Eisenberg / Leiningerland
120 Jahre Rotary Clubs: Was im Leiningerland für das Geburstagsjahr geplant ist
Auf den ersten Blick haben sie bis auf ihr Geschlecht nicht viel gemeinsam: Kampfsport-Legende Jackie Chan, Bill Gates, König Charles III. und Horst Seehofer. Sie eint aber noch etwas: die Mitgliedschaft im Rotary Club. Vor 120 Jahren gründete der Rechtsanwalt Paul Harris den ersten Serviceclub in Chicago. Heute zählt die internationale Dachorganisation rund 1,4 Millionen Mitglieder in ihren Reihen.
Völkerverständigung über Austausch
Auch hier in der Region gibt es seit 2008 mit dem Rotary Club Eisenberg-Leiningerland einen eigenen Ableger. Aktuell verzeichne der Serviceclub dort 39 Mitglieder, sagt Präsidentin Sabine Dhonau. Vor sechs Jahren sei sie beigetreten, nachdem ihre Tochter sie auf das Austauschprogramm der Rotarier aufmerksam gemacht habe. So können sich Jugendliche bei ihren örtlichen Rotariern bewerben, um bis zu ein Jahr bei einer Gastfamilie im Ausland zu verbringen. Wichtig dabei: Die Jungen und Mädchen können ihre Wunschziele zwar angeben, aber am Ende wird der Reiseort ausgelost. So soll laut Dhonau verhindert werden, dass zum Beispiel nur junge Erwachsene aus westlichen Ländern oder dem globalen Norden untereinander in Kontakt kommen. Ihre eigene Tochter zog es beispielsweise nach Chile.
„Ich fand die Idee toll, dass jemand in einem anderen Land sich so um mein Kind kümmert, als wäre es sein eigenes“, sagt Dohnau. Der Gedanke dahinter, Freundschaften zwischen verschiedenen Kulturen zu knüpfen, sei für sie immer noch einer der wichtigsten Werte des Serviceclubs. „Denn auf Freunde schießt man nicht“, sagt Dhonau mit Blick auf die aktuelle Weltlage.
Seit 1989 dürfen Frauen mitmachen
Das Bild der Rotarier hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. Erst seit 1989 werden auch weibliche Mitglieder aufgenommen. Zuvor hatte der Oberste Gerichtshof in den USA entschieden, dass Frauen wegen ihres Geschlechts nicht ausgeschlossen werden dürfen. Auch wenn in vielen Köpfen noch das Bild eines Männerclubs steckt: „Das stimmt heute einfach nicht mehr“, sagt Dhonau mit Blick auf ihren Club, bei dem 34 Prozent der Mitglieder weiblich sind.
Weltweit lag der Frauenanteil nach Angaben des Dachverbands 2020 bei 23 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland lag der Anteil zum damaligen Zeitpunkt bei knapp 13 Prozent. „Es gibt viele Länder mit einer höheren Quote, bei denen die meisten das gar nicht erwarten würden“, merkt die Präsidentin an. In Asien gebe es beispielsweise viele Clubs, die mehr Frauen in ihren Reihen zählen.
Auch entspreche es nicht der Realität, dass beispielsweise nur hochrangige Politiker oder Firmenchefs Mitglied bei Rotary sind. „Jeder Club versucht, bei seinen Mitgliedern auch die lokale Bevölkerung zu repräsentieren“, sagt Dhonau – im ländlichen Raum etwa auch Landwirte oder Winzer. Wer Mitglied werden will, muss allerdings erst einmal von einem Rotarier vorgeschlagen werden. Zudem dürfe es bei jedem Kandidaten keine Gegenstimme im Serviceclub geben, so Dhonau. Auch komme es auf die Befolgung der Werte des Clubs an, die 1932 der damalige Präsident von Rotary International, Herbert J. Taylor, so zusammenfasste: „Bei allem, was wir denken, sagen oder tun, sollten wir uns fragen: Ist es wahr? Ist es fair für alle Beteiligten? Wird es Freundschaft und guten Willen fördern – und wird es dem Wohl aller Beteiligten dienen?“
Probleme beim Kampf gegen Kinderlähmung
Aktuell gehören 39 Mitglieder dem Rotary-Club Eisenberg-Leiningerland an. „Vor sechs Jahren, als ich eintrat, waren es 42 Clubmitglieder“, sagt die Präsidentin. Trotz des leichten Rückgangs, für den Dhonau mehrere Wegzüge und die Corona-Pandemie verantwortlich macht, bleibt das Engagement aber ungebrochen.
Ein Schwerpunkt laut Präsidentin: der Kampf gegen Poliomyelitis, also Kinderlähmung. Seit der Gründung werde jährlich ein Betrag an das Programm „End Polio Now“ von Rotary International überwiesen, um Schutzimpfungen für Kinder zu finanzieren. Nach eigenen Angaben konnten durch das Programm weltweit rund 2,5 Milliarden Kinder geschützt werden. „Durch die Kriegshandlungen weltweit gibt es allerdings wieder vermehrt ungeimpfte Kinder“, sagt Dhonau, die beruflich als Fachärztin in Kirchheim tätig ist.
Ein weiteres Beispiel für das Engagement des Clubs sei die Unterstützung eines Waisenhauses in Afrika, wo auch ein Berufsbildungszentrum errichtet wurde, um den Jugendlichen eine Zukunftsperspektive zu bieten. Außerdem unterstützten die Rotarier bereits das Kinderhospiz Sterntaler in Dudenhofen sowie die Brücke in Eisenberg mit Spenden. „Seit der Gründung unseres Clubs konnten mehr als 300.000 Euro an Spendengelder übergeben werden“, so Dhonau.
Rotarier planen schon für Weihnachten
Auch dieses Jahr plant der Rotary Club Eisenberg-Leiningerland mehrere Aktionen. Der nächste Jugendaustausch befinde sich etwa in der Vorbereitung, so Dhonau. Außerdem veranstalte der Rotary Club dieses Jahr erstmals nach der Corona-Pandemie wieder ein Benefiz-Weihnachtskonzert. Geplant ist es für den 21. Dezember – erneut mit den Mainzer Hofsängern, die zuletzt 2019 für Begeisterung sorgen konnten.