Eisenberg
60 Jahre Stamm „Franz von Sickingen“: Was das Pfadfinder-Dasein ausmacht
Einmal pro Woche treffen sich die Pfadfinder auf einem Gelände im Ostring. Joshua Chrysler aus Göllheim ist einer davon. Der 23-Jährige ist seit 15 Jahren dabei, der 27-jährige Horst Stauffer-Bescher aus Bolanden seit 17 Jahren. „Unser Stamm wurde von Günther Dreyer gegründet, der ursprünglich Lehrer am Weierhof-Gymnasium in Bolanden war, später dann Lehrer an der Grundschule in Eisenberg“, erzählt Chrysler. Damals stellte die Stadt das Gelände im Ostring zur Verfügung.
Für Dreyer war es nicht die erste Gruppengründung: Er hatte im Donnersbergkreis bereits eine Gruppe in Kirchheimbolanden und eine in Göllheim gegründet, bevor er vom Weierhof nach Eisenberg versetzt wurde. Mit der Eisenberger Gruppe bildeten sie den Stamm „Franz von Sickingen“. Franz von Sickingen – geboren am 2. März 1481 auf Burg Ebernburg über Bad Münster am Stein-Ebernburg und verstorben am 7. Mai 1523 auf Burg Nanstein über Landstuhl – war ein Reichsritter und Anführer der rheinischen und schwäbischen Ritterschaft.
Nicht nur rosige Zeiten erlebt
Zu Beginn war der Stamm Mitglied im Deutschen Pfadfinderbund Westmark, bevor er 1971 dem Bund der Pfadfinder beitrat, mit dem er 1975/ 76 zum Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) fusionierte. Als Dreyer 1973 im Alter von 63 Jahren plötzlich verstarb, übernahmen die Familien Weigel, Heidenmann und Eisenbarth. Von nun an leiteten die älteren Pfadfinder um Jürgen Heidenmann, genannt Heide, den Stamm.
Die Zeiten für den Stamm waren nicht immer rosig: Im Jahr 2005 habe es nur noch eine Sippe mit fünf bis sieben Pfadfinderinnen und Pfadfindern gegeben, berichten die Eisenberger. Doch die Teilnahme am Bundeslager „Vineta“ in Wolfsburg brachte neuen Schwung: Im Herbst 2005 wurde eine neue Meute gegründet.
Reisen ins Ausland als Höhepunkte
„Heute sind wir gut aufgestellt – wir haben eine Meute mit Kindern von fünf bis elf Jahren mit rund 30 Mitgliedern, drei Sippen für Kinder von elf bis 16 Jahren mit rund 35 Mitgliedern und die Runde Franz für alle ab 16 Jahren“, erzählt Stauffer-Bescher. In den Gruppenstunden, die freitags von 16.45 Uhr bis 18.15 Uhr stattfinden, sei mächtig was los. Es werde gespielt, gesungen, gebastelt und gewerkelt.
„Unsere Highlights sind natürlich immer unsere Ausfahrten und Lager, die in jeden Ferien stattfinden. Alle zwei Jahre fahren wir mit den Sippen ins Ausland, beispielsweise nach Irland, Norwegen, Frankreich, Polen, Wales oder auch mal Segeln auf dem IJsselmeer in den Niederlanden“, berichtet er. Die Auslandsreisen, bestätigt Chrysler, seien stets die absoluten Höhepunkte des Jahres. „In Irland haben wir im letzten Jahr auf einer Weide übernachtet, und morgens waren wir von gefühlt Tausenden Schafen umringt. Das war einmalig“, erinnert er sich lachend.
Für die 27-jährige Franka Schreiber, seit 16 Jahren Mitglied und mit Chrysler zusammen Stammesführerin, sind die Menschen das Wichtigste. „Das Erkunden einer unbekannten Gegend, das gemeinsame Kochen an einem fremden Ort sind für mich immer besonders“, erzählt sie.
Die 21-jährige Soraya Kaiser ist seit 13 Jahren dabei. Sie erinnert sich noch gut an ihre Fahrt nach Norwegen. „Damals war ich gerade elf Jahre alt, unser Lager war oben auf einem Berg, die Aussicht fantastisch, die Wälder, der See und natürlich das Kanufahren haben mich beeindruckt“, sagt sie. Für Stauffer-Bescher gehört das Einschlafen am prasselnden Feuer unterm Sternenhimmel – möglichst bei schönem Wetter – zu den schönsten Erlebnissen.
Jubiläumsfeier als Familienfest
Dass ihr Stamm nun 60 wird, wollen sie mit anderen feiern: Das Jubiläumsfest am 23. August beginnt um 14 Uhr auf dem Gelände und Parkplatz im Ostring und soll ein großes Beisammensein, eine Art Familienfest werden. Stauffer-Bescher sagt: „Alle dürfen kommen, nicht nur Mitglieder, einfach alle sind eingeladen. Es gibt ein Kinderprogramm, der Verein Leben und Wohnen in Steinborn versorgt uns kulinarisch, und es wird Infos rund um unseren Stamm geben.“
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