Leiningerland
Ärztemangel: Warum sich das Problem im Leiningerland gelöst hat
Noch im Sommer vergangenes Jahr war die Sorge groß: Was passiert mit der hausärztlichen Versorgung im Westen des Leiningerlands? Drei Ärzte in Hettenleidelheim standen kurz vor der Rente und hatten keinen Nachfolger gefunden. Thong Quoc Chu hatte sogar seine Praxis in Dirmstein geschlossen, um einen Teil der Patienten in seiner Wattenheimer Praxis aufnehmen zu können. Zwischenzeitlich stand deshalb die Überlegung im Raum, als Verbandsgemeinde Leiningerland ein eigenes Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) zu gründen, in dem sie Ärzte anstellt. Doch mittlerweile hat sich einiges getan. Die jüngste Veränderung: Am 15. April fängt Salman Babar in der Hausarztpraxis in Kirchheim an, nachdem der Mediziner Matthias Deppert sie Ende März verlassen hat. Deppert plant im Sommer den Wechsel nach Ebertsheim.
Neuer Arzt startet in Kirchheim
Sein Kirchheimer Nachfolger Babar ist 37 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in Edenkoben. „Ich habe in Leipzig Medizin studiert und dort 2018 meinen Abschluss gemacht“, erzählt er. Sein Schwerpunkt ist die Innere Medizin. Nach der Promotion habe er in verschiedenen Kliniken gearbeitet, zuletzt in Baden-Württemberg. „Ich konnte viele Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen sammeln, lediglich die Arbeit in einer Praxis fehlt noch. Deshalb freue ich mich, ab Mitte April hier in Kirchheim zu arbeiten“, sagt er. Sein Ziel sei irgendwann die eigene Praxis. „Ich bin kein Stadtmensch, eher ein echtes Landei, deshalb wollte ich auch raus aus der Klinik und aufs Land“, so Babar schmunzelnd.
Seine Stelle in der Hausarztpraxis sei eine Teilzeitstelle mit 75 Prozent, so dass auch noch Raum für Familie und Freizeit bliebe, was bei der Arbeit im Krankenhaus oft schwierig gewesen sei. Babars familiäre Wurzeln liegen in Pakistan. „Als ich nach Deutschland kam, habe ich Hilfe bekommen. Jetzt ist die Zeit, in der ich etwas zurückgeben kann und möchte“, sagt er.
In der Hausarztpraxis in Kirchheim, die seit 2019 besteht, arbeitet neben der Inhaberin, Sabine Dhonau, noch die Medizinerin Franziska Hoch sowie acht Medizinische Fachangestellte, die meisten von ihnen in Teilzeit. „Die Bewältigung der enorm großen Zahl an Patientinnen und Patienten ist jeden Tag eine neue Herausforderung, was durch das Schließen von immer mehr Praxen zusätzlich verstärkt wird“, stellt Dhonau fest.
Wechsel unter den Hausärzten
Eine von ihnen ist beispielsweise die Praxis Reidick in Grünstadt, für die trotz langer Nachfolgersuche niemand gefunden wurde und die im Sommer dieses Jahr schließen wird. Ein ähnliches Szenario drohte auch Michael Beck, der acht Jahre lang gesucht hat, bis er Florian Becker als Nachfolger fand. Auch Reiner Fritsch, Mitte 70 und Hausarzt in Carlsberg, hat Verstärkung gefunden, die langfristig übernehmen möchte – wobei Christiane Koch als weitere Hausärztin ihre Praxis 2025 in Carlsberg eröffnet hat.
Mit dieser Entwicklung begründet Verbandsgemeinde-Bürgermeister Daniel Krauß (SPD), dass es inzwischen keinen Druck mehr rund um ein mögliches VG-MVZ gebe. Sein Vorgänger Frank Rüttger (CDU) hatte noch im vergangenen Frühjahr Überlegungen angestellt, unter dem Dach der VG ein eigenes MVZ zu gründen. Wie dieser im Gespräch mit der RHEINPFALZ sagt, sei die größte Herausforderung für die VG Leiningerland die Suche nach Räumen gewesen. So habe sie das Rathaus der Alt-VG Hettenleidelheim nach einer konkreten Anfrage durch einen Arzt als potenzielles Ärztehaus prüfen lassen. Dort arbeiten nach wie vor Mitarbeiter der VG Leiningerland. Obwohl sich der Interessent im Herbst zurückgezogen habe, sei die Prüfung fortgesetzt worden, sowohl unter baurechtlichen als auch finanziellen Aspekten. Neben der grundsätzlichen Eignung brauche es alternative Büros für die VG-Mitarbeiter, wobei auch dafür nach wie vor Optionen im Raum stünden.
Austausch mit Nachbar-Verbandsgemeinden
Ganz vom Tisch sei das Thema also nicht, betont auch Rüttgers Nachfolger Krauß. Allerdings habe sich durch die Nachfolger im Westen des Leiningerlands die Lage „fürs Erste entspannt“. Trotzdem wolle er Gespräche mit Ralph Bothe, Bürgermeister der Nachbar-VG Monsheim, suchen. Dort wurde eine GmbH gegründet, die ein Gesundheitszentrum mit angestellten Ärzten betreibt. „Ich möchte wissen, was dort gut läuft und was nicht.“ Auch mit der VG Lambsheim-Heßheim wolle er sich diesbezüglich austauschen. „Ich bin ein Fan interkommunaler Zusammenarbeit“, sagt Krauß in dem Zusammenhang und fügt an, dass ein MVG mittelfristig Thema wird. Doch auch jetzt schon spitze er die Ohren, falls Ärzte Interesse zeigten: „Wir sind auf Empfang.“