Carlsberg RHEINPFALZ Plus Artikel Ausharren im Provisorium: Was das für diese Kita bedeutet

Ohne die Außenstelle im protestantischen Pfarrheim hätte die Kita „Spatzennest“ in Carlsberg viele Kinder abweisen müssen, sagt
Ohne die Außenstelle im protestantischen Pfarrheim hätte die Kita »Spatzennest« in Carlsberg viele Kinder abweisen müssen, sagt die Einrichtungsleiterin Mandy Giemsa (links).

Ein Teil der Carlsberger „Spatzennest“-Kinder wird in einer Außenstelle betreut. Welche Probleme es deshalb gibt und wie es um den geplanten Kita-Anbau steht.

Nur eineinhalb Jahre nach einer umfangreichen energetischen Sanierung für rund 300.000 Euro wurden im Oktober 2020 Kapazitätsengpässe in der Kita „Spatzennest“ thematisiert. Die Einrichtungsleiterin Mandy Giemsa klagte damals bei einer Ratssitzung über Platzmangel und die fatale Situation bei den Sanitäranlagen: „Wir haben genau eine Toilette für 21 Mitarbeiter.“ Auch gebe es keinen Personalraum. Für die 87-köpfige Kinderschar stünden lediglich drei WCs zur Verfügung. Auch die sechs Waschbecken reichten nicht aus, denn eigentlich sollte eines für acht bis zehn Kinder vorhanden sein.

An der Immobilie in der Friedhofstraße hat sich bis heute nichts geändert. Im Mai 2022 erhielt die Architektin Gabriele Obenauer den Auftrag, eine Vorstudie als Planungsgrundlage für einen Anbau an die Kita zu erstellen. Der Gemeinderat hatte einem entsprechenden Angebot der Fachfrau aus Laumersheim für 4248 Euro zugestimmt. Darüber hinaus musste das Haus komplett vermessen werden, weil keine Baupläne existieren. Als 2023 das Jugendamt bestätigte, dass es einen Betreuungsbedarf für 105 Jungen und Mädchen gab, sollte nicht mehr abgewartet werden, bis das Bestandsgebäude erweitert ist.

Außenstelle im Pfarrheim eingerichtet

Verschiedene Optionen einer vorübergehenden Unterbringungsmöglichkeit für einen Teil der Kinder wurden diskutiert. Im Dezember wandte sich dann der damalige Ortsbürgermeister Werner Majunke (CDU) an Pfarrer Julian Kraul. Die Idee: eine Außenstelle im protestantischen Pfarrheim in der Gartenstraße einzurichten. In Rekordzeit konnte diesem Wunsch entsprochen werden, im Frühling 2024 zogen 20 Kinder dort ein. Es läuft gut, bilanzierten jetzt nach bereits zwei Jahren unisono Kraul und Giemsa. Die Kita-Chefin hob hervor, wie froh sie über das Entgegenkommen der Protestanten ist. „Ohne diese Ausweichmöglichkeit hätten wir 18 Kinder ablehnen müssen“, sagte sie.

Allerdings: Optimal ist diese Lösung nicht. Giemsa berichtete von der Heizung, die die Kirchengemeinde wegen Brandschutzauflagen anschaffen musste: „Es war leider nicht abzusehen, dass die neuen Klimageräte aufgrund der energetischen Beschaffenheit des Gebäudes in den Wintermonaten keine ausreichende Wärme erzeugen.“ Als besondere Herausforderungen hätten sich drei Punkte herausgestellt. Erstens Personalplanung: Sobald ein Mitarbeiter ausfällt, müsse eine Vertretung aus dem Haupthaus organisiert werden, um den Betreuungsschlüssel einzuhalten. Zweitens Mittagessen: Die warmen Mahlzeiten müssten mit Privatautos transportiert werden. Drittens Eingewöhnungen: Weil nur ein Raum zur Verfügung stehe, sei die Organisation anspruchsvoll, denn die Winzlinge könnten nur nacheinander eingewöhnt werden.

Mietvertrag muss wohl verlängert werden

Aber das wird ja nicht auf Dauer so sein. Die Außenstelle ist nur als Provisorium gedacht. Der Mietvertrag ist bis Ende 2027 befristet. Voraussichtlich muss er jedoch verlängert werden. Denn bis dato besteht noch nicht einmal Baurecht für die Erweiterung der Kita, wie Ortschef Patrick Schmitt (CDU) auf die Frage von Stephan Schenk (SPD) einräumen musste. Da auch das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr dringend zu vergrößern sei, habe es zwischenzeitlich Überlegungen gegeben, beide Maßnahmen gemeinsam zu betrachten und ein multifunktional nutzbares Gebäude zu errichten. Es sei von 70 Prozent Zuschüssen die Rede gewesen. „Immer wenn Fördertöpfe im Spiel sind, wird aus einem Vorhaben ein Riesenprojekt“, merkte Altbürgermeister Majunke an. Schmitt gab ihm vollkommen Recht, aber bei einem Kostenvolumen für den „Spatzennest“-Anbau von 1,6 bis 1,8 Millionen Euro müssten Zuwendungen beantragt werden.

Christdemokratin Anna Majunke stellte klar, dass der bauliche Zustand in der Kita nicht länger hinnehmbar sei. Als Arbeitsplatz für die Erzieher sei das nicht attraktiv. Laut Giemsa hat das „Spatzennest“ jedoch keine Probleme, Mitarbeiter zu finden und auch zu halten: „Alle Stellen sind besetzt. Das Team, in dem erfreulicherweise sogar vier Männer sind, ist motiviert und engagiert.“ Die Stimmung im Kollegium sei sehr positiv. Es fehle aber an Raum, um Auszubildende zu begleiten und zu fördern. Schmitt sagte achselzuckend im Rat: „Ich hätte auch nicht gedacht, dass wir noch ein Fledermaus-Gutachten aufs Auge gedrückt bekommen.“ Dunja Brügging (SPD) bat um eine Aktualisierung der Zahlen und Fakten: Anmeldungen und Prognose, Baukosten und jetzt gültige Zuschussprogramme.

Der Bürgermeister betonte, dass man seiner Ansicht nach „dringend ran müsste ans Bestandsgebäude“ und äußerte die Hoffnung, noch in diesem Jahr mit dem Anbau zu beginnen. Wegen Pfarrer Kraul müsste die Außenstelle nicht so schnell geschlossen werden: „Wir stellen unser Haus der Gemeinde gern noch länger zur Verfügung, denn wir sind sehr glücklich mit der Kita. Auch unsere Hündin schaut immer rüber, wenn Kinderlachen vom Nachbargrundstück kommt.“

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