durch die Millionenstadt, nur um nach fast vier Stunden Anstehen zu erfahren, dass die Botschaftsmitarbeiter momentan absolut überlastet sind“, berichtet der 39-Jährige vom nächsten Misserfolg. „Sie müssten sich derzeit erst einmal vorrangig darum bemühen, Zigtausende Deutsche aus den unmittelbaren Krisengebieten rauszukriegen.“
Der nächste Flug: gecancelt
Doch dann ein Hoffnungsschimmer: An den Schaltern einiger Fluggesellschaften im Bangkoker Flughafen wurden wieder Direktflüge nach Europa angeboten. Diesen Strohhalm hat der Ebertsheimer dann auch sofort ergriffen und Tickets gebucht. „Allerdings hat es nicht lange gedauert und auch diese Flüge wurden gecancelt“, berichtet Marx.
Um in Bangkok nicht vollends durchzudrehen, war die Familie in ein Hotel nahe dem Flughafen gezogen. Auf der einen Seite, um schnell reagieren zu können, falls sich kurzfristig eine Heimreise-Möglichkeit ergeben sollte. Auf der anderen Seite, um ihre kleine Tochter Leonie aus dem hektischen Treiben zu nehmen.
„Die Kleine hat das auch ganz gut weggesteckt. Wir haben halt so gut es geht versucht, uns unsere nervliche Anspannung bei ihr nicht anmerken zu lassen“, betont der junge Familienvater. Und zumindest mussten sie sich über eine Sache keine Sorgen machen: „Zum Glück kann man in Thailand äußerst günstig essen, trinken und wohnen. Unsere Geldreserven reichten dafür erst mal.“
Rückflug über Usbekistan
Als sie dann Verwandte und Freunde in Deutschland über ihre offensichtlich ausweglose Situation am Bangkoker Flughafen informiert haben, hätten so viele ihre Hilfe angeboten, schickt Marx ein großes Dankeschön in die Pfalz. Unter anderem gab es eine Blitzüberweisung über 5000 Euro, um damit einen Heimflug zu ordern.
Mit dem Geld allein war aber immer noch keine Lösung, sprich Flugverbindung nach Deutschland, gefunden. Diese hat sich erst nach drei Tagen Bangen und Hoffen ergeben: Ein Freund der Familie, der in Deutschland ein Reisebüro betreibt, hat tatsächlich Tickets von Bangkok nach Frankfurt organisieren können. Zwar erst für den 18. März und über Usbekistan, „aber Hauptsache heim“, sagt Marx.
Nachrichten genau verfolgen
Die Familie ist jetzt erst einmal erleichtert. Sie hat inzwischen Bangkok verlassen und will nach all dem Stress noch ein paar Tage im 100 Kilometer entfernten Pattaya abschalten. So ganz wird das wohl nicht funktionieren. Fabian Marx weiß, wie er am Ende des Telefonats zu bedenken gibt, „dass Usbekistan gar nicht weit vom Iran entfernt ist“.
Die Meldungen über die Weltpolitik will er in den nächsten Tagen jedenfalls genauer verfolgen. Zu Beginn ihres Urlaubs am 22. Februar hatte das Ehepaar noch vereinbart, das Handy zwei Wochen lang wegzulegen und während ihres Traumurlaubs komplett auf Nachrichtensendungen zu verzichten. Das war allerdings vor Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten und vor dem albtraumhaften „Lost in Bangkok“. Darüber können sie zwar noch viel erzählen – aber eine Wiederholung wäre für die Familie wohl der pure Horror.