Grünstadt Altleiningen: Ausbildungsplätze für unbegleitete Flüchtlinge

Hoffnungsvoll: junge Flüchtlinge und ihre Betreuer.
Hoffnungsvoll: junge Flüchtlinge und ihre Betreuer.

„Die jungen Männer sind ein leuchtendes Beispiel für erfolgreich integrierte Flüchtlinge“, sagt Patrick Maas vom Jugendamt Bad Dürkheim. Er ist Vormund der „Unbegleiteten minderjährigen Ausländer“ (Uma), die das Caritas-Förderzentrum St. Rafael in Altleiningen betreut. Seit Februar 2016 hat es mehrere Außenwohngruppen für diese Jugendlichen eröffnet. Viele können inzwischen gut Deutsch, haben Ausbildungsplätze und große Ziele.

Maas ist stolz auf die derzeit 15 Jugendlichen, die in Grünstadt und Kirchheim leben. Einige von ihnen hätten jetzt einen Schulabschluss und gingen ihren Weg in die Arbeitswelt, „und das nach allem, was sie durchgemacht haben“. Der 17-jährige Afghane Hassan erzählt: „Mein Zwillingsbruder Hussein und ich waren fünf Jahre alt, als unser Vater erschossen wurde und wir mit Mutter und Geschwistern in den Iran geflohen sind.“ Doch im Nachbarland wird sein Volk diskriminiert. „Afghanen zahlen dort das doppelte Schulgeld, dürfen nicht studieren und kein Auto besitzen“, erläutert er. Nach zehn Jahren ist Hassan geflohen – einen Monat nach Hussein und dem gleichaltrigen Cousin Saefullah, „weil ich noch nicht genug Geld zusammen hatte“. Er berichtet von endlosen Fußmärschen mit rund 100 anderen Leuten auf sehr gefährlichen Wegen bei eisiger Kälte im gebirgigen Grenzgebiet zur Türkei. Dabei habe er noch Kinder von Schicksalsgenossen geschleppt. Er erzählt von der Angst bei einer nächtlichen Fahrt im überfüllten Schlauchboot. Nach etwa 25 Tagen kam er im Februar 2016 schließlich in München an. Seinen Bruder zu finden, der bereits in Altleiningen untergekommen war, sei nicht einfach gewesen. Zunächst hat man den damals 15-Jährigen nach Berlin geschickt. „Am 1. April 2016 konnten sich Hassan und Hussein um den Hals fallen. Das war eine Riesenfreude“, erinnert sich die für Umas zuständige Bereichsleiterin Andrea Knerr-Gütermann, die sich für die Zusammenführung der beiden eingesetzt hatte. Gegenwärtig basteln die Zwillinge an ihrer Mittleren Reife. „Wir lernen einfach, egal wie lange es dauert“, erklärt Hassan, der im August eine Lehre als Elektrotechniker in Weisenheim am Sand beginnt. Hussein hat einen Ausbildungsplatz als Tischler in Ludwigshafen. In Grünstadt lässt sich Saefullah zum Fachlageristen ausbilden. Er habe sich während eines dreiwöchigen Praktikums so gut angestellt, dass ihm die Firma, die eigentlich keinen Azubi haben wollte, eine Lehrstelle anbot. Das Leininger-Gymnasium habe er wegen der Sprachbarriere verlassen müssen. Jetzt habe er einen Durchschnitt von 1,9 im Berufsvorbereitungsjahr an der BBS in Bad Dürkheim. Weshalb Saefullah auf dem Gymnasium gelandet war, erklärt Knerr-Gütermann: „2016 wurden die Uma einfach auf irgendwelche Schulen verteilt, wo Platz war. Ziel war es, ihnen eine Tagesstruktur und die Möglichkeit zu geben, Deutsch zu lernen.“ Der Somalier Jabir hat aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse den Hauptschulabschluss nicht geschafft. Dafür begeistert er seit Herbst 2017 als Praktikant in einem Grünstadter Seniorenheim. Nach einem Intensivkurs in Deutsch wird der 18-Jährige eine Fachschule für Altenpflegehelfer besuchen und auf diesem Weg die Berufsreife erlangen. „Eigentlich möchte ich Mechatroniker werden“, sagt er. Sein Betreuer Peter Gaab hebt hervor, dass das ein ehrgeiziges Ziel ist: „Das setzt den Sekundarabschluss I voraus.“ Knerr-Gütermann erzählt, dass einer ihrer Schützlinge sogar Medizin studieren wird: „Alis noch in der Heimat Syrien erworbenes Abitur wurde hier anerkannt, er hat das Deutsch-Niveau C1 erreicht und ein Stipendium erhalten.“ Gegenwärtig besuche der heute 20-Jährige in Mainz ein Vorbereitungsseminar für den Gang an die Uni.

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