Grünstadt Anna kocht auf Knopfdruck

Mehr als 400 Jahre alt: der Nautiluspokal.
Mehr als 400 Jahre alt: der Nautiluspokal.
Die Schöne Anna war geschäftstüchtig und selbstbewusst.
Die Schöne Anna war geschäftstüchtig und selbstbewusst.

Es riecht noch nach Farbe im neugestalteten Dürkheimer Stadtmuseum. Ab heute ist das Haus für alle zugänglich. Seit gestern steht am Haus ein Gerüst. Denn noch fehlt ein Baustein im Konzept.

Irgendjemand ist da doch? Geräusche im eigentlich leeren Museum machen stutzig. Und richtig: Um die Ecke ist die Schöne Anna am Werkeln. Zwar virtuell, aber voller Tatendrang steht die legendäre Dürkheimer Wirtin des 19. Jahrhunderts in einer erstaunlich modernen Küche. Auf Knopfdruck beschäftigt sich Anna-Darstellerin, die Gästeführerin Elke Metzger, mit Saumagen oder Kartoffelsuppe. Von der geschäftstüchtigen Anna Bergner, Wirtin der Dürkheimer „Vier Jahreszeiten“, lassen sich viele Geschichten erzählen. Wie etwa die von einer Anzeige aus dem Jahr 1843. Da lud Anna zu einem Konzert mit Ball ein und unterschrieb selbstbewusst mit ihrem Namen. Was einige „Freunde der 4 Jahreszeiten“ aus Neustadt zu einer „bescheidenen Anfrage“ anstiftete, ob denn ihr Gatte „schreib-, mund- oder gar mausetodt“ sei. Schließlich spreche Bergner in der Anzeige von „ihrem“ Garten und in „ihrem“ Namen. Die selbstbewusste Wirtin hat sich von solchen Sticheleien anscheinend nicht weiter beeindrucken lassen. Sind doch neben Anekdoten auch drei Kochbücher mit Rezepten von ihr überliefert – in ihrem Namen. Von selbstbewussten Frauen und starken Männern aus Bad Dürkheim erzählt ein Teil des Museums. Es geht nicht nur um Anna Bergner, sondern auch um die Opernsängerin und Festspielleiterin Rosa Maas. Und natürlich um Johannes Fitz und dessen Beteiligung am Hambacher Fest. Das Hambacher Fest spielt im Haus eine große Rolle. Kann doch im neugestalteten Museum erstmals dauerhaft ein besonderes Stück gezeigt werden. Eine Fahne, die damals aufs Schloss getragen wurde, ist unter einer speziellen Glasscheibe ausgestellt. Auf Knopfdruck wird das schwarze Stück Stoff sichtbar. „Die Weinbauren müssen trauren“, steht darauf. Die Winzer protestierten damals gegen Zölle, die es ihnen kaum möglich machten, ihren Wein zu verkaufen. Die Fahne sei ein Stück deutscher Geschichte in Bad Dürkheim, sagt Museumsleiterin Britta Hallmann-Preuß. Es seien nur eine Handvoll solcher Fahnen übrig geblieben, so die Museumsleiterin. Eine kann man beispielsweise im Hambacher Schloss, eine andere im Haus der Geschichte in Bonn ansehen. Das Dürkheimer Stadtmuseum hat immer von Dienstag bis Sonntag, 14 bis 17 Uhr, geöffnet. Der Eintritt ist frei. Kulturdezernentin Heidi Langensiepen (FDP) hält auf Nachfrage eine Debatte über Eintrittspreise nach der nun fertigen Erweiterung und Modernisierung für denkbar. Sie sei aber dafür, weiter keinen Eintritt zu verlangen. Auch äußerlich wird sich am Museum etwas verändern. Das Gebäude soll in den Abendstunden angestrahlt werden. Deswegen steht derzeit ein Gerüst am Haus in der Römerstraße. Zum Stadtfest soll es verschwunden sein.