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Samstag, 16. September 2017 Drucken

Eisenberg

„Wir sind die einzige wirkliche Opposition“

Vor der Bundestagswahl: Der umstrittene Historiker und Autor Stefan Scheil tritt für die Alternative für Deutschland an

Von Dietmar Fligg

Als Jugendlicher machte Stefan Scheil den Segelschein. Heute hisst er ab und an die Segel seines kleinen Bootes im Otterstadter Altrhein.

Als Jugendlicher machte Stefan Scheil den Segelschein. Heute hisst er ab und an die Segel seines kleinen Bootes im Otterstadter Altrhein. ( Foto: Lenz)

Stefan Scheil, der Bundestagskandidat der Alternative für Deutschland (AfD), der in Neuhofen bei Ludwigshafen zu Hause ist, kennt noch längst nicht jeden Ort in seinem Wahlkreis 209 Kaiserslautern, zu dem auch Kusel gehört. Das Städtchen kennt er allerdings. Vor einiger Zeit hatte er sich mit Bundestagkandidaten anderer Parteien im Kuseler Gymnasium den Fragen von Schülern gestellt.

Auch wenn er in Neuhofen wohne, fremd sei ihm die Gegend hier nicht. Scheil wandert gerne, liebt Burgen und Wälder, wie er erzählt. Natürlich kenne er den Pfälzerwald, und seine Familie besitze ein Grundstück mit einer Streuobstwiese bei Winnweiler, wo er gelegentlich einen Teil seiner Freizeit verbringe.

Aber was bewegt einen, der vom Rhein kommt, ausgerechnet im strukturschwachen Gebiet der Westpfalz ein Bundestagsmandat erringen zu wollen? „Man sieht, dass teilweise die Lichter ausgehen“, sagt Scheil. Als Beispiel nennt er schlechte Straßen und Probleme bei der Ärzteversorgung. Als Abgeordneter in Berlin könne er sich dafür einsetzen, dass man den Beruf des Landarztes wieder attraktiver macht und Mediziner von zuviel Bürokratie entlastet.

Eine Kandidatur also nur aus eigenem Antrieb? Nicht nur. „Ja, ich wurde angerufen und gefragt, ob ich Interesse hätte“, sagt er und fügt hinzu: „Ich kann es glaubwürdig vertreten.“ Scheil ist bekannt in der Partei, in die er gleich nach ihrer Gründung 2013 eingetreten ist und an deren Landesprogramm er mitgeschrieben hat. Vor allem im Bildungsbereich will er Akzente setzen. Er will die „totale Inklusion“ nicht, sondern Förderschulen und das gegliederte Schulsystem erhalten, die Einrichtung von Gesamtschulen aber nur als „Ergänzung“.

Scheil hat als promovierter Historiker mehrere Bücher zur Vorgeschichte und Geschichte des Zweiten Weltkriegs veröffentlicht, die in Fachkreisen umstritten sind. Dem 54-Jährigen, der leger auftritt und ein wenig an einen Alt-68er erinnert, gestehen Fachkreise teilweise eine gute Quellenbasis zu; Kritik und Unverständnis erntet Scheil allerdings für seine Schlussfolgerungen. So sprach der inzwischen verstorbene Historiker und Politikwissenschaftler Hans-Adolf Jacobsen beispielsweise von einem „Eskalationsmodell“, das Scheil extra konstruiert habe, um den Beginn des Zweiten Weltkriegs durch Nazi-Deutschland zu relativieren. Nachzulesen ist die umfangreiche Kritik über Scheils Arbeiten im Internet bei Wikipedia.

Auf Vorwürfe der Fachwelt reagiert Scheil gelassen. Gelegentlich müsse er sich jedoch gegen einige Vorhaltungen wehren. Beispielsweise widerspricht er der in Wikipedia geäußerten Kritik, er vertrete die von der Geschichtswissenschaft abgelehnte Auffassung, der Zweite Weltkrieg sei „nicht maßgeblich vom nationalsozialistischen Deutschland verursacht“ worden. Das habe er nie behauptet, entgegnet Scheil gegenüber der RHEINPFALZ: „Ich wende mich lediglich gegen die Alleinverursacherthese.“ Dass er als Referent auch an Veranstaltungen teilnahm, die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wurden, begründet Scheil mit einer teilweisen „Fehleinschätzung“, der er unterlegen gewesen sei. Allerdings sei das mehr als zehn Jahre her; im übrigen sei er ein Freund des freien Wortes und nicht bereit, sich von der politisch Linken den Dialog mit anderen verbieten zu lassen.

Seine Chancen auf ein Bundestagsmandat? Scheil glaubt an 15 Prozent für die AfD, weil: „Wir sind die einzig wirkliche Opposition“ – und als Fünfter auf der Landesliste ist für ihn der Einzug in den Bundestag realistisch. Gleichwohl werde man als Oppositionspartei auch „in Berlin bei Entscheidungen zustimmen, wo man zustimmen kann, zum Beispiel wenn es um eine Obergrenze für den Zustrom von Flüchtlingen geht“, weil sich die Probleme des Planeten mit der gegenwärtigen Politik nicht lösen ließen.

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