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Mittwoch, 16. Januar 2019 Drucken

Grünstadt: Kultur Regional

Wenn Frauen träumen

„Female Fantasies“ im Mannheimer Nationaltheater

Von Hans-Ulrich Fechler

Wovon träumen Frauen, wenn sie nicht schlafen können? Dieser Frage geht das Stück „Female Fantasies“ nach und benutzt dabei sehr frei Motive des japanischen Schriftstellers Haruki Murakami und des russischen Klassikers Leo Tolstoj.

Es kommt nicht oft vor, dass eine Theateraufführung in der Kneipe des Werkhauses des Nationaltheaters stattfindet. Für ihr Zwei-Personen-Stück „Female Fantasies“ hielt die Regisseurin Jennifer Peterson aber den intimen Ort offenbar für den geeignetsten. Nur 30 Zuschauer finden hier Platz. Der beengte Raum hilft dem Publikum, sich in die Frau hineinzuversetzen, die da von ihren beengten Lebensverhältnissen erzählt.

Wie die Frau heißt, erfahren wir nicht, aber nennen wir sie Anna. Diese Anna also ist 30 Jahre alt und mit einem gut situierten Zahnarzt verheiratet, mit dem sie einen kleinen Sohn hat. Anna kann nicht schlafen. Tagelang, wochenlang macht sie kein Auge zu, ohne infolge des Schlafmangels krank zu werden.

Ihre schlaflosen Nächte verbringt sie damit, das Gesicht ihres schlafenden Mannes und ihres Sohnes zu studieren. „Mein Mann ist wirklich hässlich geworden“, stellt sie fest. „Und er wird in den nächsten Jahren noch hässlicher.“ Und von ihrem Sohn weiß sie, dass sie ihn wegen der Ähnlichkeit mit dem Vater eines Tages verachten wird. Vor allem aber verbringt Anna ihre Zeit damit, wieder und wieder Leo Tolstojs „Anna Karenina“ zu lesen. Mit Flauberts „Madame Bovary“ und Fontanes „Effi Briest“ gehört er zu den großartigen Romanen des 19. Jahrhunderts, in deren Mittelpunkt eine Ehebrecherin steht.

Frustriert von ihrem ereignislosen Leben, möchte Anna von Abenteuern nicht nur lesen, sondern sie auch erleben. Tolstojs Roman endet mit Anna Kareninas Selbstmord, „Female Fantasies“ mit einem Albtraum. Das Ende bleibt offen.

Jennifer Peterson, die seit 2017 Regieassistentin am Nationaltheater ist, hat das Stück geschrieben. Die Schauspielerinnen Sophie Arbeiter und Viktoria Miknevich verschmelzen darin zu einer Person und wechseln sich als Erzählerinnen ab. Zwischendurch spielt Arbeiter auch schon einmal Geige, Miknevich isst Schokolade oder entfernt Klebeband von ihrem Oberkörper, als würde sie sich häuten. Beide verstehen es, die Zuschauer zu fesseln.

Termin

Eine weitere Vorstellung ist am Donnerstag, 24. Januar, um 20 Uhr. Karten gibt es unter Telefon 0621/1680-150.

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