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Montag, 03. Dezember 2018 Drucken

Grünstadt: Kultur Regional

Zwei Orchester, ein Konzert

Das Bergmanns-Blasorchester Hettenleidelheim und die Spielgemeinschaft Hütschenhausen musizieren zusammen in Hettenleidelheim

Von Joerg Schifferstein

Beim Gemeinschaftskonzert des Bergmanns-Blasorchesters Hettenleidelheim und der Spielgemeinschaft Hütschenhausen dirigierten Markus Eichinger (Foto) und der Hütschenhausener Leiter Stefan Grüner im Wechsel.

Beim Gemeinschaftskonzert des Bergmanns-Blasorchesters Hettenleidelheim und der Spielgemeinschaft Hütschenhausen dirigierten Markus Eichinger (Foto) und der Hütschenhausener Leiter Stefan Grüner im Wechsel. ( Foto: Schifferstein)

Das Bergmanns-Blasorchester Hettenleidelheim und die Spielgemeinschaft Hütschenhausen haben am Samstagabend zum gemeinsamen Konzert nach Hettenleidelheim geladen. Die beiden Ensembles brachten ein schönes Blasorchester-Programm auf die Bühne, das abwechselnd unter der Leitung von Markus Eichinger, dem Dirigenten des Bergmanns-Blasorchesters, und Stefan Grüner, dem Leiter der Spielgemeinschaft Hütschenhausen, präsentiert wurde. Am Ende gab es den verdienten Applaus im Stehen, das Publikum war der Kooperation der beiden Blasorchester zugetan.

Doppelt so viele Musiker bedeutet nicht gleichzeitig doppelt so laute Musik. Es ist dem Gemeinschaftsorchester, das ein sehr buntes Programm an Blasorchester-Literatur bot, gelungen, trotz großem Volumen und viel Kraft ein ausgewogenes Klangbild zu erzeugen. Es ließ den gelegentlich spielenden Solisten und solistisch agierenden Sätzen Raum, um sich zu entfalten.

Das wohl eindrucksvollste Werk war Silva Nigra (Schwarzwald) von Markus Götz, eine Auftragskomposition der Trachtenkapelle St. Märgen aus dem Schwarzwald (dirigiert von Markus Eichinger). Die sieben Episoden sind mit „Der Tag erwacht“, „Ein Morgen voller Nebel“, „Der Nebel löst sich auf“, „Blick ins Tal“, „Auf zur großen Wanderung“, „Begegnung am Kloster“ und dem finalen „Besuch auf dem Rossfest“ überschrieben.

Sie skizzieren Leben und Traditionen des Schwarzwalds sowie dessen landschaftliche Reize. Götz schafft es, in dieser Komposition dem Anspruchsdenken moderner symphonischer Blasmusik und dem Anspruch von Laien-Musikern sowie deren Publikum gerecht zu werden, in dem er spätromantische Kompositionszüge verwendet. Das bewirkt, dass die Bläser einerseits gefordert, andererseits nicht überfordert werden. Die Zuhörer – die von Hütschenhausener Musiker Timo Natter durchs Programm geführt wurden – bekamen gerade bei diesem Werk sehr solide Leistungen einzelner Musiker zu hören.

Ähnlich angelegt, aber in der Art der Komposition stark amerikanisiert und an die Spielweise von US-Highschool-Orchester angelehnt, ist das Werk „Virginia“ von Jacob de Haan. Geprägt wird es von regelmäßigen Takt- und Tonartwechseln, die interpretatorisch gut vom Gesamtensemble umgesetzt wurden. Das Stück, das die Geschichte des amerikanischen Bundesstaats beschreibt, gehört auch zu den moderneren Kompositionen, die heute gerne von Orchestern wie dem BBO und der Spielgemeinschaft Hütschenhausen aufgegriffen werden. Es wurde genau wie die Adaption der Filmmusik von „Star Wars - The Force Awakens“ von John Williams, (arrangiert von Jay Bocook) von Stefan Grüner dirigiert.

Im Star Wars-Titel, der im Original von einem großen Symphonischen Orchester mit Streichern gespielt wird, glänzte vor allem das hohe Holz, denn die zahlreichen Nebenmelodien, die diese Filmmusik ausmachen, werden von den Arrangeuren überwiegend den Klarinetten zugeordnet. Der dichte Klang des gemeinsamen Klarinetten-Satzes gefiel, wohl einer der besonderen Momente dieses Abends.

Mit diesem Werk, das der Oberstufen-Orchester-Literatur zugeordnet ist, reizte das Doppelorchester erstmals seine Möglichkeiten voll aus, stieß dabei auch an intonatorische Grenzen. Solche Experimente hätte es sicher noch mehr geben dürfen. Stattdessen gab es den einen oder anderen Griff in die Mottenkiste des Blasmusik-Repertoires, was allerdings vom Publikum im Saal intensiv mit Applaus belohnt wurde. Beispiele hierfür warem der durchaus witzig präsentierte Marsch Konfetti oder die Rock Highlights, die beide von Markus Eichinger dirigiert wurden.

Gerade beim Marsch Konfetti kamen die Showeinlagen der Schlagzeuger und die nicht ernst gemeinten Streitgespräche mit dem Dirigenten besonders gut an.

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